Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das MERS-Virus lässt sich blockieren

30.05.2014

Das MERS-Virus (Middle East Respiratory Syndrome ) gehört wie der SARS-Erreger zu den gefährlichen Coronaviren. Bisher gibt es dagegen keine Medikamente. Nun hat eine internationale Forschergruppe mit Berner Beteiligung einen Weg entdeckt, wie das MERS- als auch das SARS-Virus blockiert werden können.

MERS (Middle East Respiratory Syndrome), das dem SARS-Erreger ähnelt, kann zu Nierenversagen und Lungenentzündung führen. Mehr als 40 Prozent der Patientinnen und Patienten sterben – eine Impfung gibt es nicht. Seit 2012 steckten sich im Mittleren Osten über 500 Menschen an, sprunghaft angestiegen sind die Infektionen seit März dieses Jahres. Am stärksten betroffen mit 400 Fällen und 147 Todesopfern ist Saudi-Arabien. Aus den USA wurden jüngst zwei Infektionsfälle gemeldet.


Elektronenmikroskopische Aufnahme einer Coronavirus-infizierten Zelle mit zahlreichen Membranvesikeln, an denen sich die Coronaviren vermehren. Die Bildung dieser Membranvesikel wird durch den

Bild: Volker Thiel, IVI, Universität Bern

Auf der Suche nach einem Mittel gegen Coronaviren, zu denen sowohl das MERS- als auch das SARS-Virus gehören, hat ein internationales Team unter der Führung von Prof. Volker Thiel, Universität Bern, und Prof. Edward Trybala, Universität Göteburg, Schweden, eine Substanz entdeckt, die sie «K22» nennen. Das Berner Team um Volker Thiel forscht am Institut für Virologie und Immunologie (IVI), das als Bundesinstitut mit der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern verbunden ist.

Die Forscher haben zunächst beobachtet, dass K22 die Vermehrung eines relativ harmlosen Coronavirus, das im Menschen Schnupfen hervorruft, hemmt. Anschliessende Experimente zeigten jedoch, dass die Substanz gegen alle getesteten Coronaviren, einschliesslich MERS- und SARS-Coronavirus, wirkt. Die Forscher konnten auch zeigen, dass die Viren auf menschlichen Lungenepithelzellen, die in den oberen Atemwegen die Eintrittspforte von MERS- und SARS-Erregern darstellen, effektiv gehemmt werden können. Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Journal «PLoS Pathogens» publiziert.

Die Entstehung von Virusfabriken in der Zelle wird gehemmt

Auf der Suche nach dem Mechanismus der Hemmung konnten sie beobachten, dass K22 in menschlichen Zellen bereits sehr früh in den viralen Lebenszyklus eingreift. Menschliche Zellen sind in zahlreiche «Kompartimente» aufgeteilt. Zum Beispiel den Zellkern, der das Erbmaterial enthält, oder Mitochondrien, die das «Kraftwerk» der Zelle darstellen. Jedes Kompartiment ist von Membranen umhüllt. Um sich in der Zelle zu vermehren, benutzen Viren solche Membranen und formen sie nach ihren Bedürfnissen um. Dadurch schaffen sie sich eine optimale Umgebung, in der sie sich geschützt vor den Zell-Abwehrmechanismen vervielfältigen können. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass K22 gezielt die Umformung der zellulären Membranen hemmt und somit das Entstehen von «Virusfabriken» in der Zelle schon im Ansatz verhindert.

Achillesferse im viralen Lebenszyklus

«Die ausserordentliche Effizienz, mit der K22 die Virusvermehrung hemmt, bestätigt, dass die Viren bei der Umformung von zellulären Membranen zur Virusvermehrung angreifbar sind», sagt Volker Thiel. Dieser Prozess stellt laut den Autoren der Studie sozusagen die Achillesferse des viralen Lebenszyklus dar.

Da viele Viren sich auf dieselbe Art vermehren wie Coronaviren, sollte es möglich sein, sogenannte Inhibitoren zu finden, die auch bei zahlreichen anderen Viren gleich wirken.

Die Autoren geben aber zu bedenken, dass es sich bei der Entdeckung von K22 und des neuartigen Wirkungsmechanismus nur um einen ersten, präklinischen Schritt auf dem Weg zu einer therapeutischen Anwendung handle. «Eine wichtige Lektion der vergangen SARS- und der momentanen MERS-Epidemie ist jedoch, dass dringend Mittel in die Entwicklung von effizienten Medikamenten investiert werden müssen – damit wir in der Zukunft auf Coronavirus-Ausbrüche besser vorbereitet sind und diese Infektionen behandeln können», sagt Thiel.

Artikel:
Anna Lundin*, Ronald Dijkman*, Tomas Bergström, Nina Kann, Beata Adamiak, Charles Hannoun, Eveline Kindler, Hulda R. Jónsdóttir, Doreen Muth, Joeri Kint, Maria Forlenza, Marcel A. Müller, Christian Drosten, Volker Thiel+, Edward Trybala+ (2014): Targeting Membrane-Bound Viral RNA Synthesis Reveals Potent Inhibition of Diverse Coronaviruses Including the Middle East Respiratory Syndrome Virus. PLoS Pathog 10(5): e1004166. doi:10.1371/journal.ppat.1004166


*equal contribution; +corresponding authors

Weitere Informationen:

http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2014/da...

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie