Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hämoglobin, ein Schlüssel zur Fitness

21.06.2010
Forschungsergebnisse der Bayreuther Sportmedizin

Die körperliche Ausdauer von Spitzensportlern hängt direkt von der Hämoglobinmenge in ihrem Blut ab. Dies haben Prof. Dr. Walter Schmidt und PD Dr. Nicole Prommer am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bayreuth jetzt nachweisen können. Zugleich haben sie verschiedene Wege untersucht, die Hämoglobinmenge zu erhöhen und so die Leistungsfähigkeit zu steigern. Über die Ergebnsise berichten sie in der Zeitschrift "Exercise and Sports Sciences Reviews".

Wann ist ein Mensch körperlich fit? Das hängt wesentlich von seiner Ausdauer ab, also von seiner Fähigkeit, über einen möglichst langen Zeitraum körperlichen Belastungen standzuhalten und sich nach Ermüdungsphasen möglichst rasch wieder zu erholen. Als ein wesentliches Kriterium für die Ausdauer gilt in der Sportmedizin die maximale Sauerstoffaufnahme. Dieser messbare Wert besagt, wie viele Milliliter Sauerstoff der Körper pro Kilogramm Körpergewicht in der Minute verwerten kann: und zwar dann, wenn er – beispielsweise durch sportliches Training – die Grenze seiner Belastungsfähigkeit erreicht. Je höher dieser Wert liegt, desto größer ist die körperliche Leistungsfähigkeit.

Körperliche Leistungsfähigkeit –
direkt abhängig vom Hämoglobin, dem Sauerstofftransporter
Es gibt zahlreiche und verschiedenartige Ursachen für eine hohe maximale Sauerstoffaufnahme. Professor Dr. Walter Schmidt, Leiter der Abteilung Sportmedizin und Sportphysiologie an der Universität Bayreuth, und seine Mitarbeiterin PD Dr. Nicole Prommer haben diese Ursachen eingehend untersucht. Dabei ist ihnen jetzt der Nachweis gelungen, dass die körperliche Ausdauer von Spitzensportlern direkt von der absoluten Hämoglobinmenge abhängt, die in ihrem Blut enthalten ist.

Das Hämoglobin ist ein Protein, das den eingeatmeten Sauerstoff bindet und durch die Blutzirkulation im ganzen Körper verteilt. Schmidt und Prommer konnten zeigen: Wenn sich die Hämoglobinmenge um 1 Gramm ändert, ändert sich die Sauerstoffaufnahme um 4 Milliliter pro Minute – und zwar unabhängig davon, welche Ursachen für die im Blut enthaltene Hämoglobinmenge verantwortlich sind. In einem kürzlich erschienenen Beitrag für die Zeitschrift "Exercise and Sports Sciences Reviews" geben sie einen Überblick über die sportmedizinischen Untersuchungen, die zu diesem Ergebnis geführt haben. Zugleich beschreiben sie unterschiedliche Wege, die Hämoglobinmenge zu erhöhen und dadurch die Leistungsfähigkeit zu steigern.

Vom Ausdauertraining bis zum Doping –
wie sich die maximale Sauerstoffaufnahme steigern lässt
Grundsätzlich unterscheiden die beiden Autoren zwei Mechanismen, die dazu beitragen können, dass die maximale Sauerstoffaufnahme steigt. Wenn eine größere Menge Blutplasma und – proportional dazu – eine größere Menge Hämoglobin im Körper zirkuliert, kann das Herz eine erhöhte Pumpleistung erbringen und dem Körper pro Minute eine größere Menge Sauerstoff zuführen. Dieser Vorgang ist das typische Ergebnis eines intensiven Ausdauertrainings. Die größere Sauerstoffmenge wird dabei insbesondere von den Muskeln verwertet, die dadurch weniger schnell ermüden.

Ein ganz anderer Mechanismus liegt vor, wenn nicht die Blutmenge insgesamt, sondern die Konzentration des Hämoglobins im Blut ansteigt. In diesem Fall erhöht sich allein die Hämoglobinmenge; die Menge des im Körper zirkulierenden Blutplasmas sinkt dagegen oder bleibt zumindest gleich. Das Resultat: Das vorhandene Blut gewinnt eine größere Kapazität für die Aufnahme und den Transport von Sauerstoff, so dass dem arbeitenden Muskel mehr Sauerstoff zur Verfügung gestellt wird. Dieser Vorgang läuft quasi auf natürliche Weise ab, wenn Leistungssportler sich an Gebirgsregionen anpassen; d.h. an Höhenlagen über 2000 m, in denen der Sauerstoffgehalt der Luft deutlich geringer ist. Trotz der veränderten Luftverhältnisse fällt die maximale Sauerstoffaufnahme dann in der Höhe nur wenig ab und ist bei Rückkehr ins Flachland verbessert.

Der gleiche Mechanismus kann aber, wie Schmidt und Prommer darlegen, durch gezieltes Blutdoping nachgeahmt – und im Ergebnis sogar weit übertroffen werden! Die Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme ist in den untersuchten Fällen derart signifikant, dass als Erklärung allein eine künstliche Zufuhr von Hämoglobin infrage kommt.

Rückschlüsse von der Leistungsfähigkeit auf ihre Ursachen

Die Bayreuther Sportmediziner beschreiben in ihrem Übersichtsartikel, wie sich ein systematisches Ausdauertraining, die Anpassung an extreme Höhenlagen und ein gezieltes Blutdoping jeweils auf den Sauerstoffträger Hämoglobin auswirken – und zwar einerseits auf die absolute Menge des Hämoglobins, andererseits auf die Hämoglobin-Konzentration im Blut. Dabei werden Untersuchungen mit Sportlern, die auf Meeresspiegelniveau und im Gebirge trainieren, sowie Daten von Athleten, die ihr Blut manipulieren, zum Vergleich herangezogen. Alle Ergebnisse sind detailliert durch sportdiagnostische Messungen belegt, die größtenteils im Sportinstitut der Universität Bayreuth vorgenommen wurden. "Die Forschung ist heute so weit in die physiologischen Abläufe vorgedrungen, dass wir in vielen Fällen mit hoher Treffsicherheit feststellen können, auf welche Weise ein Sportler seine Leistungsfähigkeit gesteigert hat", erklärt Schmidt. "Daher sind wir zuversichtlich, dass sich insbesondere auch die Nachweisverfahren für Blutdoping in Zukunft weiter präzisieren lassen."

Titelaufnahme:

Walter Schmidt and Nicole Prommer,
Impact of Alterations in Total Hemoglobin Mass on VO2max,
in: Exercise and Sport Sciences Reviews 2010 (vol. 38, issue 2), pp. 68 – 75
Kontaktadresse für weitere Informationen:
Prof. Dr. Walter Schmidt
Universität Bayreuth
Abteilung Sportmedizin/Sportphysiologie
D-95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 / 55-3464
E-Mail: walter.schmidt@uni-bayreuth.de
PD Dr. Nicole Prommer
Universität Bayreuth
Abteilung Sportmedizin/Sportphysiologie
D-95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 / 55-5832
E-Mail: nicole.prommer@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten