Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nicht nur der Körper leidet - auch die Seele

24.04.2007
Deutsche Krebshilfe stellt Programm "Psychosoziale Onkologie" vor

Krebs-Patienten benötigen nicht nur die bestmögliche medizinische Therapie, sondern auch seelische Begleitung. Doch der Bedarf an psychosozialer und psychoonkologischer Versorgung und Forschung ist in Deutschland nach wie vor nicht gedeckt.

Mit dem Ziel, die psychosozialen Versorgungsstrukturen in der Krebsmedizin zu verbessern und die psychoonkologische Forschung voran zu bringen, hat die Deutsche Krebshilfe das Förderschwerpunktprogramm "Psychosoziale Onkologie" initiiert. Mit vier Millionen Euro fördert sie bundesweit insgesamt 14 Projekte rund um die Themen Arzt-Patient-Kommunikation, Behandlung psychischer Symptome von Krebs-Patienten und Begleitung der Angehörigen.

"Mir war kalt, als ich am späten Vormittag im Krankenhaus nach der Operation erwachte. Ich erbat eine Wolldecke und nach einiger Zeit wurde mir wärmer. Weiterhin jedoch fror meine Seele. Ich hatte ein starkes Bedürfnis mit jemanden zu reden. Mir wurde klar: Krebs sind eigentlich zwei Krankheiten. Ich erfuhr am eigenen Leibe, dass es neben der organischen Krankheit Krebs eine noch viel schlimmere gibt: Die Angst! Die schlimmste Krankheit ist die Angst!" Ernst B. erkrankte vor drei Jahren im Alter von 56 Jahren an Darmkrebs und beschreibt, was die meisten Krebs-Patienten erleben: Nicht nur der Körper leidet, sondern auch die Seele.

"Die Diagnose 'Krebs' trifft fast alle Betroffenen plötzlich und völlig unerwartet. Das Leben verändert sich mit einem Schlag. Alle Lebensziele, Inhalte und Werte werden in Frage gestellt", so Professor Dr. Christoph Hürny, Leitender Arzt des Bürgerspitals St. Gallen und Vorsitzender der Gutacher-Kommission der Deutschen Krebshilfe, bei der Vorstellung des Förderschwerpunktprogramms am 24. April 2007 in Berlin. Die Krankheit verändert den Alltag und prägt ihn oft maßgeblich. Familie, Beruf und das soziale Umfeld werden in Mitleidenschaft gezogen. Krebs-Patienten benötigen daher nicht nur eine gute medizinische Behandlung, sondern auch seelischen und sozialen Beistand. Doch der Bedarf an psychosozialer und psychoonkologischer Beratung ist in Deutschland noch nicht gedeckt.

Um die psychosozialen Versorgungsstrukturen in der Krebsmedizin zu ver¬bessern und die Forschung auf dem Gebiet der psychosozialen Onkologie voran zu bringen, hat die Deutsche Krebshilfe, auf Vorschlag ihres Fachausschusses 'Versorgungsstrukturen und -forschung' das Förderschwerpunktprogramm "Psychosoziale Onkologie" initiiert.

Die Ausschreibung richtete sich an universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen, die bereits praktische und wissenschaftliche Erfahrungen auf dem Gebiet der psychosozialen Onkologie haben. Im Rahmen dieses Programms fördert die Deutsche Krebshilfe nun mit insgesamt vier Millionen Euro 14 Projekte. Dazu gehört beispielsweise ein Projekt der Sektion Psychoonkologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Wissenschaftler unterstützen und optimieren die Arzt-Patient-Be¬ziehung, indem sie onkologisch tätige Ärzte in ihren kommunikativen Fähigkeiten trainieren. In einem weiteren Projekt soll die kommunikative Kompetenz derjenigen Ärzte gefördert werden, die Krebs-Patienten über klinische Studien aufklären. Zum Programm gehören zudem zwei Projekte, in denen die Wirksamkeit einer Kurzzeit-Psychotherapie bei depressiven Brustkrebs-Patientinnen und die Gruppenintervention für Angehörige palliativer Krebs-Patienten untersucht werden. "Wir waren begeistert von der Vielfalt und Qualität der eingereichten Anträge und sind fest davon überzeugt, dass das Programm die Etablierung und Professionalisierung der psychosozialen Onkologie voran bringen wird", sagte Hürny.

"Mit diesem Förderschwerpunkt zeigen wir einmal mehr, wie die Deutsche Krebshilfe versucht, in der Versorgung krebskranker Menschen Verbesserungen zu erzielen, Impulse zu setzen und auf vielen Feldern der Onkologie ihren Sachverstand, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse einzubringen", sagte Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, bei der Pressekonferenz in Berlin.

Interviewpartner auf Anfrage!

Infokasten: Psychosoziale Onkologie
Psychosoziale Onkologie erfordert ein ganzes Team von Fachleuten: Ärzte, Psychologen, Pfleger, Sozialarbeiter, Seelsorger und Physiotherapeuten arbeiten eng zusammen. Psychotherapie und andere therapeutische Möglichkeiten wie Entspannungsmethoden, künstlerische Therapien oder Sportprogramme, die ergänzend zu Gesprächen eingesetzt werden können, senken die Belastungen durch die Krankheit. Aber auch Selbsthilfegruppen und Patientennetzwerke sind hilfreiche Angebote in der psychosozialen Unterstützung: Hier finden Gespräche mit Menschen statt, die Ähnliches erleben oder erlebt haben.

Im stationären Bereich leisten psychoonkologische Dienste in Kliniken und Krankenhäusern Unterstützung. Im ambulanten Bereich finden Betroffene professionelle Ansprache etwa in Krebsberatungsstellen.

Projekt-Nr. 10-7457, 10-7433, 10-7452, 10-7480, 10-7473, 10-7494, 10-7483, 10-7448, 10-7447, 10-7490, 10-7465, 10-7498, 10-7440, 107463.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Krebs-Patienten Onkologie Versorgungsstrukturen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

HIV: Spur führt ins Recycling-System der Zelle

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Mehrkernprozessoren für Mobilität und Industrie 4.0

07.12.2016 | Informationstechnologie