Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EPO: positive Effekte bei Entzündungserkrankungen, negative Wirkung bei Infektionen

13.04.2011
Weltweite Anerkennung für Innsbrucker Forschungsergebnisse

Zu Beginn dieses Jahres sorgte ein Innsbrucker Forscherteam aus der Univ.-Klinik für Innere Medizin I für Aufsehen in der internationalen Wissenschaftsgemeinde. In ihrer im renommierten Journal „Immunity“ veröffentlichten Forschungsarbeit schreiben Univ.-Prof. Günter Weiss und Dr. Manfred Nairz dem Bluthormon Erythropoietin (EPO) eine neue duale Rolle in der Regulation der Immunantwort zu. Die neuen Erkenntnise gingen durch die Fach- und Weltpresse.

Erythropoeitin (EPO) beeinflußt die Immunitätslage und hemmt die Aktivität der Immunantwort. Diese neuen und weitreichenden Erkenntnisse des Teams um Prof. Weiss und Dr. Nairz aus dem Laborbereich für Molekulare Infektiologie und Immunologie wurden im renommierten Immunity - einer weltweit führenden Zeitschrift auf dem Gebiet der Immunologie - veröffentlicht. „Neben der Aufklärung des molekularen Mechanismus konnten wir nachweisen, dass die immunregulierende Wirkung von Erythropoeitin sich positiv auf den Verlauf von Autoimmunerkrankungen (wie etwa bei der chronisch entzündlichen Darmerkrankung Kolitis) auswirkt, jedoch negative Effekte auf den Verlauf von Infektionen hat“, erklärt Prof. Weiss.

EPO: Konträre Effekte in der Immunantwort
Einer breiten Öffentlichkeit ist das in der Niere produzierte Hormon Erythropoietin im Zusammenhang mit dessen Missbrauch als Blutdoping-Mittel bekannt. Neben seiner blutbildenden Wirkung spielt Erythropoietin bei zahlreichen biologischen Vorgängen eine wichtige Rolle. So sind EPO-Rezeptoren nicht nur auf der Oberfläche von blutbildenden, sondern auch von Immun- und Krebszellen präsent.

Die bislang unerforschte Funktionsweise dieser Rezeptoren konnten Prof. Weiss und Dr. Nairz nun anhand von Untersuchungen in Immunzellen (Makrophagen) und an zwei Mausmodellen erhellen: Mäuse mit systemischer Infektion durch Salmonellen-Bakterien und solche mit chemisch induzierter Kolitis, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, wurden mit EPO behandelt. Die Salmonellen-infizierten Mäuse zeigten nach der EPO-Medikation reduzierte Überlebensraten und eine eingeschränkte Fähigkeit, die Bakterien zu bekämpfen.

Die Neutralisierung der körpereigenen EPO-Produktion begünstigte hingegen die Eliminierung des Salmonellen-Bakteriums. Im Gegensatz zur bakteriellen Infektion hatte die Gabe von EPO im Rahmen der nicht-infektiösen, entzündlichen Darmerkrankung jedoch positive Effekte auf den Krankheitsverlauf, indem die Produktion von krankheitsverschlechternden Entzündungsfaktoren gehemmt wird. Mechanistisch konnten diese Effekte auf eine direkte Wirkung von EPO auf das Immunsystem zurückgeführt werden. EPO hemmt die Aktivität des Proteins Nuklear-Faktor kappa B (NF-kB) und damit die Bildung von Immunbotenstoffen und -mediatoren wie Tumornekrosefaktor-alpha oder Stickstoffmonoxid (NO).

Entwicklung gezielter Behandlungsstrategien
"Unsere Untersuchungen belegen erstmals, dass sich diese EPO-vermittelte Wirkung positiv auf den Verlauf von Autoimmunerkrankungen und negativ bei Infektionen durchschlägt“, kommentiert Erstautor Manfred Nairz die Ergebnisse, die unter Mitarbeit des gesamten Teams um Prof. Weiss in Kooperation mit Dr.in Nicole Taub und Prof. Lukas Huber (Biozentrum), Dr. Alexander Moschen und Prof. Herbert Tilg (Christian-Doppler-Forschungslabor) sowie Prof.in Patrizia Moser (Institut für Pathologie) erzielt werden konnten. Moderne EPO-Derivate könnten sich also als brauchbare Strategien in der Behandlung krankhafter Entzündungen erweisen.

Diese Entdeckungen bringen nicht nur neue Erkenntnisse hinsichtlich der Behandlung von Infektionen und Autoimmunerkrankungen mit sich, sondern auch für die Therapie von Anämien (Blutarmut), die sich im Rahmen von Tumorerkrankungen, Infektionen und Autoimmunerkrankungen manifestieren (sog. Anämie chronischer Erkrankungen), deren Pathogenese und Therapie schon bisher im Fokus der Forschungsarbeiten des Labors von Prof. Weiss stand.

Angesehene Innsbrucker Forschung
Diese neue Rolle des vielschichtig wirkenden Hormons, der „Immunity“ zudem ihr Editorial widmete, fand auch in weiteren hochkarätigen Wissenschaftsmagazinen ihren Niederschlag: So gab es in „Cell“ zu dieser Arbeit einen Podcast, „Science Signals“ würdigte das Thema mit einem Editor’s Choice; außerdem wurde die Arbeit in die Faculty of 1000 (die weltweit besten 1000 Arbeiten eines Jahres) gewählt. Eine entsprechende Presseaussendung von Cell Press wurde u.a. von der New York Times, der Washington Post und der Neuen Zürcher Zeitung übernommen.

Die Arbeitsgruppe um Univ.-Prof. Günter Weiss, Professor für „Klinische Infektiologie und Immunologie“ an der Medizinischen Universität Innsbruck, konnte sich in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Forschungsbeiträgen zu den immunologischen Mechanismen der Infektionsabwehr und dem Eisenstoffwechsel, besonders im Hinblick auf genetische Störungen der Eisenaufnahme (Hämochromatose), der Anämie chronischer Erkrankungen (Infektions- und Tumoranämie) und der Bedeutung von Eisen für die Immunabwehr und den Verlauf von Infektionen, erfolgreich profilieren.

Weiterführende Links:
Forschungsarbeit in Immunity
http://dx.doi.org/10.1016/j.immuni.2011.01.002
Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Laborbereich Infektiologie und Immunologie
http://www3.i-med.ac.at/innere1/forschung/infektiologie.html
Details zur Medizinischen Universität Innsbruck
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.800 MitarbeiterInnen und ca. 2.800 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden drei Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. Neu im Studienplan ab Herbst 2011 ist das Bachelor-Studium der Molekularen Medizin.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. In der Forschung liegen die Schwerpunkte im Bereich der Molekularen Biowissenschaften (u.a. bei dem Spezialforschungsbereich „Zellproliferation und Zelltod in Tumoren“, Proteomik-Plattform), der Neurowissenschaften, der Krebsforschung sowie der molekularen und funktionellen Bildgebung. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck in der hochkompetitiven Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

Für medizinische Rückfragen:
Univ.-Prof. Dr. Günter Weiss
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.-Klinik für Innere Medizin I
Klinische Infektiologie und Immunologie
Anichstr. 35
A-6020 Innsbruck
Tel: +43 512 504 23255
email: guenter.weiss@i-med.ac.at

Medienkontakt:
Mag.a Doris Heidegger
Medizinische Universität Innsbruck
Öffentlichkeitsarbeit (Leitung Mag.a Amelie Döbele)
Innrain 52
A-6020 Innsbruck
Tel.: +43 512 9003 70083
email: doris.heidegger@i-med.ac.at

Doris Heidegger | Medizinische Universität Innsbru
Weitere Informationen:
http://www.i-med.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Beschichtung lässt Muscheln abrutschen

18.08.2017 | Materialwissenschaften

Fettleber produziert Eiweiße, die andere Organe schädigen können

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

18.08.2017 | Geowissenschaften