Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefäßneubildung in basaloid-squamösen Kopf-Hals-Karzinomen

14.10.2009
Basaloid-squamöse Karzinome stellen eine seltene, hoch-aggressive Unterform herkömmlicher Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region dar.

Neben feingeweblichen Charakteristika unterscheiden sich basaloid-squamöse gegenüber herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen hinsichtlich ihres biologischen Verhaltens.

Während bei herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen Halslymphknotenmetastasen einer Fernmetastasierung in aller Regel vorausgehen, liegen bei basaloid-squamösen Karzinomen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung häufig Lymphknoten- und/oder Fernmetastasen vor.

Die molekularen Ursachen, die diesem biologisch aggressiven Verhalten zugrunde liegen, sind nicht hinreichend geklärt, wenngleich Störungen im Signalweg der Gefäßneubildung angenommen werden. Wir möchten vergleichend den Signalweg der Gefäßneubildung bei basaloid-squamösen Karzinomen untersuchen. Neben Erkenntnissen über das biologische Verhalten möchten wir molekulare Marker identifizieren, die im Rahmen einer "molekularen Bildgebung" das frühzeitige Erkennen von Metastasen ermöglichen.

Plattenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereichs stellen die häufigste Tumorart der oberen Atem- und Speisewege dar. Basaloid-squamöse Karzinome wurden erstmals 1986 von Wain et al. als aggressive Form herkömmlicher Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region beschrieben. Ein vermehrtes Vorkommen für den Kehlkopf, unteren Schlund und Zungengrund wird postuliert, wenngleich Vorkommen außerhalb des Kopf-Hals-Bereichs ebenfalls beschrieben wurden.

Die Inzidenz basaloid-squamöser Karzinome ist weitaus niedriger als jene der herkömmlichen Plattenepithelkarzinome dieser Region. Das feingewebliche Charakteristikum der basaloid-squamösen Karzinome sind Läppchen aus unreifen, basaloiden (kubischen, basalzellartigen) Zellen mit prominenten interzellulären Hyalisierungen und fokaler abrupter Keratinisierung. Damit teilen basaloid-squamöse Karzinome feingewebliche Eigenschaften sowohl mit Basalzellkarzinomen der Oberflächenhaut als auch mit herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen der Kopf-Hals-Region. Es ist nicht bekannt, ob eine der beiden Zellkompartimente das biologische Verhalten determiniert.

Neben feingeweblichen Besonderheiten differieren basaloid-squamöse gegenüber herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen hinsichtlich ihres biologischen Verhaltens. Basaloid-squamöse Karzinome weisen zum Zeitpunkt der Diagnose bei relativ kleiner Tumormasse häufig Halslymphknoten- und/oder Fernmetastasen auf. Dementsprechend kommt den bildmorphologischen Nachweisverfahren einer Fernmetastasierung beim basaloid-squamösen Karzinom eine besondere Bedeutung zu. Allzu oft lassen sich jedoch Fernmetastasen erst im weiteren Krankheitsverlauf darstellen, was die Prognose für den jeweiligen Patienten dramatisch verschlechtert.

Die molekularen Ursachen, die dem biologisch aggressiven Verhalten des basaloid-squamösen Karzinoms zugrunde liegen, sind nicht hinreichend geklärt. Störungen in Signalwegen der Gefäßneubildung und Metastasierung, wie sie für herkömmliche Plattenepithelkarzinome bereits nachgewiesen worden sind, kommen als Ursache in Betracht.

Unsere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der molekularen Charakterisierung basaloid-squamöser Karzinome in Hinblick auf Störungen im Signalweg der Gefäßneubildung. Entsprechend der zellulären Kompartimente werden sowohl gegenüber Basalzellkarzinomen der Oberflächenhaut als auch gegenüber herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen der Kopf-Hals-Region molekulare Unterschiede erarbeitet. Wir möchten zum einen zur Klärung der Ursache des biologisch aggressiven Verhaltens beitragen, zum anderen möchten wir Zielstrukturen identifizieren, die für eine molekulare Bildgebung einsetzbar sind.

Kontakt:
Dr. Andreas Knopf
Hals-Nasen-Ohrenklinik und Poliklinik
Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit 20.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften