Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Coronaviren: Auf schnellstem Weg zum Impfstoff

25.06.2014

Am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) arbeiten Wissenschaftler mit Hochdruck an einem schnell verfügbaren Impfstoff gegen das gefürchtete MERS-Coronavirus. Im Tiermodell wurde die Vakzine erfolgreich getestet, nun startet ein Projekt, in dem die klinische Prüfung am Menschen vorbereitet wird.

Seit das MERS-Coronavirus 2012 erstmals als neues, gefährliches Virus in Saudi-Arabien entdeckt wurde, beunruhigt es die weltweite Öffentlichkeit.


Das Marburger S4-Labor steht bei neu auftretenden Infektionskrankheiten zur Verfügung

(c) DZIF / scienceREALTIONS

Das „Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus“, kurz MERS-CoV, kann bei Infizierten schwere Krankheitsverläufe verursachen, von Atemnot und Lungenentzündung bis hin zum Lungenversagen, das häufig zum Tode führt.

Da die Anzahl neuer Fälle in den vergangenen zwei Monaten deutlich angestiegen ist, wächst die Angst davor, dass sich das Virus an die menschliche Population anpassen und die Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch zunehmen könnte. Eine weitere Gefahr sehen die Experten in der Infektionsquelle; derzeit geht man davon aus, dass Dromedare ein natürliches Reservoir für den Erreger bilden.

„Wir sollten möglichst schnell einen Impfstoff zur Verfügung haben, der im Falle einer Pandemie sofort eingesetzt werden kann“, betont DZIF-Wissenschaftler Professor Gerd Sutter von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Einen großen Schritt dorthin haben die Forscher bereits gemacht:

Ein Impfstoff-Kandidat ist erforscht und im Tierversuch mit Erfolg getestet worden. Das Team um Sutter hat ihn in Zusammenarbeit mit Forschern des Erasmus Medical Center Rotterdam und der Philipps-Universität Marburg entwickelt. Nun geht es darum, ihn möglichst schnell auf klinische Sicherheit zu testen.

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung stehen Expertise und finanzielle Mittel zur Verfügung, um eine solche Studie schnell auf den Weg zu bringen. Mit dem Forschungsschwerpunkt „Neu auftretende Infektionskranheiten“ wurden strukturelle Voraussetzungen geschaffen, um bei Ausbrüchen neuartiger Viren Diagnostika, Impfstoffe und Therapeutika schnell entwickeln und zum Einsatz bringen zu können.

„Im Falle von MERS-Coronavirus zeigt sich jetzt, dass das Konzept greift und wir mit dem Vakzine-Projekt sehr schnell auf die drohende Gefahr einer Epidemie reagieren können“, erklärt der DZIF-Vorstandsvorsitzende Professor Martin Krönke.

Auch die Entdeckung und Charakterisierung der MERS-Coronaviren wurde von Anfang an von DZIF-Wissenschaftlern betrieben. DZIF-Forscher Professor Christian Drosten entwickelte mit seinem Team an der Universität Bonn in kürzester Zeit einen Standardtest zum sicheren Nachweis des MERS-Erregers anhand von Genomsequenzen und machte den Test weltweit verfügbar.

Gleichzeitig begannen die Virologen um Gerd Sutter mit der Entwicklung eines Impfstoff-Kandidaten, der jetzt möglichst bald in die klinische Prüfung gehen soll. Sowohl Drosten als auch Infektionsmedizinerin Professor Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die die klinische Expertise einbringt und die geplante klinische Phase-1-Studie für das DZIF in Hamburg leiten soll, waren vor kurzem vor Ort in Saudi-Arabien, um mit den dortigen Gesundheitsbehörden zu sprechen.

Professor Stephan Becker, der Koordinator des DZIF-Schwerpunktes „Neu auftretende Infektionskrankheiten“ resümiert: „Unsere Arbeit ist auf großes Interesse gestoßen und wir werden die Entwicklung unserer Vakzine mit Nachdruck vorantreiben.“

Für den Impfstoff benutzten die Forscher gut erprobte rekombinante Technologien, die auch für die Entwicklung anderer Impfstoffe als Basis dienen. „Sie haben sich bereits als sehr sicher und wirksam auch bei Kindern und immungeschwächten Patienten erwiesen“, erklärt Addo.

Die Weiterentwicklung zum zugelassenen Impfstoff ist nicht nur für MERS-Coronaviren von großer Bedeutung. Die Studie im Rahmen des DZIF ist ein Projekt von größerer Tragweite, denn mit derselben Methode könnte im Prinzip auch gegen andere Erreger innerhalb eines kurzen Zeitraums ein Impfstoffkandidat entwickelt werden.

Wenn Sie an dem Thema MERS-Coronaviren Interesse haben, vermitteln wir gern ein Gespräch mit unseren Experten.

Kontakt:
Prof. Dr. Gerd Sutter
DZIF-Koordinator „Neu auftretende Infektionskrankheiten”
LMU München
E-Mail: gerd.sutter@lmu.de
Telefon: +49 89 2180 2610

Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit rund 200 Wissenschaftler aus 32 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Einer der Schwerpunkte ist die Antibiotikaforschung. Neben der gezielten Steuerung des Antibiotika-Einsatzes arbeiten die DZIF-Wissenschaftler an der Entwicklung neuer Antiinfektiva.

Mehr Informationen finden Sie unter www.dzif.de

Janna Schmidt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie