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Dermatologe am LMU-Klinikum entdeckt Mechanismus für Psoriasis

09.12.2010
Die Eiweiße Koebnerisin und Psoriasin machen die Haut für Schuppenflechte anfällig

Die Krankheit sei „ein Fluch“, sagte der US-Schriftsteller John Updike und spricht vielen seiner Leidensgenossen mit Schuppenflechte (Psoriasis) aus dem Herzen.

Bei entsprechender genetischer Veranlagung bilden sich auf der Haut entzündliche schuppige Beläge. Sie schimmern silbern wie zerknitterte Alufolie und jucken und spannen. Einmal ausgebrochen, kommt die Plage in Schüben immer wieder, „ausgelöst durch mechanische Reizung, Infektionen oder auch Medikamente“, weiß Privat-Dozent Dr. Ronald Wolf von der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Klinikums der Universität München.

Zusammen mit amerikanischen Kollegen und Ärzten des Universitätsklinikums München und Dresden hat der Hautarzt jetzt einen offenbar entscheidenden Krankheitsmechanismus entdeckt, der die genetische Veranlagung zur Psoriasis erklärt und auch den Krankheitsausbruch durch äußere mechanische Einflüsse, das so genannte Köbner-Phänomen.

„Wir rechnen damit, dass unsere Ergebnisse zu neuen Therapien führen - sowohl gegen die Schuppenflechte selbst als auch gegen die Neigung zur Erkrankung“, sagt Dr. Wolf. Für die zwei Millionen Patienten allein in Deutschland wäre das ein Segen.

Die Wissenschaftler nahmen molekulare Signalwege der Psoriasis unter die Lupe. Derlei Signalwege regulieren Stoffwechselvorgänge zwischen verschiedenen Zellen und Geweben, insbesondere zwischen Haut und Immunsystem. Sie spielen bei der Krankheitsneigung eine entscheidende Rolle. Daran beteiligt sind bestimmte Eiweiße, die bei der Erkrankung durch entsprechende Schuppenflechte-Gene verstärkt hergestellt werden.

Eines der Eiweiße, das Koebnerisin (S100A15), hat Dr. Wolf entdeckt. Ein zweites, nahe verwandtes Eiweiß, das so genannte Psoriasin, war durch voran gegangene Analysen der Haut von Psoriasis-Patienten bereits bekannt. Beide Eiweiße machen die Haut für Schuppenflechte anfällig. „Die zur Psoriasis-neigende Haut, so Dr. Wolf, stellt die zwei Proteine in deutlich erhöhten Mengen her“.

Bei Mäusen sind die Funktionen der beiden menschlichen Proteine in einem einzigen Eiweiß gebündelt, das die Wissenschaftler S100a7a15 nennen. Nun hat das Ärzte-Team um Dr. Wolf die Nager genetisch so verändert, dass sie davon bereits von Geburt an größere Mengen in der Haut produzieren. Wie sich zeigte, macht sie das extrem empfänglich für die Ausbildung von Symptomen, die der menschlichen Schuppenflechte entsprechen. Sobald ihre Haut, etwa durch eine Abschürfung, gereizt wird, startet eine überschießende Entzündung - wie beim Menschen. Dabei bindet das S100a7a15-Protein an ein RAGE genanntes Molekül auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen und Hautzellen. Infolgedessen wandern weitere Immunzellen in die Haut ein, und auch für die Psoriasis typische Entzündungs-Botenstoffe sind in erhöhten Konzentrationen messbar. „Die S100-Proteine Psoriasin und Koebnerisin“, sagt Ronald Wolf, „sind unseren Ergebnissen zufolge zusammen mit RAGE wichtige Regulatoren der Krankheitsentstehung.“

Langfristig gesehen wollen die Forscher Substanzen finden, die gezielt die beiden S100-Proteine oder deren Kopplung an RAGE blockieren. Eine Hoffnung, „auf diese Weise Psoriasis-Herde zu verhindern beziehungsweise einen bereits bestehenden Krankheitsschub zu behandeln“, wie der Münchener Dermatologe erklärt.

Weitere Informationen erhalten Sie:
PD Dr. Ronald Wolf
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Frauenlobstr. 9-11, 80337 München
Telefon 089/5160-6324
Email Ronald.Wolf@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2009 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt fast 10.000 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2009 rund 62 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an sechs Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 594, 596, 684, 824), an drei Sonderforschungsbereichen-/Transregio (TR 05, TR 22, TR 36), zwei Forschergruppen (KFO 128 und FOR 535) sowie an zwei Graduiertenkollegs (GK 1091 und 1202) beteiligt. Hinzu kommen die beiden Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM) und „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP) sowie die Graduiertenschule „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU).

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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