Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Technik im Kampf gegen den plötzlichen Herztod

10.04.2002


So breitet sich die elektrische Erregung über das Herz aus (von links oben; Erläuterungen im Text).
Bild: Institut für Biomedizintechnik, Uni Karlsruhe


Viele Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, sind danach vom plötzlichen Herztod bedroht. Wissenschaftler aus Würzburg und Karlsruhe arbeiten darum an einer neuen Methode, um solche Patienten frühzeitig identifizieren zu können: Es handelt sich um eine Kombination aus Elektrokardiographie und Kernspintomographie.

Der so genannte plötzliche Herztod wird durch Herzrhythmusstörungen verursacht: Bei einem Infarkt stirbt Herzmuskelgewebe ab und wird durch eine Narbe ersetzt. Die Verflechtung des Muskelgewebes mit der Narbe führt dazu, dass sich die elektrische Erregung im Herzen nur noch sehr ungleichmäßig ausbreitet und wieder zurückbildet. Dadurch kann es zu einem elektrischen "Unfall" kommen: Es entstehen schnelle, kreisende Erregungen, die das Herz unkoordiniert arbeiten lassen. So wird nicht mehr genug Blut transportiert; es folgt der plötzliche Herztod.

Ein Ziel der Herz-Kreislaufforschung bestehe darin, die hiervon gefährdeten Patienten zu identifizieren, wie Dr. Wolfgang Bauer von der Medizinischen Klinik der Uni Würzburg sagt. Doch bislang seien die Verfahren, mit denen sich die elektrische Erregung des Herzens erfassen lässt, nicht sehr aussagekräftig. Hierzu gehört zum Beispiel die Elektrokardiographie (EKG).

Auch Strategien, die neben den elektrischen Messgrößen zusätzlich andere Herzwerte berücksichtigen, grenzen laut Dr. Bauer die Risikogruppe nicht ausreichend ein: "Ideal wäre es, wenn man die Entstehung und Rückbildung der elektrischen Erregung direkt auf dem Herzmuskel darstellen könnte, ohne dabei den Patienten mit einem Eingriff zu belasten", so der Würzburger Mediziner.

Dieses Ziel wird nun in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Dr. Frank B. Sachse und Prof. Dr. Olaf Dössel vom Institut für Biomedizinische Technik der Universität Karlsruhe verfolgt: Dort wurden komplexe Rechenverfahren entwickelt, mit denen sich die elektrische Erregung am Herzen dreidimensional nachbilden lässt. Die Grundlage hierfür bilden die Daten von aufgerüsteten EKG-Systemen und von Schnittbildern des Herzens.

Wenn dieses komplexe Verfahren erst einmal praxisreif ist, dann wäre es für den Patienten unproblematisch: Er müsste nur ein spezielles EKG schreiben lassen und sich einer Kernspintomographie des Herzens unterziehen. Da diese Art der Tomographie nicht mit Strahlen, sondern mit Magnetfeldern arbeitet, wird der Organismus nicht belastet.

Doch bevor es so weit ist, gibt es noch viel Grundlagenforschung zu bewältigen und den Einsatz in der Klinik zu bewerten. Dr. Bauer: "Insbesondere bestehen hohe Anforderungen an die Verschmelzung der Bilddaten mit der elektrischen Information sowie an die Bildgebung." Im Bereich der Kernspintomographie des Herzens haben an der Uni Würzburg die Medizinische Klinik und der Lehrstuhl für Experimentelle Physik V (Biophysik) von Prof. Dr. Axel Haase große Erfahrung, so dass sich hier eine ideale Kooperation mit dem Karlsruher Institut ergibt.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fand das Projekt der Abbildung der elektrischen Erregung auf dem Herzmuskel so interessant, dass sie einen Kooperationsantrag der Karlsruher Wissenschaftler Frank B. Sachse und Olaf Dössel mit den Würzburger Medizinern Wolfgang R. Bauer und Malte Meesmann mit der entsprechenden finanziellen Unterstützung genehmigte.

Weitere Informationen: PD Dr. Wolfgang Bauer, T (0931) 201-3198, Fax (0931) 201-5302, E-Mail: 
w.bauer@medizin.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Herztod Kernspintomographie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften