Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erhöhter Blutzucker bleibt in Kliniken oft unerkannt

07.02.2012
DDG fordert besseres Diabetes-Management

Krankenhausaufenthalte sind für Menschen mit Diabetes mellitus mit erhöhten Risiken verbunden. Doch in vielen Fällen weiß weder der Patient von seiner Erkrankung, noch erkennt der Arzt sie. Entgleist der Blutzucker, kann dies schnell lebensbedrohlich werden.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft setzt sich deshalb für systematische Blutzucker-Tests bei stationärer Aufnahme ein. Mit einem solchen Screening und einem gezielten Diabetes-Management könnten die Behandlung von Menschen mit Diabetes verbessert und zugleich Kosten eingespart werden.

Mit etwa sieben Millionen bekannten Erkrankungen in Deutschland und einer Dunkelziffer von weiteren zwei bis drei Millionen gehört Diabetes mellitus zu den größten Volkskrankheiten. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu, zwischen 20 und 30 Prozent sind betroffen. Da zudem überwiegend ältere Menschen im Krankenhaus liegen, ist der Anteil der Diabetiker im Krankenhaus entsprechend hoch. „Wir schätzen, dass bis zu 30 Prozent aller Klinikpatienten einen Diabetes haben“, sagt Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus Quakenbrück und Mitträger der Initiative.

Stationär behandelt wurden im Jahr 2007 insgesamt 17,2 Millionen Patienten. „Krankenhausstatistiken erwähnen die Diagnose Diabetes mellitus bei etwa 1,3 Prozent der Patienten als Hauptdiagnose, als Nebendiagnose „nur“ bei etwa zwölf Prozent“, fährt der Diabetologe fort. Tatsächlich liegt die Häufigkeit der Nebendiagnose Diabetes mellitus im Krankenhaus bei 25 bis 30 Prozent.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft geht davon aus, dass die meisten Diabetes-Erkrankungen im Krankenhaus nicht erkannt werden. „Ein unbehandelter Diabetes ist für die Patienten jedoch ein echtes Sicherheitsrisiko“, mahnt auch Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Chefarzt am St. Vincenz-Krankenhaus in Limburg und Vize-Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft: Stress, Nahrungsentzug vor Operationen, künstliche Ernährung und nicht zuletzt die Verordnung von Medikamenten können den Blutzucker von Diabetikern schnell entgleisen lassen. Schon ein einfacher Blutzuckertest bei der Aufnahme ins Krankenhaus könnte hier helfen, so der Diabetes-Experte aus Limburg.

Ein nicht diagnostizierter Diabetes ist auch für die Klinik von Nachteil: „Jede Diabetes-Komplikation erhöht die Behandlungskosten, und die Liegezeiten von Diabetes-Patienten sind meist länger als bei anderen Patienten“, berichtet Dr. Siegel. Der Diabetologe hat deshalb mit Kollegen Fortbildungsmaterialien für Krankenhäuser entwickelt. Dazu gehört ein Kompendium, das Klinikärzten die Diagnose und Therapie der Erkrankung erleichtern soll. Denn an vielen Kliniken fehlen Diabetes-Experten. Dr. Siegel erläutert: „Von den 2087 Krankenhäusern in Deutschland haben nur gut zehn Prozent eine Anerkennung der Deutschen Diabetes Gesellschaft als Behandlungseinrichtung.“

Um den Kliniken die Einführung eines professionellen Managements für Diabetiker zu erleichtern, werden eintägige Workshops angeboten. Daran nehmen nicht nur Ärzte, sondern auch Klinikmanager teil. Diese möchte Dr. Siegel mit einem „Business-case“-Modell von den wirtschaftlichen Vorteilen des Projekts überzeugen. Denn die fachgerechte Therapie des Diabetes verhindert Komplikationen, die den Krankenhausaufenthalt – die sogenannte „Liegezeit“ – des Patienten verlängern. Dr. Siegel: „Durch ein umfassendes Management helfen wir nicht nur den Patienten, sondern es lässt sich für die Klinik auch ein positiver Deckungsbeitrag erreichen.“ Im Krankenhaus Bad Soden am Taunus wurde ein „Diabetes-spezifisches Struktur- und Prozessmanagement“ (DSPM) bereits erfolgreich umgesetzt, sagt Siegel. Ein Blutzucker-Screening aller Patienten erhöhte den Anteil der dort registrierten Diabetiker von neun auf 25 Prozent. Unter der konsequenten Behandlung konnte der Langzeitblutzucker (HbA1c) deutlich gesenkt werden, ohne das Budget der Klinik zu belasten. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft unterstützt diese Excellence-Initiative und empfiehlt den Verantwortlichen im Krankenhaus-Management, sich zum Wohle der Patienten und im Interesse von Kosteneinsparungen aktiv für ein Diabetes-Management einzusetzen.

Literatur:
Siegel E. G.: Diabetesversorgung im Krankenhaus, Der Diabetologe 2011; 7:471–471.

Tafel J., Buerstell M., Leippert C., Benack E., Stelling A., Jaeger C. Versorgungsrealität und Optimierung stationärer Diabetologie im Akutkrankenhaus der Schwerpunktversorgung. Diabetologie und Stoffwechsel 2011; 6(6): 387–394

Untersuchung zur Prozessoptimierung, Qualitätssicherung und Kosteneffizienz
Hamann A., Matthaei S., Siegel E. G. Diabetesversorgung im Krankenhaus, Diabetologie und Stoffwechsel 2011; 6: 375–376

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle DDG
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552, Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Deutsche Diabetes Gesellschaft
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-11
Fax: 030 3116937-20

Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ddg.info
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie