Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nutzen der Cholinesterase-Hemmer bei Alzheimer-Demenz ist eindeutig bewiesen!

12.04.2007
Kompetenznetz Demenzen appelliert an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Therapiesicherheit für Patienten und Ärzte weiterhin zu gewährleisten.

Der gestern vorgelegte Abschlussbericht über die "Wirksamkeit von Cholinesterasehemmern (ChE-Hemmer) bei Alzheimer Demenz" des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus Köln spricht eindeutig von einem therapeutischen Nutzen der untersuchten Wirkstoffe für die betroffenen Patienten. IQWiG bejaht sowohl den Nutzen im Bezug auf die kognitive Leistungsfähigkeit als auch auf Alltagsaktivitäten und klinischem Gesamteindruck.

"Damit bestätigt das Institut endlich, was ja schon länger durch nationale und internationale Zulassungsbehörden eindeutig belegt wurde und auch unserer klinischen Erfahrung entspricht", erklärt Prof. Dr. Wolfgang Maier, Sprecher des Kompetenznetzes Demenzen und Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn. Analog zu allen nationalen wie internationalen Leitlinien sind und bleiben die ChE-Hemmer damit das Mittel der 1. Wahl zur Behandlung der leichten bis mittleren Alzheimer-Demenz.

Das Kernsymptom der Demenz ist der Verlust der kognitiven Fähigkeiten. Die Bestätigung von IQWiG, dass unter der Gabe von ChE-Hemmern im Vergleich zu Placebo eine Verbesserung von drei Punkten auf der ADAS-cog Skale erreicht werden kann, ist ein klarer Beweis für den Nutzen dieser Medikamente. ADAS-cog (Alzheimer's Disease Assessment Scale -cognitive subscale) ist eine Skala zur Beurteilung von Demenzsymptomen, die von 0 (gesund) bis 70 (schwere Demenz) reicht. Gemessen werden die Leistungen in den Bereichen Gedächtnis, Orientierung, Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen, Sprache und praktische Fähigkeiten. Studienpatienten haben meist einen Wert zwischen 15 und 20 Punkten. Eine Abnahme von drei Punkten bedeutet somit eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten von bis zu 20 Prozent.

Das Fazit von IQWiG, dass der Stellenwert der ChE-Hemmer gegenüber anderen medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungsoptionen mangels Daten unklar sei, teilt das KN Demenzen nicht. Zwar werden zurzeit intensiv andere Substanzgruppen geprüft, die die Krankheitsprogression erkennbar verzögern oder die Krankheit stoppen sollen, "noch aber sind die Antidementiva die einzigen zugelassenen Behandlungsoptionen, die uns zur Verfügung stehen", verdeutlicht Maier. Das Antidementivum mit dem Wirkstoff Memantine ist nur für die Behandlung der moderaten bis schweren AD zugelassen und steht Patienten im Frühstadium der Krankheit daher nicht zur Verfügung. Nicht-medikamentöse Therapien wie Verhaltens, Ergo,- oder Erhaltungstherapie sind selbstverständlich Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes, können aber nicht isoliert betrachtet werden, sondern erbringen ihren zweifelsfrei großen Nutzen nur in Kombination mit einer medikamentösen Therapie. Im Übrigen werden sie meist von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt.

Gleichwohl teilt das KN Demenzen die Ansicht des IQWiG, dass Langzeitstudien mit einer großen Anzahl von beobachteten Patienten nötig sind, um Langzeitwirkungen aufzuklären. Es muss zudem noch geklärt werden, ob die günstige Wirkung dieser Substanzen bisher unterschätzt wurde: Alle bisherigen Medikamentenstudien unterlassen es nämlich, das Gedächtnis und die Alltagsaktivitäten der Patienten zusätzlich mit psychologischen Mitteln zu stimulieren; dies ist aber möglicherweise die Voraussetzung, um den Nutzen zu maximieren. Hier ist die Bundesregierung gefragt, entsprechende Mittel für solche Studien zur Verfügung zu stellen.

Als äußerst bedauerlich betrachtet das KN Demenzen, dass die Erfahrungen der pflegenden Angehörigen nur am Rande in den IQWiG-Bericht eingeflossen sind. Die Alzheimer-Krankheit ist auch eine Krankheit der Angehörigen. Wenn, wie z.B. unter der Gabe von Galantamin oder auch Memantine, der tägliche Betreuungsaufwand um bis zu eine Stunde gesenkt werden kann, bedeutet dies nicht nur, dass der Erkrankte wieder selbständiger leben konnte, sondern auch eine immense Erleichterung für seinen Betreuer. Dies wiederum führt zur Steigerung der Lebensqualität von beiden und erlaubt somit auch oft den längeren Verbleib im vertrauten sozialen Umfeld.

Daher appelliert das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Kompetenznetz Demenzen eindringlich an den Gemeinsamen Bundesausschuss, der die von den gesetzlichen Krankenkassen zu erstattenden Medikament festlegt, die ChE-Hemmer auch weiterhin im Leistungskatalog zu belassen. Sie zu streichen würde bedeuten, Kassenpatienten die einzige Therapieoption vorzuenthalten, die es derzeit gibt.

Solange es noch keine kausale Therapie der Alzheimer-Demenz gibt, die die Krankheit heilt, muss jedem Patienten die Möglichkeit zur medikamentösen Therapie mit Cholinesterasehmmern gegeben sein.

Das Kompetenznetz Demenzen wird den Bericht jetzt einer eingehenden wissenschaftlichen Überprüfung unterziehen und seine Ergebnisse in Kürze auf http://www.kompetenzetz-demenzen.de publizieren.

Weitere Informationen:
Kompetenznetz Demenzen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ulrike Jansen M.A.
Tel.: 0621 / 84 588 94
E-Mail: ulrike.jansen@zi-mannheim.de
Hintergrund: Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze (TMF)
In der TMF haben sich Netzwerke und vernetzt arbeitende Einrichtungen der medizinischen Forschung zusammengeschlossen, um gemeinsame Strategien und Lösungen zu übergreifenden Fragestellungen der vernetzten medizinischen Forschung - besonders im Bereich der Telematik - zu entwickeln. Ihr gehören unter anderem die Kompetenznetze in der Medizin, die Koordinierungszentren für Klinische Studien, verschiedene Netzwerke für Seltene Erkrankungen, das Nationale Genomforschungsnetz und weitere Forschungsinstitutionen an. Die TMF nutzt die thematische und fachliche Vielfalt in den Verbünden, um eine breite inhaltliche Abstimmung ihrer Ergebnisse in der medizinischen und medizininformatisch-biometrischen Fachwelt zu erreichen.

Antje Schütt | idw
Weitere Informationen:
http://www.tmf-ev.de
http://www.kompetenzetz-demenzen.de

Weitere Berichte zu: Alzheimer-Demenz ChE-Hemmer Demenz IQWiG Kompetenznetz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik