Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sie gehört zu mir: Neuer Ansatz zur Integration sensomotorischer Assistenzsysteme in das eigene Körperschema

21.10.2013
Das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung entwickelt neuen Ansatz zur Integration sensomotorischer Assistenzsysteme in das eigene Körperschema
>> Vor einem Jahr verlor Klaus bei einem Arbeitsunfall seinen linken Unterarm. Aber seine eigens für ihn angefertigte Prothese empfindet er immer noch als Fremdkörper. Ihm fehlt einfach die gewohnte sensorische Rückmeldung. Experimente des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung geben erste Hinweise darauf, dass diese fehlende Rückmeldung durch eine Reizung anderer Stellen des Körpers ersetzt werden könnte.

Erst mit dem Verlust eines Körperteils oder dessen Beweglichkeit wird klar, welche Einschränkungen damit für das alltägliche Leben verbunden sind. Besonders gravierend sind die Auswirkungen, wenn die Hand betroffen ist: Sie ist für uns das wichtigste Organ, um mit unserer Umwelt zu interagieren.

Bei einem Verlust der Beweglichkeit kommen unterstützende Orthesen zum Einsatz, der Verlust des Körperteils wird mit individuell angepassten Prothesen behandelt. Diese medizinischen Hilfsmittel werden aber trotzdem häufig von den Nutzern als fremd wahrgenommen, denn sie passen nicht zu deren eigenem Körperschema.

Mit diesem Problem beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Moderne Mensch-Maschine-Systeme“ unter der Leitung von Gerhard Rinkenauer. Im Rahmen des Verbundprojekts „GripAssist“ arbeitet die Gruppe zusammen mit fünf Partnern aus der Wirtschaft und dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik an einer Orthese zur aktiven Unterstützung von Patienten mit eingeschränkter Handfunktion.

Von GripAssist wird ein sensomotorisches Assistenzsystem in Form einer Orthese entwickelt. Diese Orthese wird ähnlich wie ein Handschuh getragen. Im Betriebszustand soll der Nutzer beispielsweise die auszuführende Bewegung impulsgesteuert, sofern noch möglich, durch eine minimale Positionsveränderung der Finger anzeigen. Die Orthese erkennt diese Veränderung und unterstützt den Anwender bei der Ausführung der Greifbewegung. Darüber hinaus werden auch alternative Ansteuerungskonzepte weiterentwickelt.

Rinkenauers Gruppe beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, wie die fehlende sensorische Rückmeldung ersetzt werden kann. In ihrem Labor experimentieren die Wissenschaftler mit einem räumlich verlagerten Sinneseindruck. Sie verwenden dabei das aus der Grundlagenforschung bekannte Prinzip, dass eine fehlende sensorische Rückmeldung teilweise durch einen entsprechenden Reiz an einer anderen Stelle des Körpers kompensiert werden kann. In ihren Experimenten wird die fehlende manuelle Rückmeldung beispielsweise durch eine Reizung der Zehen ersetzt. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass dieses Prinzip das Potential hat, die Lebensqualität der Nutzer von künstlichen Gliedmaßen entscheidend zu verbessern.

Kontakt:

PD Dr. phil. Gerhard Rinkenauer
Telefon: +49 231 1084-374
E-Mail: rinkenauer@ifado.de
Das IfADo - Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund erforscht die Potenziale und Risiken moderner Arbeit auf lebens- und verhaltenswissenschaftlicher Grundlage. Aus den Ergebnissen werden Prinzipien der leistungs- und gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeitswelt abgeleitet. Das IfADo hat mehr als 220 Mitarbeiter/innen aus naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen. Das Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Diese Wissenschaftsorganisation umfasst 86 Einrichtungen, die mehr als 16.800 Menschen beschäftigen, bei einem Jahresetat von über 1,8 Mrd. Euro.

Dr. Gerhard Rinkenauer | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifado.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics