Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Substanz aus Bienenharz als Krebsmedikament

22.05.2007
Wissenschaftler erforschen Wirkung beim Neuroblastom

Die Natur ist seit jeher eine wertvolle Quelle für Arzneimittel. Pflanzliche Substanzen werden auch heute in der Krebsmedizin eingesetzt, beispielsweise aus der Mistel. Wissenschaftler der Universitäten Bochum und Dortmund untersuchen jetzt die Antitumor-Wirkung einer Substanz, die aus Bienenharz gewonnen wurde.

Der Wirkstoff aus diesem "Propolis" soll als neues Medikament gegen das Neuroblastom eingesetzt werden, also gegen eine bösartige Erkrankung des Nervensystems, die vor allem bei Kindern auftritt. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Kooperationsprojekt mit rund 250.000 Euro.

Neuroblastome zählen zu den häufigsten soliden Tumoren des Kindesalters. Insbesondere in fortgeschrittenen Stadien ist diese Krebsart sehr aggressiv. Die Heilungschancen sind dann meist schlecht. Außerdem wird der Tumor oft unempfindlich gegenüber der Chemotherapie. "Die Substanz aus Bienenharz hat das Potential, solche Resistenzmechanismen zu umgehen und neue Behandlungsmöglichkeiten für die kleinen Patienten zu eröffnen", erklärt Professor Dr. Peter Reusch, Projektleiter an der Ruhr-Universität Bochum, Leiter der Abteilung Klinische Pharmakologie.

Bienenharz - auch "Propolis" genannt - sammeln Bienen an den Knospenschuppen und Baumverletzungen verschiedenster Baumarten und versetzen es mit ihren eigenen Fermenten. Die Insekten nutzen die Substanz zum Verkitten von undichten Stellen im Bienenstock, aber auch um Krankheitserreger abzutöten oder Fressfeinde einzubalsamieren. Propolis ist ein Gemisch zahlreicher Wirkstoffe. Seine heilende und vorbeugende Wirkung ist bereits vielfach beschrieben worden. Es soll antivirale und antibakterielle Wirkungen haben und die körpereigene Abwehr stärken. Propolis wird vom Imker mittels eines speziellen "Propolisgitter" gewonnen.

"Meinem Kollegen Dr. David Díaz-Carballo ist es gelungen, ein Molekül mit Antitumor-Wirkung aus Propolis aufzureinigen", erklärt Reusch. Dieses Molekül namens CLU-502 stammt ursprünglich aus dem Bienenharz des subtropischen Balsamapfels (Clusia rosea). Im Rahmen des Forschungsprojekts wollen die Wissenschaftler nun die Wirkung dieser Substanz auf Neuroblastomzellen genauer untersuchen. "Wir wissen bereits, dass CLU-502 in den Krebszellen ein Onkogen herunterreguliert, welches das Wachstum des Tumors antreibt", so der Pharmakologe. Die bisher erzielten Ergebnisse mit CLU-502 seien sehr ermutigend. "In ersten Laboruntersuchungen ist es uns bereits gelungen, Krebszellen damit abzutöten. Normale Zellen wurden dabei nicht geschädigt", betont Reusch. Dies verspreche, dass das potentielle Medikament nur wenig Nebenwirkungen haben könnte.

Die Wissenschaftler haben weiterhin das Ziel, einen chemischen Syntheseweg für das Molekül zu finden, um von den natürlichen Quellen unabhängig zu werden. Dies würde die günstige industrielle Herstellung größerer Mengen von CLU-502 ermöglichen. "Wir hoffen, mit unserer Forschung den Weg zu ebnen für ein neues Chemotherapeutikum, das bei Patienten mit Neuroblastom und möglicherweise auch anderen Tumorarten eingesetzt werden kann, wenn die herkömmliche Therapie versagt", erläutert Reusch.

Infokasten: Krebs im Kindesalter

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 1.800 Kinder unter 15 Jahren neu an Krebs. In dieser Altersgruppe ist Krebs besonders bösartig: Die Tumorzellen vermehren sich meistens sehr rasch. Am häufigsten werden Leukämien (Blutkrebs), Tumoren des Gehirns sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Mehr als 90 Prozent aller krebskranken Kinder werden in kinderonkologischen Zentren und nach bundesweit einheitlichen Therapiekonzepten behandelt. Die Deutsche Krebshilfe finanziert fast alle derzeit in Deutschland laufenden Therapie-Optimierungs-studien bei Kindern. Diesen Studien ist es zu verdanken, dass heute fast 80 Prozent der betroffenen Kinder ihre Krebserkrankung überleben. Die Deutsche Krebshilfe gibt den allgemeinverständlichen Ratgeber "Krebs im Kindesalter" heraus, der kostenlos bestellt werden kann: Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, oder im Internet unter www.krebshilfe.de (pdf-Datei).

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Bienenharz CLU-502 Molekül Neuroblastom Propolis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

22.08.2017 | Physik Astronomie

Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Virus mit Eierschale

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie