Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchfallerkrankungen vorbeugen: Antibakterielle Pille schützt vor Reisediarrhö

30.10.2013
Aktuell in Lancet Infectious Diseases veröffentlicht doi:10.1016/S1473-3099(13)70221-4

Durchfallerkrankungen sind in den Tropen besonders häufig und betreffen bei einem zweiwöchigen Aufenthalt durchschnittlich jeden zweiten Reisenden. Pro Tag erkranken 40.000 Menschen aus Ländern der industrialisierten Welt an einer Reisediarrhö. Meist ist der Verlauf kurz und die Beschwerden mild. Jeder zehnte Betroffene leidet jedoch erheblich und ist vorübergehend bettlägerig und 1 Prozent muss sogar im Krankenhaus behandelt werden.

Auch chronische Darmbeschwerden können als Folge einer Reisediarrhö auftreten. Daneben sind Menschen mit Vorerkrankungen durch schwere Komplikationen einer Magen-Darm-Infektion wie beispielsweise Austrocknung und Blutvergiftung besonders bedroht. Meist sind Bakterien, deutlich seltener Viren und Einzeller die Ursache dieser Durchfallepisoden. Obwohl weithin bekannt, haben allgemeine Hygienemaßnahmen, die gerne auch kurz mit „Koche es, schäle es oder vergiss es!“ zusammengefasst werden, oft nicht die erwünschte Schutzwirkung.

Philipp Zanger, Oberarzt, und Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin am Universitätsklinikum Tübingen stellen in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Lancet Infectious Diseases eine Studie zur Vorbeugung von Diarrhö bei Reisen nach Süd- und Südostasien vor.

An einer Gruppe von Freiwilligen, die vor Antritt der Reise in der Impfsprechstunde des Instituts beraten wurden, konnten Sie zeigen, dass die Einnahme einer lokal im Darm wirksamen, antibakteriellen Substanz zu einer Halbierung des Durchfallrisikos führt, ohne dass hierbei nennenswerte Nebenwirkungen aufgetreten wären. „Für die Gesundheit auf Reisen ist das ist ein großer Fortschritt“, so Philipp Zanger. Gerade bei Risikogruppen können hierdurch schwere Komplikationen deutlich vermindert werden. Auch für Kurzzeitreisende mit einem wichtigen Auftrag im fernen Ausland wie beispielsweise Politiker und Manager kann eine Einnahme sinnvoll sein. Bevor das Medikament aber allen Fernreisenden empfohlen wird, soll noch weiter geforscht werden. „Wir müssen erst sicher sein, dass ein breiter Einsatz dieser Substanzen nicht zu einer relevanten Zunahme bakterieller Resistenzen führt“, meint Peter Kremsner.

Titel der Originalpublikation

Zanger P. et al. (2013) Effectiveness of rifaximin in prevention of diarrhoea in individuals travelling to south and southeast Asia: a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Infectious Diseases 2013; Vol. 13: page 946–54, doi:10.1016/S1473-3099(13)70221-4

Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Parasitologie
PD Dr. Philipp Zanger, Oberarzt
Wilhelmstr. 27., 72072 Tübingen
Tel. 07071/29-8 23 65
E-Mail Philipp.Zanger@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie