Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Faszination Darm – Wunderwerk mit weltmeisterlicher Verdauungs- und Abwehrleistung

21.06.2010
Der Gastrointestinaltrakt ist acht Meter lang und so groß wie ein Tennisplatz

Das Wunderwerk Verdauungstrakt schafft es, jeden Tag rund drei Kilogramm Lebensmittel und Getränke zu verarbeiten und daraus den Körper mit Energie und allen benötigten Nährstoffen zu versorgen. Damit die Nahrung in ihre Einzelbestandteile zerlegt werden kann, muss sie zunächst zerkleinert, transportiert und mit Verdauungssäften vermischt werden. Allein der Transport dieser Masse durch den Darm – er ist immerhin acht Meter lang – ist eine Meisterleistung.

Ein Geflecht von mehr als 100 Millionen Nervenzellen sorgt dafür, dass der Nahrungsbrei verdaut und transportiert wird. Normalerweise spüren wir von all diesen Vorgängen kaum etwas, so Dr. Maike Groeneveld, Vorstandsmitglied des Verbandes der Oecotrophologen e.V. (VDOE) und ernährungswissenschaftliche Beraterin, anlässlich des Kongresses „Ernährung 2010“ in Leipzig.

Damit die Nährstoffe aus der Nahrung in die Darmschleimhaut gelangen können, ist ein intensiver Kontakt zwischen der Nahrung und der Darmoberfläche nötig. Deshalb ist die Oberfläche unseres Gastrointestinaltrakts durch so genannte Zotten und Krypten vielfach vergrößert. Würde man die Oberfläche ausbreiten, ergäbe sich eine Fläche von rund 300 Quadratmetern, so groß wie ein Tennisplatz. Diese große Oberfläche birgt jedoch auch eine Gefahr, denn sie bildet eine mögliche Eintrittspforte für pathogene (krankmachende) Mikroorganismen. Der Gastrointestinaltrakt muss also zwei sich eigentlich widersprechende Aufgaben erfüllen: Er muss dafür sorgen, dass die Nährstoffe in den Körper gelangen, und dabei gewährleisten, dass schädliche Stoffe und Mikroorganismen "draußen" bleiben. Wir brauchen also eine gute Abwehr. Deshalb ist unser Gastrointestinaltrakt gleichzeitig unser größtes Immunorgan. Rund 80 Prozent aller aktiven Abwehrzellen des Körpers befinden sich in diesem Bereich. Ein komplexes Netzwerk verschiedener Immunzellen sorgt normalerweise dafür, dass keine Krankheitserreger in den Körper gelangen.

Eine weitere Komponente der gastrointestinalen Barriere ist die Darmflora. Das sind 100 Billionen (1014) Bakterien, die im Darm von Nahrungsresten leben. Ihre Zahl ist unvorstellbar hoch und übersteigt die Zahl der menschlichen Körperzellen um den Faktor 100.

„Wir haben Hinweise, dass die Darmflora bei verschiedenen Erkrankungen gestört ist,“ sagt Maike Groeneveld. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind die Abwehrmechanismen der Darmschleimhaut genetisch bedingt vermindert. Dies löst eine Reaktion der Immunzellen gegenüber Darmbakterien aus, die letztlich zu den Entzündungsprozessen im Darm führen. Es gibt überzeugende Belege für den Einsatz bestimmter probiotischer Bakterien in der Therapie. Die Forschung beschäftigt sich auch damit, ob die Überlebensrate bei Frühgeborenen oder Intensivpatienten durch eine Stabilisierung der Darmflora erhöht werden kann. Nicht zuletzt gibt es spannende Forschungsergebnisse, die einen Zusammenhang zwischen der Darmflora und Adipositas vermuten lassen.

Die Ernährung ist ein wichtiger Einflussfaktor auf die Darmgesundheit und die Zusammensetzung der Darmflora. Eine wichtige Rolle spielt zum Beispiel der Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an Ballaststoffen sowie die Aufnahme von probiotischen Milchprodukten.

Ansprechpartnerin:
Dr. Maike Groeneveld
Vorstandsmitglied Verband der Oecotrophologen e.V. (VDOE)
Praxis für Ernährungsberatung
Alexanderstr. 13, 53111 Bonn
Tel.: 0228/96 39 99 96
e.mail: mail@maike-groeneveld.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgem.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften