Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fingolimod hochwirksam bei Multipler Sklerose (MS)

06.04.2011
KKNMS-Forscher weisen Behandlungseffekte auch im Liquor nach

Fingolimod, ein Medikament, das kürzlich als erste MS-Pille in der EU zugelassen wurde, beeinflusst maßgeblich die Verteilung der weißen Blutkörperchen im Blut. Bisher war jedoch unbekannt, ob die Substanz seine Wirkung auch in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) entfaltet.

Einer Forschergruppe um Professor Bernhard Hemmer, Vorstandsmitglied des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS), ist es nun gelungen, diesen Nachweis zu erbringen.

„Damit steht fest, dass Fingolimod einen ähnlichen Effekt auf Immunzellen im Liquor hat wie Natalizumab“, sagt Hemmer, der die Neurologische Klinik des Klinikums rechts der Isar der TU München leitet.

Fingolimod (FTY) bindet an den sogenannten Sphingosin-1-Phosphatrezeptor, und sorgt so dafür, dass aktivierte T- und B-Zellen am Auswandern aus den Lymphknoten gehindert werden und es damit zu einer Umverteilung der Immunzellen aus dem Blut in die lymphatischen Organe kommt. Fehlgeleitete T- und B-Lymphozyten gelten als möglicher Auslöser für die Zerstörung der Myelinschicht der Nervenzellen bei MS-Patienten.

Fingolimod beeinflusst Immunzellen im Zentralen Nervensystem

Hemmers Team hat nun gezeigt, dass FTY die Zahl von Immunzellen im Liquor deutlich reduziert. Dies trifft insbesondere für die der CD4 T-Zellen zu, wenngleich die Effekte geringer sind als im Blut. Die Wirkung der Substanz auf andere Immunzellen in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit wie zum Beispiel B-Zellen, Monozyten oder natürliche Killerzellen fiel hingegen weniger deutlich aus. „Dennoch wird durch die Einnahme des Medikaments das Immunsystem im Zentralen Nervensystem eindeutig verändert. Die Zellzusammensetzung im Liquor von FTY-behandelten Patienten ist durchaus mit den Veränderungen vergleichbar, die man unter Natalizumab beobachtet hat. Dies könnte darauf hindeuten, dass auch durch Fingolimod Patienten anfälliger für Infektionen des Gehirns werden“, erläutert Hemmer.

Herpesvirus-Aktivierung im Liquor durch Fingolimod nicht die Regel

So sind in der Transforms Studie, eine der beiden Phase III Studien zur Zulassung von Fingolimod, zwei Todesfälle in Folge von Herpesvirusinfektionen aufgetreten. Allerdings wurden diese Patienten mit einer höheren Dosis behandelt als die jetzt für die Zulassung vorgesehene. Aus diesem Grund testeten die Forscher auch, ob es bei FTY-behandelten Patienten möglicherweise zu einer Antikörperreaktion gegen Herpes Viren oder sogar zu einer Freisetzung von Viren im Liquor kommt. Das konnte nicht bestätigt werden. „Wir gehen daher davon aus, dass bei der Mehrzahl der Patienten keine Aktivierung von Herpesvirus im Gehirn auftritt“, meint Hemmer. „Das Kompetenznetz Multiple Sklerose plädiert dennoch dafür, zügig ein engmaschiges Sicherheitsmonitoring für Fingolimod zu etablieren, um frühzeitig mögliche Langzeitrisiken der Substanz zu erkennen“, erklärt der KKNMS-Experte abschließend.

Die Studie wurde im Rahmen des KKNMS (Forschungsverbund CONTROLMS) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Der vollständige Forschungsbericht ist im Aprilheft des Magazins „Neurology“ unter dem Titel „Differential effects of fingolimod on immune cells in the CSF and blood of patients with MS“ erschienen (DOI 10.1212/WNL.0b013e3182143564).

Constanze Steinhauser | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-multiplesklerose.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften