Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Messung der subjektiven Lebensqualität gehört zur Tumornachsorge

09.07.2000


... mehr zu:
»Tumornachsorge
Lebensqualität darf nicht beliebig definiert werden, sondern muss das Ergebnis einer naturwissenschaftlichen Analyse des subjektiven Befindens der Patientinnen sein. Dies folgern Experten aufgrund der
Überprüfung eines neuen Konzeptes zur Tumornachsorge auf dem Senologie-Kongress in Lugano.

"Das psychische und soziale Wohlbefinden von Menschen ist nicht mit Sigmund Freud zu bestimmen, sondern eine naturwissenschaftlich fundierte und messbare Größe." Mit dieser Aussage plädierte Professor Wilfried Lorenz vom Institut für theoretische Chirurgie der Universität Marburg dafür, dass die klinische Forschung vermehrt die Möglichkeiten der Psycho- und Soziometrie nutzen sollte.

Wie und ob dieses möglich ist, hat das Team von Lorenz gemeinsam mit Ärzten der Universitätsfrauenklinik überprüft. Die mathematischen Verfahren zur Messung der subjektiven Lebensqualität werden in einer Feldstudie zur Analyse der onkologischen Versorgung des Landkreises Marburg-Biedenkopf eingesetzt. Ziel ist, die psychischen und sozialen Aspekte der Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen zu messen und in der Tumornachsorge zu berücksichtigen.

Grundlage ist ein Fragebogen, in dem die Patientinnen anhand von 30 Kriterien ihre aktuelle körperliche, psychische und soziale Situation bewerten. Die statistische Auswertung und deren Interpretation durch einen Psychosoziologen liefert ein individuelles Profil der subjektiven Lebensqualität aus der Sicht der Frau. Die Einschätzung der Lebensqualität durch den jeweils behandelnden Arzt weicht davon oft deutlich ab, da dessen Beurteilung fast ausschließlich auf den Ergebnissen seiner körperlichen Untersuchungsbefunde basiert.

Die Marburger Forscher haben auf der Grundlage dieser Erkenntnisse mit den Ärzten der Universitätsfrauenklinik ein neues Konzept der symptom- und problemorientierten Tumornachsorge entwickelt: Der behandelnde Arzt erhält die Auswertung des Fragebogens seiner Patientin. Jetzt kann im Dialog zwischen Arzt und Patientin eine gemeinsame Bewertung der körperlichen Untersuchungsbefunde und der ermittelten Lebensqualität erfolgen. Ebenso können beide mögliche oder erforderliche Konsequenzen für die weitere Behandlung prüfen.

Die Messung der Lebensqualität nutzt der Lebensqualität

Die Marburger Erfahrungen belegen, dass dieses Prinzip erfolgreich in die Feldstudie integriert werden kann. Ebenso zeigen erste Auswertungen, dass ein solches Vorgehen bei den meisten der 203 beteiligten Patientinnen die Lebensqualität positiv beeinflusst.

Die Feldstudie soll einen Beitrag zur Qualitätssicherung in der Tumornachsorge leisten. Deshalb wurde auch ein Qualitätszirkel im Landkreis etabliert, in dem Patientinnen, vertreten durch Beauftragte von Selbsthilfegruppen, niedergelassene Ärzte, Ärzte und Wissenschaftlicher der Universität sowie Ärzte der regionalen Krankenhäuser zusammenarbeiten.

"Lebensqualität wird von uns als dynamisches und individuelles Profil eines Individuums, nicht als starrer Punktwert wiedergegeben und wird im Nachsorgekonzept richtungsweisend genutzt." fasst Lorenz zusammen. Denn zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen einen direkten Zusammenhang zwischen Lebensqualität und Dauer des Überlebens. Deshalb will Lorenz, der auch Vorsitzender der ständigen Leitlinienkommission der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften ist, das Marburger Konzept in die Leitlinien für die Tumornachsorge einbringen.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl. Biol. Barbara Ritzert |

Weitere Berichte zu: Tumornachsorge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie