Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hodenkrebs: Gefahr von Plastikmüll auf der Spur

04.08.2010
Zahl der Erkrankungen in den letzten 35 Jahren verdoppelt

Wissenschaftler der Human Reproductive Sciences Unit des Medical Research Council untersuchen, ob Chemikalien, wie sie etwa in Plastik enthalten sind, für das Ansteigen der Hodenkrebs-Erkrankungen verantwortlich sind. Das Team um Richard Sharpe geht davon aus, dass der Kontakt damit bereits im Mutterleib erklären kann, warum sich die Anzahl der Erkrankungen in den letzten 35 Jahren verdoppelt hat.

Die Wissenschaftler betonen in Human Reproduction, dass eine derartige Studie auch heute nur durch ein neu geschaffenes Modell möglich ist, um so die Entwicklung der Krankheit zu beobachten. Mäusen werden für die Überprüfung der aufgestellten Theorie menschliche Zellen eingepflanzt.

Veränderungen zu Beginn der Schwangerschaft

Junge Männer erkranken an Hodenkrebs. Ärzte wissen bereits seit einigen Jahren, dass die Veränderungen, die zu einer Erkrankung führen, schon in den ersten Lebensmonaten des Fötus auftreten können. Da diese Veränderungen bereits zu Beginn der Schwangerschaft stattfinden und es keine Möglichkeit zur Untersuchung der Hoden gibt, ist nicht klar, wie und warum es zu diesen Veränderungen kommt.

Forscher sind laut BBC aufgrund der ständig zunehmenden Erkrankungen relativ sicher, dass es eine umweltbedingte Ursache geben muss. Sharpe hält es für denkbar, dass diese Veränderungen durch den Kontakt der Schwangeren mit Chemikalien wie Phthalaten entstehen, die in vielen Bereichen des Haushalts zu finden sind. Dazu gehören auch Möbel und Verpackungen.

Da die Krebserkrankungen jedoch erst 20 bis 40 Jahre später auftreten, ist es nur schwer möglich, genaue Ursachen oder das Ausmaß der Belastung der Mutter festzustellen. Das neue Modell ermöglicht jetzt, die Hoden sehr früh zu untersuchen und im Experiment zu manipulieren. Damit soll endlich geklärt werden, ob diese Chemikalien wirklich verantwortlich sind. Die Wissenschaftler haben Hodengewebe von abgetriebenen Föten unter die Haut von Mäusen eingepflanzt.

Phthalate beeinträchtigen Keimzellen

Die Keimzellen der Hoden befinden sich in einem kritischen Stadium, in dem alle Probleme bei der Entwicklung sie präkanzerös machen können. Die Wissenschaftler werden die Mäuse Phthalaten und anderen Chemikalien aussetzen, um festzustellen, ob es zu Veränderungen der Keimzellen kommt. Phthalate stehen aus verschiedenen Gründen ganz oben auf der Liste. Es ist aus Laborexperimenten bekannt, dass sie die Keimzellen des menschlichen Fötus beeinträchtigen können. Sie kommen auch am häufigsten zum Einsatz.

Phthalate machen das Plastik biegsam. Sie sind auch in Teppichen, Verbundplatten, der Polsterung von Autos, Beschlägen, bestimmten Kosmetika und Medikamenten enthalten. Sharpe räumt allerdings auch ein, dass es nicht ganz sicher ist, ob die Auswirkungen auf den Fötus im Tierversuch einfach auf den Menschen übertragen werden können.

Die Frage, ob Phthalate die Gesundheit des Menschen gefährden oder nicht, ist noch immer ungelöst und von entscheidender Bedeutung. Dahinter stehe ein sehr großer Industriezweig. Daher könnten diese Chemikalien nicht einfach ohne große Auswirkungen aus dem Alltag verbannt werden. Schon aus diesem Grund müsse man sich absolut sicher sein. Mit ersten Ergebnissen ist in einem Jahr zu rechnen.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.hrsu.mrc.ac.uk
http://humrep.oxfordjournals.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops