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Gute Aussichten für Schlafapnoiker

24.02.2014
Wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit einer neuen Therapie gegen Atempausen im Schlaf liefert ermutigende Ergebnisse

Die Hals-Nasen-Ohrenklinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) ist an der Einführung eines neuen Systems beteiligt, das Schnarchern mit Atemaussetzern (obstruktive Schlafapnoe, OSA) künftig zu einem erholsameren Schlaf verhelfen könnte. Es handelt sich dabei um ein vollständig implantiertes Schrittmachersystem, das durch eine milde Stimulation der Muskeln der oberen Luftwege dafür sorgt, dass der Patient gleichmäßig atmet. 


Die neue Technologie, ein Stimulator der oberen Luftwege, mit einem implantierbaren Pulsgenerator, Atmungssensor sowie einer Stimulationselektrode.


Wenn das nächtliche Schnarchen mit regelmäßigen Atemaussetzern einhergeht, ist das nicht mehr nur ein Thema zwischen zwei Menschen, die das nächtliche Lager miteinander teilen, sondern dann geht es um die Gesundheit des Betroffenen. Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe ringen über Nacht ständig nach Atem. Ursache ist die Erschlaffung der Muskulatur, die dazu führt, dass die Zunge während des Schlafs in den Rachen fällt und dabei die Atemwege verengt oder sogar verschließt. 


Was unangenehm für den Bettnachbarn ist, belastet den Körper des Schnarchers schwer: Durch die Atemaussetzer fällt die Sauerstoffkonzentration im Blut ab, Stresshormone werden freigesetzt und eine Weckreaktion ausgelöst, die den Atemweg wieder eröffnet und das Ersticken verhindert. An tiefen, erholsamen Schlaf ist nicht zu denken, die Folgen sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsschwächen am Tage. Auch das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und hohen Blutdruck ist erhöht. 


Die Standardtherapie der obstruktiven Schlafapnoe ist ein Beatmungssystem (Continuous Positive Airway Pressure, CPAP), das über einen Schlauch und eine Gesichtsmaske einen Überdruck erzeugt, wodurch die Atemwege auch im Schlaf offengehalten werden. Diese so genannte CPAP-Beatmung ist zwar wirksam, wird jedoch von vielen Betroffenen nicht angenommen: Fast Die Hälfte der Patienten ist daher nicht ausreichend oder überhaupt nicht behandelt. 


Für diese Patienten kann nun die so genannte Upper Airway Stimulation (UAS) Therapie mittels des von Inspire Medical Systems, Inc., entwickelten Systems eine Lösung sein. Es handelt sich dabei um einen implantierten Schrittmacher, der den Unterzungennerv stimuliert und damit die für die Atempausen verantwortliche Erschlaffung der Muskulatur direkt verhindert. 


Die Wirksamkeit dieses Systems wurde in einer Studie geprüft, deren Ergebnisse jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurden. An der internationalen Studie waren 15 Kliniken in den USA und 7 Kliniken in Europa beteiligt. Eine herausragende Rolle spielt dabei die HNO-Klinik der Universitätsmedizin Mannheim, die die Operationstechnik erstmals in Deutschland eingesetzt und für die Studie wesentlich optimiert hat. 


Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Inspire Therapie nicht nur die obstruktive Schlafapnoe signifikant verbessert, und zwar hinsichtlich der Atemaussetzer (um 68 Prozent) und der Sauerstoffabfälle im Blut (um 70 Prozent), sondern auch die damit verbundene Lebensqualität und Tagesschläfrigkeit.


Für Patienten mit CPAP-Unverträglichkeit liegen die Vorteile des Systems auf der Hand: Vor dem Einschlafen wird die Stimulation aktiviert, nach dem Aufwachen am Morgen ausgeschaltet. Durch die Operation entstehen keine irreversiblen Veränderungen der oberen Atemwege, Schlucken und Sprechen sind unbeeinträchtigt. 


Die Therapie mit dem Schrittmachersystem von Inspire Medical Systems ist zertifiziert und in Europa zur Verwendung zugelassen. Ende 2013 wurde die Therapie an der Universitätsmedizin Mannheim als erster Klinik in Deutschland erstmals von den Krankenkassen erstattet.


Publizierte Studie
Upper-Airway Stimulation for Obstructive Sleep Apnea
Patrick J. Strollo, Jr., M.D., Ryan J. Soose, M.D., Joachim T. Maurer, M.D., et al.
New England Journal of Medicine 2014; 370:139-149
January 9, 2014
DOI: 10.1056/NEJMoa1308659

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1308659 - Publizierte Studie

Dr. Eva Maria Wellnitz | idw

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