Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit einem Piks dem Gebärmutterhalskrebs vorbeugen

21.08.2007
Frauenärzte am Universitätsklinikum Jena impfen gegen das Zervixkarzinom

Es ist ein Durchbruch besonderer Art - erstmals gibt es eine Impfung, die Krebs verhindern kann. Bisher beugt die Spritze allerdings nur einem Krebs vor: dem Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), der zweithäufigsten Krebserkrankung vor allem bei jungen Frauen.

Seit Mitte des vergangenen Jahres ist der Impfstoff auch in Deutschland zugelassen und wird von den Ärzten und Kliniken angeboten. Inzwischen nutzen die ersten Frauen und Mädchen diese Möglichkeit der Vorsorge.

Auch am Universitätsklinikum Jena (UKJ): Mehrere Frauen und Mädchen haben sich bereits in der Poliklinik der Universitäts-Frauenklinik, die national und international in der speziellen Diagnostik und minimal-invasiven Behandlung des Gebärmutterhalskrebses einen guten Ruf genießt, mit einem Piks gegen den Krebs am Gebärmutterhals geschützt.

"Diese Impfung ist bei jungen Mädchen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren, auf alle Fälle aber vor dem ersten Geschlechtsverkehr, ganz besonders sinnvoll", erklärt dazu Dr. Cornelia Scheungraber von der Jenaer Universitäts-Frauenklinik. "Der Impfstoff verhindert eine Ansteckung mit den wichtigsten Arten der humanen Papillomviren (HPV), die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können und den Gebärmutterhalskrebs auslösen", so die Gynäkologin weiter.

Fast jede Frau infiziert sich im Laufe ihres Lebens mit HPV - oft ohne negative Folgen. In einigen Fällen aber entwickeln sich aus der Infektion Krebsvorstufen und ein Zervixkarzinom. Jährlich erkranken etwa 6.000 Frauen in Deutschland an diesem Krebs, bei vielen wird die Krebserkrankung zu spät erkannt. Ärzte und Wissenschaftler der Jenaer Frauenklinik erforschen seit Jahren die molekularbiologischen Vorgänge speziell bei der Entstehung des Zervixkarzinoms. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Matthias Dürst konnte dabei in einer vor zwei Jahren veröffentlichten Studie zeigen, dass die Abwesenheit von HP-Viren bei einem Abstrich zu 99,6-prozentiger Sicherheit das Risiko einer Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs ausschließen lässt. Wird eine HPV-Infektion verhindert, ist dies folglich der sicherste Schutz vor dem Tumor.

Die Ärzte empfehlen die Vorsorge daher auch für Frauen über 20: "Da die Impfung auch eine Neuinfektion mit HPV verhindert, ist dieser Schutz auch für sexuell bereits aktive Frauen sinnvoll", ist Prof. Dr. Ingo Runnebaum, Direktor der Gynäkologie am UKJ, überzeugt. Der Experte für Gebärmutterhalskrebs hofft auf positive Auswirkungen dieser ersten Krebsimpfung: "Jungen Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr können wir dank der Impfung einen etwa 80-prozentigen Schutz vor dem Zervixkarzinom bieten", so Runnebaum. "Das ist ein enormer Fortschritt im Kampf gegen den Krebs."

Die Impfung setzt sich aus drei Impfstoffgaben im Abstand von mehreren Monaten zusammen. Inzwischen übernehmen viele Kassen die Kosten, zudem wird in Kürze auch die Zulassung eines zweiten Impfstoffs gegen das Zervixkarzinom erwartet.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ingo B. Runnebaum
Direktor der Abtl. Gynäkologie, Geschäftsführender Direktor der Frauenklinik, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/933063
E-Mail: Ingo.Runnebaum[at]med.uni-jena.de
Dr. Cornelia Scheungraber
Frauenklinik, Abtl. Gynäkologie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/9 33063
E-Mail: Cornelia.Scheungraber[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Gebärmutterhalskrebs Krebs Zervixkarzinom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften