Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie gut ist Procalcitonin als Sepsismarker?

07.02.2013
In einer systematischen Auswertung von 30 klinischen Studien mit mehr als 3200 eingeschlossenen Patienten untersuchten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena die Aussagekraft von Procalcitonin als prognostischen Marker bei akuten systemischen Entzündungserkrankungen.
Die jetzt in „Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichte Meta-Analyse, an der zwei Jenaer Medizinstudentinnen maßgeblich beteiligt waren, zeigt, dass die Procalcitoninmessung zuverlässig zwischen einer Sepsis und einer nicht infektiös bedingten Erkrankung unterscheiden kann. Als definitiver Test reicht sie aber nicht aus, Vorgeschichte, klinisches Bild und mikrobiologische Untersuchungen müssen mitbetrachtet werden.

Procalcitonin ist ein Protein, das als Vorstufe des Hormons Calcitonin in der Schilddrüse gebildet wird. Bei bakteriellen und Pilz-Infektionen jedoch bilden auch Zellen in anderen Organen das Vorhormon, dessen Spiegel im Blut dann schnell um ein Vielfaches ansteigt. Deshalb ziehen Intensivmediziner den Procalcitoninwert heran, um bei Patienten mit akuten systemischen Entzündungserscheinungen zwischen schweren bakteriellen Infektionen und nicht infektiös bedingten schweren Erkrankungen zu unterscheiden und die entsprechende Therapie einleiten zu können.

„Obwohl Procalcitonin in der klinischen Praxis ein sehr hilfreicher Sepsismarker ist, kamen ältere Untersuchungen zur Verlässlichkeit zu unterschiedlichen Ergebnissen“, so Frank M. Brunkhorst, Professor für klinische Sepsisforschung an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena (UKJ). Die Medizinstudentinnen Christina Wacker und Anna Prkno werteten deshalb mit Prof. Brunkhorst und dem Medizinstatistiker Prof. Dr. Peter Schlattmann vom UKJ-Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Dokumentation alle dazu verfügbaren Arbeiten der letzten 20 Jahre aus.

Zwei Medizinstudentinnen als Autorinnen

Dass Studenten an solch einem ambitionierten Forschungsprojekt beteiligt sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Mit einem Stipendium des Centers for Sepsis Control and Care, das als Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, konnten Christina Wacker und Anna Prkno in zwei Forschungssemestern an ihren Promotionsprojekten arbeiten. „Wir ermittelten insgesamt fast 3500 Arbeiten zum Procalcitonin, aus denen wir anhand strenger methodischer und klinischer Qualitätskriterien schließlich 30 für die Meta-Analyse ausgewählten“, beschreiben die Studentinnen das Herangehen. So mussten die klinischen Sepsiskriterien genau belegt und mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt worden sein. Die ausgewählten Studien umfassten insgesamt über 3200 Patienten, Erwachsene und auch Kinder, auf chirurgischen und internistischen Intensiv- sowie Normalstationen.

Peter Schlattmann: „Die besondere Stärke unseres Ergebnisses liegt in den sorgfältig definierten Ein- und Ausschlusskriterien, sowie in der Qualität der Durchführung und Auswertung.“ Die komplexe statistische Auswertung ergab eine mittlere Sensitivität, also die Wahrscheinlichkeit einen Sepsiskranken als solchen zu erkennen, von 77%. Mit einer mittleren Spezifität von 79% schließt der Procalcitontest eine Infektion richtigerweise aus.
Bester Biomarker für Sepsis - aber nicht alleinige Entscheidungsgrundlage

„Procalcitonin ist der beste Biomarker für die frühe Diagnose einer bakteriellen Sepsis, über den wir derzeit verfügen“, so Frank Brunkhorst. „Als alleiniger Test reicht er aber für eine sichere Therapieentscheidung nicht aus, dazu müssen die Vorgeschichte des Patienten, das klinische Bild und immer auch mikrobiologische Untersuchungen mitbetrachtet werden.“
Originalliteratur:
Christina Wacker, Anna Prkno, Frank M. Brunkhorst, Peter Schlattmann: Procalcitonin as a diagnostic marker for sepsis: a systematic review and meta-analysis. Lancet Infectious Diseases. Published Online February 1, 2013, http://dx.doi.org/10.1016/S1473-3099(12)70323-7

Kontakt:
Prof. Dr. Peter Schlattmann
Tel.: 03641/934130, E-Mail: Peter.Schlattmann[at]mti.uni-jena.de
Prof. Dr. Frank M. Brunkhorst
Tel.: 03641/9323383, E-Mail: Frank.Brunkhorst[at]med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
http://dx.doi.org/10.1016/S1473-3099(12)70323-7

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics