Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dank Mikrowellen ‚löst‘ sich der Schilddrüsenknoten

06.11.2012
Als erstes Krankenhaus in Europa hat die Klinik für Nuklearmedizin am Frankfurter Universitätsklinikum Mikrowellen gegen Schilddrüsenknoten eingesetzt. Das Verfahren hat große Vorteile für die Patienten.

Erstmalig in Europa wurde ein Patient mit der sogenannten Mikrowellenablation an der Schilddrüse behandelt. Dabei wird das kranke Gewebe durch Mikrowellenbestrahlung verbrannt und entfernt. Das Verfahren ist schneller, effizienter und weniger schmerzhaft als alternative Methoden. Durchgeführt wurde diese erste Behandlung am Frankfurter Uniklinikum in der Klinik für Nuklearmedizin, unter der Leitung von Prof. Frank Grünwald.


Das Kontrollbild nach der Mikrowellenablation (unten) zeigt sofort das Ergebnis: Gegenüber dem Bild vor der Behandlung (oben) hat sich das grün eingefärbte Schilddrüsengewebe deutlich reduziert (siehe Kreis).

Fast 20 Prozent der Deutschen haben einen oder mehrere Schilddrüsenknoten. Bei den über 65-Jährigen ist sogar fast jeder Zweite von einer Erkrankung der Schilddrüse betroffen. Die Vergrößerung der Schilddrüse durch die Knoten kann sich für die Betroffenen sehr unangenehm auswirken: Ein Gefühl wie bei einem Kloß im Hals, ein unangenehmes Druckgefühl, Heiserkeit oder Räusperzwang können die Folge sein.

Wie funktioniert die Mikrowellenablation?

Für die Mikrowellenablation ist keine Operation notwendig. Unter lokaler Betäubung wird eine Sonde durch die Haut geleitet. Sie dient dazu, die Mikrowellen direkt auf den Schilddrüsenknoten zu lenken. Die kranken Zellen werden durch die Wellen erhitzt. Das behandelte Schilddrüsengewebe wird dann vom Körper abgebaut. Der Schilddrüsenknoten wird in kürzester Zeit kleiner.
Mithilfe von Echtzeitbildern aus einem Ultraschallgerät wird der Eingriff jederzeit beobachtet und kontrolliert. Die Dauer der Behandlung beträgt je nach Größe und Zahl der Schilddrüsenknoten zwischen 10 und 15 Minuten. Ein stationärer Aufenthalt von wenigen Tagen ist ausreichend. Wenn die Untersuchung unmittelbar nach der Anwendung zeigt, dass ein noch besseres Ergebnis möglich ist, kann direkt im Anschluss eine weitere Mikrowellenablation stattfinden. Da der Eingriff mit einer dünnen Nadel durchgeführt wird, ist auch das kosmetische Resultat hervorragend.

Vorteile der Mikrowellenablation

Schilddrüsenknoten werden bis dato vor allem mit der Radiojodtherapie behandelt. Dabei wird dem Patienten radioaktives Jod, meist in Form einer Kapsel, verabreicht. Diese Therapie allein ist jedoch nicht immer ausreichend.

In solchen Fällen werden die Schilddrüsenknoten bislang meistens operativ entfernt. Demgegenüber hat die Mikrowellenablation den großen Vorteil, dass die Risiken einer Operation und der dazugehörigen Narkose komplett entfallen. Dies ist insbesondere für solche Menschen wichtig, die Vorerkrankungen beispielsweise des Herz-Kreislaufsystems aufweisen und damit auch ein erhöhtes Risiko bei einer Operation haben.

Als Alternative zur Operation wurde in einigen Krankenhäusern bereits die Radiofrequenzablation eingesetzt. Bei dieser Methode wird hochfrequenter elektrischer Strom zur Beseitigung des erkrankten Gewebes eingesetzt. Auch gegenüber diesem Verfahren hat die Mikrowellenablation eindeutige Vorteile. Sie ist schneller, effizienter und weniger schmerzhaft.

„Die Mikrowellenablation verursacht auch deutlich geringere Nebenwirkungen, weil nur eine örtliche Betäubung und keine Vollnarkose nötig sind. Damit ist sie eine sehr vielversprechende Alternative zu den etablierten Verfahren“, sagt Dr. Hüdayi Korkusuz, Facharzt für Radiologie an der Klinik für Nuklearmedizin, der die erste Mikrowellenbehandlung durchgeführt hat.

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

nachricht Was Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv macht
18.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten