Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen-Mutation schützt vor gefährlichem Magenkeim

24.06.2013
Greifswalder und niederländische Wissenschaftler machen den Weg frei für neue Therapien bei der häufigsten Infektion des Menschen

Greifswalder und niederländische Wissenschaftler konnten erstmals nachweisen, dass eine erblich bedingte Genmutation des Menschen vor der häufigsten Infektion schützt. Dabei geht es um den Magenkeim Helicobacter pylori.

Das ist ein spiralförmiges Bakterium, das 1982 von Barry Marshall und Robin Warren in Australien entdeckt und erstmals kultiviert wurde, wofür die beiden Wissenschaftler mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Es ist die mit Abstand häufigste Ursache, warum Patienten eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür entwickeln. Die Arbeit der beiden Gruppen ist in der Zeitschrift „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) und stellt einen Meilenstein in der Erforschung des Helicobacter pylori dar.

„Neben Magengeschwüren ist Helicobacter pylori auch für die Entstehung von Magenkrebs verantwortlich und das einzige von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Bakterium, das gesichert eine Krebserkrankung auslösen kann“, erläuterte die Greifswalder Wissenschaftlerin und Autorin der Arbeit, Prof. Julia Mayerle. „In der westlichen Welt sind zwischen 30 und 60 Prozent der Bevölkerung in der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori infiziert, ohne dass unbedingt ein Magengeschwür daraus entstehen muss. In Entwicklungsländern steigt die Infektionsrate der Bevölkerung auf bis zu 90 Prozent. Trotzdem wird der Magen mancher Menschen nie in ihrem Leben mit Helicobacter pylori besiedelt, obwohl sie in Ländern mit einer sehr hohen Infektionsrate und damit hohen Übertragungsrate leben. Gründe hierfür waren bislang völlig unbekannt.“
SHIP-Studie brachte den Durchbruch

In einer Analyse an insgesamt 10.938 Probanden aus zwei bevölkerungsbasierten Studien, unter anderem aus der Gesundheitsstudie SHIP (Study of Health in Pomerania), konnte das menschliche Gen identifiziert werden, das dafür entscheidend ist, ob Helicobacter pylori im Magen an die Schleimhaut binden kann und so ein Mensch infiziert wird. Probanden, die nicht infiziert sind, tragen häufiger eine genetische Veränderung im TLR1-Gen (Toll like Receptor 1), das eine wesentliche Rolle für die angeborene Immunität spielt.
Prof. Julia Mayerle: „In einer Analyse aus dem Vollblut der teilnehmenden Probanden konnte die Arbeitsgruppe erstmals eine direkte Abhängigkeit von Genveränderungen im TLR1 zum quantitativen Nachweis vom Magenkeim Helicobacter pylori im Stuhl der Probanden zeigen. Weitere experimentelle Untersuchungen müssen jetzt belegen, ob TLR1 der direkte Bindungspartner für Helicobacter pylori im Magen ist oder ob noch weitere Faktoren Einfluss haben. Der wissenschaftliche Nachweis der Wechselwirkung erklärt auch, warum Prof. Barry Marshall, der Entdecker von Helicobacter pylori, nach einem Selbstversuch zum Beweis der klinischen Bedeutung des Bakteriums nie selbst Antikörper gegen das Bakterium entwickelt hat.“

Die Ergebnisse sind insbesondere für die Entwicklung zukünftiger Impfstrategien gegen Helicobacter pylori von großer Bedeutung. Weltweit arbeiten Wissenschaftler unter Hochdruck an wirksamen Strategien gegen die weit verbreitete Infektion und ihre Folgen.

“Als Greifswalder Arbeitsgruppe freuen wir uns, dass durch dieses Forschungsergebnis wieder einmal gezeigt werden konnte, dass eine bevölkerungsbasierte Studie wie SHIP und die Zusammenarbeit zwischen Klinikern und Grundlagenforschern dazu beitragen können, wichtige und häufige Bevölkerungserkrankungen aufzuklären“, so Prof. Markus M. Lerch, einer der beiden Projektleiter abschließend.

Literatur (s. Anlage)
Identification of genetic loci associated with Helicobacter pylori serologic status; Mayerle et al.;
JAMA. 2013;309(18):1912-1920. doi:10.1001/jama.2013.4350.
http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1685857

Universitätsmedizin Greifswald
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin A
Direktor: Prof. Markus M. Lerch
Prof. Julia Mayerle
Ferdinand-Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-72 44 (oder 86-72 30)
E mayerle@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik