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Bessere Überlebenschancen bei künstlicher Beatmung dank Medikamenten

09.02.2012
Leipziger Mediziner starten Studie zur lungenschützenden Wirkung von ACE-Hemmern

Patienten mit akutem Lungenversagen haben trotz künstlicher Beatmung ein hohes Sterblichkeitsrisiko. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass auch bei schonendem Einsatz die lebensrettende mechanische Beatmung selbst dazu beitragen kann, die bedrohlichen Lungenschäden zu verstärken. Wie dem künftig durch zellschützende Medikamente vorgebeugt werden kann, untersuchen Leipziger Lungenexperten in der jetzt beginnenden Pilotstudie ACEmeVent.

Versagt die Lunge zum Beispiel bei einer schweren Lungenentzündung ihren Dienst, gibt es nur eine intensivmedizinische Therapiemöglichkeit – eine künstliche Beatmung, bei der eine Maschine die Funktion der Lungen unterstützt. Trotz schonendem Einsatz der Beatmung können die so ausgelösten mechanischen Kräfte zu weiteren Schäden des kranken Lungengewebes führen. Für die geschwächten Patienten hat dies fatale Folgen. Untersuchungen deuten auf einen Zusammenhang zwischen Stress durch Beatmung und niedrigen Überlebensraten bei Patienten mit akutem Lungenversagen (ARDS) hin. Noch immer versterben bis zu 40 Prozent der Patienten mit ARDS.

„Zusätzlich zum Einsatz schonender Beatmung und Ersatzverfahren können wir möglicherweise auch durch Medikamente die Zellen der Lunge vor den Auswirkungen mechanischer Überforderung bewahren“, erklärt Prof. Dr. Hubert Wirtz, Leiter der Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikums Leipzig. Der Pneumologe testet daher mit Kollegen in ganz Deutschland ein neues Verfahren, um Lungenzellen während der Beatmung besser schützen zu können.

Unter seiner Leitung wird dabei in der jetzt startenden multizentrischen Studie ACEmeVENT untersucht, inwieweit eigentlich als Blutdrucksenker eingesetzte Medikamente, sogenannte ACE-Hemmer, auch eine lungenprotektive Wirkung entfalten können.

„Im Labor haben wir bereits festgestellt, dass die blutdrucksenkenden ACE-Hemmer atmungsbedingte Schäden an Lungenzellen tatsächlich verhindern und beheben können“, erklärt Prof. Dr. Stefan Hammerschmidt, Oberarzt der Abteilung Pneumologie am UKL. Ob dieser Schutz der Lungenzellen durch die Enzymhemmer außerhalb der Laborbedingungen ausreicht, um den ARDS-Patienten wirksam zu helfen, wird jetzt an 240 Patienten an 12 Zentren in ganz Deutschland untersucht. Das BMBF fördert mit über 1,1 Millionen Euro diese klinische Studie, die unter Einsatz von Placebo-Kontrollgruppen neben der Wirksamkeit vor allem klären soll, ob der Einsatz der ACE-Hemmer ungefährlich hinsichtlich der Funktion anderer Organe ist.

„Wir haben gute Gründe davon auszugehen, dass die lange Zeit bei Einsatz von ACE-Hemmern angenommenen Beeinträchtigungen der Nieren nicht auftreten werden“, so Wirtz zu den erwarteten Effekten. „Vielmehr rechnen wir damit, dass wir durch den Medikamenteneinsatz die Beatmung besser verträglich machen können“, gibt der Leipziger einen Ausblick auf die in drei Jahren vorliegenden Ergebnisse der Studie. “Unsere Hoffnung ist, in Zukunft so die Sterblichkeit der Patienten mit akutem Lungenversagen entscheidend senken zu können.“

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Hubert Wirtz
Leiter der Abteilung für Pneumologie
Universitätsklinikum Leipzig A.ö.R.
Telefon: (03 41) 97 – 1 26 00
E-Mail: hubert.wirtz@uniklinik-leipzig.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-leipzig.de

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