Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Chancen verpassen bei Parkinson-Therapie

10.04.2002


Hirnschrittmacher wird viel zu selten eingesetzt

Weltweit leiden mehr als 4 Millionen Menschen an Parkinson, davon rund eine Viertelmillion allein in Deutschland. 15.000 Deutsche, zunehmend auch junge Menschen, erkranken jährlich neu. Anlass genug, sich am morgigen Welt Parkinson-Tag mit diesem Thema zu beschäftigen, meint die Deutsche Parkinson Vereinigung. Gerade im Bereich der Therapien habe sich in den letzten Jahren zwar viel getan, doch würden noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Laut Expertenmeinung könnten beispielsweise bis zu 20 Prozent der Parkinson Patienten von einem neurochirurgischen Eingriff, der sogenannten Tiefenhirnstimulation, profitieren. In Deutschland werden bisher nur etwa 5 Prozent der Patienten mit diesem Verfahren behandelt.

Für Patienten, die auf die konservative medikamentöse Therapie kaum noch ansprechen, oder erhebliche Nebenwirkungen haben, kann die Tiefenhirnstimulation die letzte Chance sein. Dabei werden Elektroden in die betreffenden Hirnregionen des Patienten implantiert und über einen Schrittmacher stimuliert. Die milden elektrischen Impulse blockieren die überaktiven Regionen im Gehirn und vermindern damit das Zittern und andere Bewegungsstörungen erheblich. Für die Betroffenen bedeutet dies einen enormen Zugewinn an Lebensqualität. Patienten berichten, dass sie ihr Leben endlich wieder alleine meistern, wieder Auto fahren oder einfach eine Kaffeetasse halten können.

Dr. Wolfgang Götz, 1. Vorsitzender der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. (dPV), sieht hier sehr großen Handlungsbedarf. "Unser Ziel ist es, dass in Zukunft möglichst alle Parkinson-Patienten, denen mit der Tiefenhirnstimulation geholfen werden kann, wirklich rechtzeitig und kompetent operiert werden. Deshalb müssen wir die Zusammenarbeit zwischen Neurologen und Neurochirurgen fördern und Beratung und Aufklärung der Patienten unterstützen. Auch bei den Kostenträgern ist deutlich verstärkte Lobby-Arbeit gefragt, um die Kostenübernahme in Zukunft für alle zu erreichen. Derzeit gibt es ja nicht einmal einen gesonderten Abrechnungsmodus."

Dass der Einsatz dieser Therapie zunächst hohe Kosten verursacht und auch eine intensive Nachbetreuung erfordert, sollte nicht den Blick dafür verschließen, dass in der Regel andere Kostenfaktoren erheblich verringert werden können. So benötigen die Patienten weniger, manche sogar gar keine Medikamente mehr und auch der permanente Pflegebedarf entfällt vielfach. Teilweise konnte sogar eine berufliche Tätigkeit wieder aufgenommen werden.

Aufgrund der mangelnden Aufklärung von Ärzten und Patienten werde in Deutschland oft zu lange gewartet, bis man sich zu dem Eingriff entschließe. Viele schrecken vor der Hirnoperation zurück, die in Lokalanästhesie erfolgt und eine enge Kooperation zwischen dem operierenden Team und dem Patient voraussetzt. Der Bedarf an kompetenter psychologischer Betreuung sollte daher nicht unterschätzt werden. Derzeit werde bei vielen Patienten so lange medikamentös therapiert, bis sie auf die Wirkstoffe nicht mehr ansprechen. Stattdessen sollte frühzeitig an die Tiefenhirnstimulation gedacht werden.

Dr. Wolfgang Götz | ots

Weitere Berichte zu: Parkinson-Therapie Tiefenhirnstimulation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie