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Doping in Freizeit- und Leistungssport: Verbotene Hormonpräparate immer raffinierter

18.07.2012
Bei den Olympischen Sommerspielen in London müssen sich die Sportler so vielen Dopingtests unterziehen wie nie zuvor.
Denn die Vielfalt und der oft hormonähnliche Aufbau der heutzutage verwendeten Präparate zwingt Doping-Fahnder zu immer komplexeren Verfahren, um die verbotenen Substanzen nachzuweisen. Allerdings beschränke sich Doping nicht auf den Leistungssport, betont die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Verbreitet seien diese Präparate, die oft körpereigenen Stoffen ähneln, auch im Freizeitsport und in Fitnessstudios.

Viele Hormonpräparate steigern die Leistung von Sportlern. Sie bergen aber auch gesundheitliche Risiken in sich, bis hin zur Lebensgefahr, warnt die DGE. So lassen die anabol-androgenen Steroidhormone – das sind künstlich hergestellte Hormone – die dem männlichen Sexualhormon Testosteron ähneln, zwar die Muskelmasse wachsen. „Aber gleichzeitig können diese Stoffe auch die Psyche der Konsumenten verändern, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs verursachen“, warnt Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Wenn in London am 27. Juli 2012 die Olympischen Sommerspiele beginnen, wartet auf die mehr als 10 000 Sportler das größte Testlabor aller Zeiten: Über 1000 Mitarbeiter werden Tausende von Urinproben untersuchen – mit dem Ziel, möglichst viele Doping-Fälle aufzudecken. Zu den gefragtesten Dopingpräparaten gehören die sogenannten Peptidhormone. Dazu zählt etwa der Stoff Erythropoietin (EPO): Als Medikament wird es gegen Blutarmut eingesetzt; Sportlern hilft es, die Ausdauer zu fördern. Da EPO das Blut verdickt, steigt die Gefahr lebensbedrohlicher Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel. Bei Bodybuildern beliebt ist das humane Wachstumshormon (hGH), das Fettgewebe abbaut und Muskelwachstum fördert. „Aber das Hormon steigert unter anderem das Risiko für Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, weiß Professor Schatz.

Im Leistungssport sollen Dopingkontrollen den Einsatz verbotener Substanzen unterbinden. Doch die Vielfalt der Präparate erschwert den Nachweis. „Einige Mittel ähneln zudem körpereigenen Stoffen, andere bleiben nur kurz im Körper, wieder andere lassen sich nur mit großem Aufwand nachweisen“, schildert Professor Dr. Mario Thevis von der Deutschen Sporthochschule Köln das Problem. Während man etwa EPO im Urin gut aufspüren könne, sei der Nachweis des Wachstumshormons hGH im Harn unmöglich, erläutert Professor Thevis: „Deshalb sind im Leistungssport sowohl Blutproben als auch Urinkontrollen wichtig.“

Doping-Fahnder müssen zudem auf die Gruppe der sogenannten GHRPs (Growth Hormone Releasing Peptides) achten. Diese synthetischen Stoffe regen die Ausschüttung körpereigener Wachstumshormone an. Hier konzentrieren sich die Tests nicht auf Wachstumshormon, sondern auf den Nachweis der körperfremden GHRPs.

Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft der Ausschluss von fünf Spielerinnen wegen Dopings. Kontrollen hatten ergeben, dass sie einen steroidhaltigen Moschusextrakt eingenommen hatten. Der Nachweis dieses missbräuchlich verwendeten, körperfremden Testosterons gelang allerdings nur mit einem aufwendigen Verfahren: Mit der Kohlenstoff-Isotopensignatur lassen sich tierische von menschlichen Steroiden unterscheiden. „Der Einsatz dieser teuren Technik lohnt sich aber nur bei einem klaren Anfangsverdacht“, gibt Professor Thevis zu bedenken. Ein zusätzliches Problem für die Kontrolleure ist die Manipulation von Urinproben. „Zwar lässt sich auch Fremdurin zweifelsfrei nachweisen“, sagt der Experte. „Aber insgesamt wird es auch bei den bevorstehenden Olympischen Spielen in London wieder extrem aufwendig sein, jede Möglichkeit von Doping auszuschließen.“

Literatur:

Thevis M., Geyer H., Sigmund G., Schänzer W.: Sports Drug Testing: Analytical aspects of selected cases of suspected, purported, and proven urine manipulation. J Pharm Biomed Anal. 2012, 57: 26–32
Thevis M. et. al.: J. Traditional Chinese medicine and sports drug testing: identification of natural steroid administration in doping control urine samples resulting from musk (pod) extracts. Br J Sports Med. 2012, in press. doi:10.1136/bjsports-2012-090988

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Anna Voormann, Dagmar Arnold
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-984
arnold@medizinkommunikation.org

Anna Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

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