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Durchbruch bei Operation großer Lebertumore

13.03.2012
Fachzeitschrift bescheinigt Regensburger Chirurgen „einen der erfolgversprechendsten Fortschritte bislang“. Prof. Dr. Hans J. Schlitt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie, und seine Arbeitsgruppe haben eine Methode entwickelt, mit der sich bisher nicht operable sehr große Lebertumore oder mehrere verteilte Tumorknoten erstmals operativ entfernen lassen.

Dem Universitätsklinikum Regensburg ist ein Durchbruch bei der Behandlung von Lebertumoren gelungen. Prof. Dr. Hans J. Schlitt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie, und seine Arbeitsgruppe haben eine Methode entwickelt, mit der sich bisher nicht operable sehr große Lebertumore oder mehrere verteilte Tumorknoten erstmals operativ entfernen lassen.

In der März-Ausgabe der wichtigsten chirurgischen Fachzeitschrift „Annals of Surgery“ wird dieses Verfahren erstmals beschrieben. Die Herausgeber bezeichnen die Methode als „einen der erfolgversprechendsten Fortschritte in der onkologischen Leberchirurgie bislang“.

„Bei Tumoren in der Leber liegt die einzige Heilungschance in der Regel in einer Operation“, erläutert Prof. Schlitt. Dabei ist es egal, ob der Tumor in der Leber selbst entstanden ist oder ob es sich um Metastasen anderer Tumore handelt. Einzelne oder kleine Tumore können Chirurgen meist sicher entfernen.

Schwierig war bislang die Operation bei sehr großen Wucherungen oder bei mehreren Tumorknoten. „Wird alles Tumorgewebe entfernt, bleibt oft nicht genügend funktionsfähiges Lebergewebe übrig“, so Prof. Schlitt. Es besteht die Gefahr, dass die Leber versagt und der Patient daran stirbt.

Die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Hans J. Schlitt hat im Laufe der vergangenen zwei Jahre eine neue Operations-Technik entwickelt, die dieses Problem umgeht. Die Chirurgen machen sich eine besondere Eigenschaft der Leber zunutze. Im Gegensatz zu anderen Organen hat sie eine besondere Fähigkeit, sich zu regenerieren: Lebergewebe kann in großem Umfang nachwachsen.

Das Operationsverfahren besteht aus zwei Schritten. „Im ersten Schritt werden die Tumore in der Leber noch nicht entfernt, sondern die Leber wird faktisch durchgeschnitten“, erklärt Prof. Schlitt. Die Chirurgen trennen den befallenen Teil vom nicht befallenen. Die Blutversorgung des befallenen Teils wird teilweise unterbrochen. Er verbleibt aber noch im Körper und erfüllt zum Teil die Funktion der Leber. Dann warten die Ärzte sieben bis zehn Tage. In dieser Zeit wächst der gesunde, aber eigentlich zu kleine, Leberteil fast auf das Doppelte.

„Erst jetzt entfernen wir in einer zweiten Operation das Stück mit dem Tumor“, so der Professor. Die aus dem gesunden Teil nachgewachsene Leber übernimmt all ihre lebenswichtigen Funktionen in ausreichendem Umfang.

Ausführlich stellt die März-Ausgabe der renommierten Zeitschrift „Annals of Surgery“ das Verfahren vor. Erstautoren sind die Privatdozenten Dr. Andreas Schnitzbauer und Dr. Sven Lang aus Prof. Schlitts Arbeitsgruppe. In einem Kommentar loben die Herausgeber das Verfahren als einen der erfolgversprechendsten Fortschritte in der onkologischen Leberchirurgie. Nachdem die Arbeitsgruppe ihre Methode schon auf nationalen und internationalen Fachkongressen vorgestellt hatte, haben Chirurgen in verschiedenen Ländern sie in Einzelfällen bereits ebenfalls erfolgreich angewendet.

„Mit diesem Verfahren können wir einige bisher nicht operable Tumore in der Leber komplett entfernen. Damit bekommen mehr Patienten als bisher eine Chance auf Heilung“, sagt Prof. Dr. Hans J. Schlitt.

Publikation:
Right Portal Vein Ligation Combined With In Situ Splitting Induces Rapid Left Lateral Liver Lobe Hypertrophy Enabling 2-Staged Extended Right Hepatic Resection in Small-for-Size Settings
Schnitzbauer AA MD, et al.; Ann Surg 2012;255:405–414
doi: 10.1097/SLA.0b013e31824856f5

Cordula Heinrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.ukr.de

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