Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ursachen des Altersdiabetes auf der Spur

03.07.2000


Anzeichen bei Verwandten lassen Gendefekt vermuten

Eine der Ursachen für Altersdiabetes (Typ 2-Diabetes) ist vermutlich ein Gendefekt in der Insulinfreisetzung : Nahe Verwandte von Typ 2-Diabetikern, deren Stoffwechsel noch normal funktioniert, zeigen bereits frühe Hinweise auf eine eventuelle spätere Erkrankung an Diabetes. Dieser entscheidende Schritt auf dem Weg der Erforschung des Altersdiabetes gelang Juris Meier, RUB-Medizinstudent in der Arbeitsgruppe um Prof. Michael Nauck am Knappschaftskrankenhaus Langendreer (Direktor: Prof. Wolff-Helmut Schmiegel): Für seine Promotionsarbeit "Insulinotrope Wirkung von exogenem Gastric Inhibitory Peptide (GIP) bei erstgradigen Verwandten von Typ 2-Diabetikern im Vergleich zu stoffwechselgesunden und Typ 2-diabetischen Probanden" wurde er mit dem mit 5000 DM dotierten Silvia-King-Preis ausgezeichnet.

Veranlagung zur Altersdiabetes

Etwa acht Prozent der Bevölkerung erkranken im Lauf ihres Lebens an Altersdiabetes. Die Krankheit tritt meistens zwischen dem 50. und dem 70. Lebensjahr auf und kann schwerwiegende Folgen haben: Gefäßschäden, z. B. Herzinfarkt, Nervenschäden, Nierenschäden, Augenschäden und Fußgeschwüre können entstehen. Der Lebenswandel, z. B. die Ernährung und körperliche Bewegung können die Entwicklung und den Verlauf der Erkrankung maßgeblich beeinflussen, die Ursache liegt aber wahrscheinlich in erblichen Faktoren, die noch nicht genau entschlüsselt sind. Immerhin ist seit langem bekannt, dass 40 bis 50 Prozent der Kinder und Geschwister von Typ 2-Diabetikern im Lauf ihres Lebens selbst Diabetiker werden. Juris Meier interessierte sich daher für frühe Anzeichen einer späteren Erkrankung bei diesen Verwandten.

GIP-Hormone steuern Insulinausschüttung

Basis seiner Forschung war die Wirkung des körpereigenen Hormons Gastric Inhibitory Peptide (GIP). Es kommt im Magen-Darm-Trakt vor und regt bei gesunden Menschen nach den Mahlzeiten die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse an. Bei Altersdiabetikern ist die Wirkung dieses Hormons deutlich vermindert. Die Frage war nun, ob diese Verminderung auch bei gesunden nahen Verwandten von Diabetikern schon festzustellen ist, oder ob sich der Defekt erst im Lauf der Erkrankung entwickelt. Um dies herauszufinden, verglich Meier drei Probandengruppen: Zehn gesunden Kontrollpersonen, 21 erstgradigen Verwandten, deren Stoffwechsel normal funktionierte und 10 Diabetikern wurde bei konstantem Blutzuckerspiegel über zwei Stunden GIP verabreicht. Gleichzeitig kontrollierten die Mediziner in venös gewonnenen Blutproben verschiedene Parameter der Insulinfreisetzung.

Verwandte reagieren schneller

Bei einem Vergleich der Gruppen zeigte sich, dass die Verwandten von Diabetikern im Mittel zwar mit einer stärkeren Insulinfreisetzung auf das GIP reagierten als die Diabetiker, jedoch mit einer weit geringeren als die Kontrollpersonen. Innerhalb der Verwandtengruppe unterschieden sich zwei Untergruppen: Das Muster der Insulinfreisetzung der einen Hälfte ähnelte dem der Diabetiker, das der anderen Hälfte ähnelte der Kontrollgruppe. Diese Erkenntnis lässt vermuten, dass sie schlecht reagierende Verwandtengruppe einen erblichen Defekt in sich trägt und später selbst an Altersdiabetes erkranken wird. Um diese Vermutung zu bestätigen, wollen die Forscher die Gruppen weiter beobachten. Das Testverfahren soll zudem vereinfacht werden, so dass es einer größeren Anzahl von Personen zugänglich wird.

Juris Meier setzt seine Forschungen zurzeit in der Arbeitsgruppe von Dr. Wolfgang E. Schmidt und PD Dr. Baptist Gallwitz im St. Josef-Hospital fort.

Weitere Informationen

PD Dr. Baptist Gallwitz, Juris Meier, Medizinische Klinik I, Universitätsklinik St. Josef-Hospital, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel. 0234/509-2312, Fax: 0234/509-2309, Tel. Juris Meier: 0234/2878047

Dr. Josef König |

Weitere Berichte zu: Altersdiabetes Diabetiker GIP Insulinfreisetzung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise