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Hörverlust organisiert das Gehirn neu

26.03.2009
Tastsinn besetzt bei Ertaubung inaktive Hörregionen

Erwachsene Tiere, die einen Gehörsturz erleiden, leiten den Tastsinn in die Hörregionen des Gehirns um. Das berichtet eine Studie der Virginia Commonwealth University School of Medicine, die im Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse könnten wichtige Hinweise für die medizinische Behandlung bei Menschen nach Hörverlust geben.

"Zuvor wusste man, dass der Ersatz von beschädigten Sinneszellen - die sogenannte cross-modale Plastizität - teilweise beim Sehsystem eintritt. Diese erste Untersuchung beim Hörsinn zeigt jedoch eine Umgestaltung in weit stärkerem Ausmaß", betont Studienleiter Alex Meredith im pressetext-Interview. Den Studienergebnissen zufolge könne sich auch das erwachsene Gehirn noch langfristig neu organisieren.

Die Forscher verabreichten erwachsenen Wieseln ein Antibiotikum, das die Hörrezeptoren abtötet, betäubten sie und setzten in verschiedene Regionen ihres Großhirns feine Messdrähte. "Die Elektrophysiologie bewies, dass die Tiere 16 Tagen nach ihrer Ertaubung eine neu organisierten Tastsinn im Gehirn aufwiesen. Er war in die Hörregionen abgewandert", so Meredith. Als Ursache dieses Effekts sieht der Neurobiologe das Bestreben des Gehirns, aktiv zu bleiben. "Sobald die Verbindung zwischen Ohr und Gehirn unterbrochen ist, wird auch keine Hörinformation mehr weiter verarbeitet. Das Gehirn möchte jedoch weiterarbeiten und startet seine Reorganisation."

Der beobachtete Effekt habe auch für den Menschen Konsequenzen und erschwere die Untersuchung sowie auch die Unterstützung des verbleibenden Hörsinns erheblich, so Meredith. "Alte Menschen schalten ihr Hörgerät oft aus, da sie keinen Nutzen mehr erkennen. Dessen Ursache könnte jedoch auch der Funktionsverlust der Hörregionen sein."

Laut dem Studienleiter besteht nach dem Hörverlust ein kurzes Zeitfenster, innerhalb dessen die Funktion der Hörregionen noch unterstützt werden könne. "Wird in den ersten zwei Wochen ein Cochlea-Implantat oder ein Gehirnstamm-Implantat eingesetzt, besteht die Chance, dass diese Reorganisation unterbunden wird." Andererseits könne schon leichter Hörverlust bei Erwachsenen ernsthafte und möglicherweise fortschreitende Folgen haben, so der US-Forscher abschließend zu pressetext.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.vcu.edu

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