Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesunder Lebenswandel verlängert das Leben um Jahre

08.07.2014

Länger leben dank Früchten, viel Bewegung, wenig Alkohol und keinen Zigaretten

Dies zeigt eine neue Studie der Sozial- und Präventivmediziner der Universität Zürich, die erstmals Auswirkungen von Verhaltensfaktoren auf die Lebenserwartung in Zahlen fasst. Die Resultate sollen in die Prävention und die Gesundheitsberatung in den Arztpraxen einfliessen.


Beispiel: Ein heute 75-jähriger Mann, der bei Studienbeginn rauchte, viel trank, sich wenig bewegte und kaum Früchte ass, wird mit 35%-iger Wahrscheinlichkeit die nächsten 10 Jahre noch erleben.

UZH

Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen: Die Häufigkeit dieser nicht-übertragbaren Krankheiten nimmt in den industrialisierten Ländern immer stärker zu. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erarbeitet deshalb derzeit eine nationale Präventionsstrategie, um die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu verbessern und ein gesünderes Verhalten zu fördern.

Ein Augenmerk sind dabei die Hauptrisikofaktoren für diese Erkrankungen, die mit dem persönlichen Verhalten zu tun haben – nämlich Tabakkonsum, ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung und schädlicher Alkoholkonsum.

Vor diesem Hintergrund haben PD Brian Martin und seine Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Zürich die Auswirkungen dieser vier Faktoren – einzeln und kombiniert – auf die Lebenserwartung untersucht.

Erstmals können nun die Folgen eines ungesunden Lebenswandels mit Zahlen dargestellt werden: Wer raucht, viel trinkt, sich nicht bewegt und sich ungesund ernährt, weist epidemiologisch betrachtet ein 2,5-faches Sterblichkeitsrisiko auf gegenüber jemandem, der auf die Gesundheit achtet. Oder positiv formuliert: «Ein gesunder Lebensstil kann einen zehn Jahre jünger erhalten», so Erstautorin Eva Martin-Diener.

Analyse von Daten aus der Schweizer Kohorte

Für die Studie griffen die Forschenden auf Daten aus der Swiss National Cohort zurück. Den Fokus legten die Zürcher Präventivmediziner auf Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs, da diese in der Schweiz die meisten Todesfälle verursachen. Die Forschenden haben Angaben zu Tabakkonsum, Früchteverzehr, körperlicher Bewegung und Alkoholgenuss von 16'721 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter von 16-90 Jahre aus der Zeit von 1977 bis 1993 mit den entsprechenden Todesfällen bis 2008 in Verbindung setzen können. Der Einfluss der vier Verhaltensweisen blieb auch sichtbar, wenn biologische Risikofaktoren wie Körpergewicht und Blutdruck mitberücksichtigt wurden.

«Der Effekt jedes einzelnen Faktors auf die Lebenserwartung ist relativ gross», so Eva Martin-Diener. Am schädlichsten jedoch scheint das Rauchen zu sein: Gegenüber einer Gruppe von Nichtrauchern haben Rauchende epidemiologisch gesehen ein um 57 Prozent erhöhtes Risiko, frühzeitig zu sterben.

Der Einfluss von ungesunder Ernährung, wenig Sport und Alkoholmissbrauch zeigt sich in einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko von je rund 15 Prozent. «Erstaunt hat uns das 2,5-fach höhere Risiko bei einer Kombination aller vier Risikofaktoren», erläutert Brian Martin. So liegt die Wahrscheinlichkeit, die nächsten zehn Jahre zu überleben, bei einem 75-jährigen Mann mit allen Risikofaktoren zum Beispiel bei 35 Prozent, ohne Risikofaktoren bei 67 Prozent – bei einer Frau bei 47 beziehungsweise 74 Prozent.

Effekte kommen erst im Alter zum Vorschein

Ein ungesunder Lebenswandel hat gemäss Martin vor allem einen nachhaltigen Einfluss: Während bei den 45- bis 55-Jährigen viel Wein, Zigaretten, ungesunde Ernährung und Bewegungsfaulheit noch kaum Auswirkungen auf die Sterblichkeit zeigen, werden diese bei den 65- bis 75-Jährigen sichtbar: Die Wahrscheinlichkeit, die nächsten zehn Jahre zu erleben ist bei einem 75-jährigen Mann, der keines der vier Risikoverhalten aufweist, mit 67 Prozent genau gleich hoch wie die eines zehn Jahre jüngeren Rauchers, der sich nicht bewegt, sich ungesund ernährt und viel trinkt.

Die Abhängigkeit der Lebenserwartung und der vier Risikoverhaltensweisen für die Altersklassen stellen die Sozial- und Präventivmedizinerinnen und -mediziner in sogenannten Überlebenstafeln dar: Auf einen Blick lässt sich der Einfluss der einzelnen Risikofaktoren und ebenfalls ihr Zusammenwirken auf die Sterblichkeit erkennen. «Die einfach verständlichen Übersichtstafeln können künftig Ärzte in den Praxen bei der Gesundheitsberatung ihrer Patienten unterstützen», ist Eva Martin-Diener sicher, «zudem können sie auch für die politische Diskussion der Präventionsstrategien für nicht übertragbare Krankheiten wichtig sein.»

Die Studie wurde durch die Schweizerische Herzstiftung und die Krebsliga Schweiz mitfinanziert. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Kohortenstudien gesundheitspolitisch relevante Resultate liefern können.

Literatur:
Eva Martin-Diener, Julia Meyer, Julia Braun, Silvan Tarnutzer, David Faeh, Sabine Rohrmann und Brian W. Martin. The combined effect on survival of four main behavioural risk factors for non-communicable diseases. Preventive Medicine. June, 2014. DOI: 10.1016/j.ypmed.2014.05.023


Start der «Nationalen Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten»
Der «Nationale Dialog Gesundheitspolitik» – die ständige Plattform von Bund und Kantonen – hat den Start für die Erarbeitung einer Nationalen Strategie zur Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten bis 2016 beschlossen. Die Strategie soll die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung verbessern sowie Rahmenbedingungen schaffen, die ein gesünderes Verhalten vereinfachen. Das erste Teilprojekt umfasst die Risikofaktoren, nationale Präventionsaktivitäten und mögliche Synergien zu krankheitsspezifischen Strategien, das zweite Teilprojekt konzentriert sich auf die Stärkung der Prävention in der Gesundheitsversorgung.


Kontakt:
PD Dr. med. Brian Martin, MPH
Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Universität Zürich
Tel. +41 79 285 15 92
E-Mail: brian.martin@uzh.ch

PD Dr. med. David Fäh
Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Universität Zürich
E-Mail: david.faeh@ifspm.uzh.ch
044 634 46 16

Weitere Informationen:

http://www.mediadesk.uzh.ch

Nathalie Huber | Universität Zürich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wellen schlagen

Computerwissenschaftler verwenden die Theorie von Wellenpaketen, um realistische und detaillierte Simulationen von Wasserwellen in Echtzeit zu erstellen. Ihre Ergebnisse werden auf der diesjährigen SIGGRAPH Konferenz vorgestellt.

Denkt man an einen See, einen Fluss oder an das Meer, so sieht man vor sich, wie sich das Wasser kräuselt, wie Wellen gegen die Felsen schlagen, wie Bugwellen...

Im Focus: Making Waves

Computer scientists use wave packet theory to develop realistic, detailed water wave simulations in real time. Their results will be presented at this year’s SIGGRAPH conference.

Think about the last time you were at a lake, river, or the ocean. Remember the ripples of the water, the waves crashing against the rocks, the wake following...

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wolken über der Wetterküche: Die Azoren im Fokus eines internationalen Forschungsteams

29.06.2017 | Geowissenschaften

Wellen schlagen

29.06.2017 | Informationstechnologie