Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gehirnoperation bei Bewusstsein stresst nicht mehr als unter Vollnarkose

14.09.2010
HAI 2010 – 12. Hauptstadtkongress der DGAI für Anästhesiologie und Intensivtherapie mit Pflegesymposium
16. bis 18. September 2010, Internationales Congress Centrum, ICC Berlin

Weniger schlimm als Besuch beim Zahnarzt

Eine Operation am Gehirn bei vollem Bewusstsein bedeutet offenbar sogar weniger Stress für den Patienten, als eine Gehirn-OP unter Vollnarkose. Dies zeigen aktuelle Studien zur sogenannten Wachkraniotomie.

Lange war umstritten, ob dieser Eingriff bei den Patienten nicht zu viel Stress verursacht. Chirurgen wenden das Verfahren beispielsweise bei Hirntumoren an, die aufgrund ihrer Lage als nicht operierbar gelten. Welche Aufgaben der Anästhesist dabei übernimmt, diskutieren Experten auf dem Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) vom 16. bis 18. September 2010 in Berlin.

Eine Operation am Gehirn bei zeitweise vollem Bewusstsein ist für bestimmte Patienten die einzige Hoffnung auf Heilung. Denn nur so kann der Neurochirurg sicherstellen, wichtige Hirnareale nicht zu verletzen. Um deren Lage zu identifizieren, führt der Psychologe in den Wachphasen mit dem Patienten Sprach- und Bewegungstests durch. Da das Gehirn selbst nicht über Schmerzrezeptoren verfügt, bereitet die Methode dem Patienten keine Schmerzen.

Eine entscheidende Rolle kommt dabei dem Narkosearzt zu: „Denn ein maßgeblicher Aspekt einer solchen Operation ist es, den Patienten während des mehrstündigen Eingriffs unter Kontrolle zu haben“, erklärt Dr. med. Markus Klimek, stellvertretender Direktor der Kliniken für Anästhesiologie und Notfallmedizin, Universitätsklinikum Rotterdam, Niederlande. Der Anästhesist gewährleistet den schmalen Grad zwischen einfachem Schlaf während der Schädel geöffnet wird und Wachphasen, in denen der Patient schmerz-, angstfrei und kooperativ die Tests durchläuft. Er verhindert aber auch Zwischenfälle wie etwa Husten oder Niesen. Denn diese scheinbar harmlosen Ereignisse kämen für den Neurochirurgen unter dem Operationsmikroskop einem Erdbeben gleich.

Dass die Wachkraniotomie keinen zusätzlichen Stress für die Betroffenen bedeutet, konnte Klimeks Team jetzt nachweisen. Dafür untersuchten sie bei 40 Patienten vor, während und nach der Operation die Level verschiedener Interleukine – Botenstoffe, die das Abwehrsystem des Körpers bei Stress vermehrt ausschüttet. Die Interleukin-Level im Blut waren bei beiden Gruppen vergleichbar. Patienten, die teilweise wach operiert wurden, gaben zudem an, zwölf Stunden nach dem Eingriff deutlich weniger Schmerzen zu haben als die Vollnarkose-Gruppe. „Und auch die Liegezeiten in der Klinik nach der OP bei Bewusstsein sprechen für die Methode“, so Klimek. Im Mittel kehren diese Patienten drei bis vier Tage nach dem Eingriff nach Hause zurück. Damit liegen sie etwa einen Tag weniger im Krankenhaus als diejenigen mit einer Vollnarkose.

Inzwischen hat Dr. Klimek bereits mehr als 200 Patienten mit Gehirntumoren durch eine Wachkraniotomie begleitet. Darunter sei keiner, der sich nicht auch ein zweites Mal für diese Methode entscheiden würde, so der Anästhesist. Einige berichten sogar, dass der Eingriff angenehmer verlaufen sei, als ihr letzter Zahnarztbesuch. Wie der Anästhesist seinen Patienten mit Gesprächen und Vertrauen durch eine solche Operation führt und warum vor allem junge Männer Schwierigkeiten haben, wenn ihr Bewusstsein ausgeschaltet wird, ist Thema auf dem Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivtherapie (DGAI) vom 16. bis 18. September 2010 in Berlin.

Quelle: Klimek et al.: „Inflammatory profile of awake function-controlled craniotomy and craniotomy under general anesthesia“ Mediators of Inflammation, Volume 2009, Article ID 670480, doi:10.1155/2009/670480

Hauptsitzung auf dem Kongress:

Narkose auf dem Rückzug?
Wachkraniotomie in der Tumor-Neurochirurgie - was macht der Anästhesist?
Termin: 17. September 2010, 08.00 bis 09.40 Uhr
Ort: Saal 8, ICC Berlin
Kongress-Pressekonferenz:
Ort: ICC Berlin, Raum 43, Messedamm 22, 14055 Berlin
Termin: Donnerstag, den 16. September 2010, 13.00 bis 14.00 Uhr
Kongress-Pressekonferenz:
Ort: ICC Berlin, Saal 10, Messedamm 22, 14055 Berlin
Termin: Freitag, den 17. September 2010, 12.45 bis 13.30 Uhr
Pressekontakt für Rückfragen:
Kathrin Gießelmann
DGAI Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel. 0711 8931-981
Fax: 0711 89 31-167
E-Mail: giesselmann@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dgai.de
http://www.hai2010.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie