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Darmbakterien können autoimmune Krankheiten auslösen

06.11.2017

Eine Studie der Universität Bern und der University of Calgary (CA) zeigt, dass spezielle Darmbakterien eine Reaktion des Immunsystems auslösen, die in gewissen Fällen zu autoimmunen Krankheiten führen kann. Der entdeckte Mechanismus könnte dabei helfen, einen neuen Ansatz gegen chronisch-entzündliche Darmkrankheiten und andere autoimmune Erkrankungen zu entwickeln.

Darmbakterien spielen für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle – sie unterstützen die Verdauung, verhindern Infektionen und signalisieren dem Immunsystem, was es bekämpfen soll. Nun haben Forschende um Andrew Macpherson und Kathy McCoy vom Department for BioMedical Research (DBMR) und der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin am Inselspital Bern eine Funktion von Darmbakterien entdeckt, die bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eine wichtige Rolle spielt.


Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren (Mitte). Weisse Blutzellen, die diese schädigen und damit Diabetes auslösen, können auch autoimmune Krankheiten im Darm verursachen.

Universität Bern/Inselspital, Universitätsspital Bern

Gemeinsam mit Forschenden der University of Calgary, Kanada, beschreiben sie einen neuen Mechanismus bei Darmbakterien, der entzündungsfördernde Zellen reguliert. «Zum ersten Mal konnte nachgewiesen werden, dass spezielle Darmbakterien das Immunsystem und damit auch autoimmune Krankheiten beeinflussen», sagt Andrew Macpherson.

Damit eröffnen sich neue Therapiemöglichkeiten bei autoimmunen Erkrankungen wie chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten (sogenannte Inflammatory Bowel Diseases, IBD). Die Studie wurde im Fachjournal «Cell» veröffentlicht.

Zu starke Immunreaktion

Sogenannte Bakteroiden, eine spezielle Form von Darmbakterien, leben in Symbiose mit dem Menschen und mit Säugetieren. Sie produzieren ein bestimmtes Protein, Integrase, das chronisch-entzündliche Darmkrankheiten verhindert, indem es weisse Blutzellen alarmiert und dazu bringt, Zellen zu zerstören, die chronisch-entzündliche Darmkrankheiten hervorrufen können.

«Wir vermuten, dass dieser Mechanismus bei den meisten Menschen das Entstehen dieser Krankheiten verhindert», sagt Kathy McCoy. Bei dieser «Alarmierung» durch das Protein Integrase gibt es jedoch eine Kehrseite: bei einigen Menschen schiessen die weissen Blutzellen in ihrem Kampf gegen Zellen, die IBD verursachen könnten, über das Ziel hinaus. Diese überschiessende Immunreaktion löst schliesslich erst Darmkrankheiten aus. Auch andere autoimmune Krankheiten wie Diabetes werden durch eine Überreaktion von weissen Blutzellen verursacht.

«Indem wir zeigen konnten, wie Integrase auf das Immunsystem wirkt, wird zum ersten Mal deutlich, wie Darmbakterien chronisch-entzündliche Darmkrankheiten beeinflussen», sagt McCoy. «Wir haben spezifisch IBD untersucht, aber es ist zu vermuten, dass es weitere Proteine im Darm gibt, die ähnlich funktionieren wie Integrase und andere autoimmune Krankheiten wie Diabetes auslösen können», ergänzt Francesca Ronchi vom DBMR und Inselspital, Ko-Erstautorin der Studie. Bei solchen Proteinen könnte angesetzt werden, um die «Macht» der Darmbakterien zu nutzen und gegen chronisch-entzündliche Darmkrankheiten und andere autoimmune Erkrankungen vorzugehen.

Bibliographische Angaben:

Roopa Hebbandi Nanjundappa, Francesca Ronchi et al.: A Gut Microbial Mimic that Hijacks Diabetogenic Autoreactivity to Suppress Colitis, Cell, 19. Oktober 2017, doi: 10.1016/

Weitere Informationen:

http://www.unibe.ch/aktuell/medien/media_relations/medienmitteilungen/2017/medie...
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29053971

Nathalie Matter | Universität Bern

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