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Wissenschaftler warnen vor verheerender Grippeepidemie

15.06.2007
Eine Pandemie trifft nicht nur den Menschen. Vielmehr wird auch die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Mit Hilfe eines Notfallprogramms ist es jedoch möglich, die wirtschaftlichen Folgen abzufedern.

Professor Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch Instituts, warnt vor einer flächendeckenden Influenza-Pandemie. Die Hiobsbotschaft kommt nicht von ungefähr, denn die Wahrscheinlichkeit einer solchen Pandemie innerhalb der nächsten dreißig Jahre wird von internationalen Experten mit 90 % angegeben. „Im schlimmsten Fall kann eine Influenza-Pandemie bis zu 100 Mio. Menschen das Leben kosten, eine Gefahrenkonstellation wie jetzt hat es bisher noch nie gegeben“, erklärte hierzu der Direktor des Influenza-Programms der WHO.

Oftmals wird unterschätzt, in welcher Weise ein Virus nicht nur die Menschen, sondern auch das Bruttoinlandsprodukt empfindlich treffen kann. Dies haben die verheerenden Grippewellen der Jahre 1918, 1957 und 1968 gezeigt. Auf ca. 68,3 Milliarden Euro schätzt Milan Brahmbhatt, Ökonom der Weltbank, den Schaden für die Weltwirtschaft, den eine Pandemie auslösen könnte. Das US-Congressional Budget Office hält im Falle einer Pandemie einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von eineinhalb bis fünf Prozent für möglich.

„Da ein kurzfristiges Eintreten einer Pandemie nicht ausgeschlossen werden kann, wurde bei der ThyssenKrupp AG bereits im August 2005 vorstandsseitig eine Vorsorgeplanung beschlossen“, erklärt hierzu Dr. Klaus Etzler, Leitender Arzt des Unternehmens. Bei der Planung sei von einer Erkrankungsrate von einem Drittel aller Mitarbeiter ausgegangen worden. Allein für den Standort Deutschland würden dann bei der TKAG ca. 25.000 Mitarbeiter erkranken und ohne Therapie ca. 750 Mitarbeiter versterben. „Sollte der Worst-Case-Fall eintreten, dann muss ein Großunternehmen auf diese Situation vorbereitet sein“, argumentiert der Mediziner.

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Vermeidung von Überreaktion und Panik

Ein wesentlicher Bestandteil der Pandemie-Planung seien die allgemeinen Vorsorgemaßnamen, denn die Verhinderung einer Infektion müsse einen höheren Stellenwert haben als die begrenzten therapeutischen Möglichkeiten in einem Erkrankungsfall. So seien Handzettel vorbereitet worden, die über die Krankheit informieren, Empfehlungen zur Vermeidung von Ansteckung geben und das Verhalten bei einer Erkrankung regeln. Diese Aufklärung und Beratung soll zu einer Vertrauensbildung bei den Mitarbeitern führen, damit es im Falle einer Pandemie nicht zu Überreaktionen bis hin zur Panik kommt. Der Mitarbeiter müsse vermittelt bekommen, dass sich das Unternehmen um ihn kümmere.

Dr. Boris Augurzky, Forschungskoordinator und Kompetenzbereichsleiter Arbeitsmarkt, Bevölkerung und Gesundheit am RWI Essen, warnt vor den Folgen hoher Arbeitsausfälle. „Käme es zu einer Krankheitswelle, so könnten Produktionsbetriebe gezwungen sein, wegen des hohen Krankenstandes die Fertigung einzuschränken“, verdeutlicht er. Auch könnten die Menschen aus Angst vor Ansteckung, Kontakt mit anderen Menschen vermeiden.

Verschiedene aktuelle Studien gehen für Europa je nach Schweregrad einer Pandemie von einem negativen Effekt auf das BIP in Höhe von 1% bis 4% aus. Das RWI Essen erwartet für Deutschland bei einem milden Verlauf einen negativen Effekt von 1%, bei einem schweren Verlauf von 3,6%. Im milden Szenario würde in Deutschland mit einer Erkrankungsrate der Bevölkerung von 15% und etwa 40.000 Todesfällen zu rechnen sein, im schweren mit einer Erkrankungsrate von 50% und fast 150.000 Todesfällen.

Planungssoftware unterstützt Krisenmanagement

Der weltweit größte Hersteller von Produkten zur persönlichen Schutzausrüstung 3M hat eine individuelle Planungssoftware entwickelt, um Unternehmen für den Erstfall zu wappnen. Ziel dieser Vorbereitungen ist es, die Belegschaft bestmöglich zu schützen und so die organisatorischen Abläufe im Krisenfall zu sichern. Individuelle Kundendaten wie geplantes Versorgungsniveau, Nutzungsraten und Arbeitsabläufe gleicht die Software mit aktuellen Szenario-Kennzahlen ab. „Auf diesen Daten basiert das konkrete Beratungsangebot der 3M“, erklärt Dr. Robert Plum, Leiter Pandemieplanung, 3M Arbeits- und Personenschutz. Grundlage eines Großteils der Basisdaten, wie Erkrankungsraten oder Wechselraten von Atemschutz, beruhen dabei auf aktuellen Kennzahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des Robert Koch-Instituts (RKI) bzw. auf berufsgenossenschaftlichen Vorgaben.

Rolf Froböse | Rolf Froböse
Weitere Informationen:
http://www.thyssenkrupp.de
http://www.3m-pressnet.de

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