Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

West-Nil-Virus-Erkrankungen durch Klimawandel?

05.04.2007
Gemeinsame Pressemitteilung des Bernhard-Nocht-Instituts, des Paul-Ehrlich-Instituts und des Robert Koch-Instituts

Die in seltenen Fällen tödlich verlaufende West-Nil-Virus-Infektion wird im Zusammenhang mit dem Klimawandel als mögliche neue Infektionskrankheit diskutiert. Das Virus war in der Vergangenheit vereinzelt in Südeuropa aufgetreten und hat sich in den USA seit 1999 rasant verbreitet.

Wissenschaftler befürchteten daher, dass der Erreger unerkannt bereits auch Deutschland erreicht haben könnte. Infektionen wären durch Stiche von Mücken denkbar, die Kontakt zu in­fizierten Zugvögeln hatten. Bernhard-Nocht-Institut (BNI), Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und Robert Koch-Institut (RKI) haben in einer umfangreichen Studie das Vor­­kommen des West-Nil-Virus in Deutschland untersucht. Die Ergebnisse des kürzlich beende­ten Forschungsprojektes zeigen, dass derzeit kein Infektionsrisiko besteht. "Angesichts des Klimawandels brauchen wir aber mehr solcher Studien, viele Fragen kann die Forschung noch nicht beantworten", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Bei einer West-Nil-Virus-Infektion entwickelt jeder fünfte Infizierte eine fieberhafte, grippe­ähnliche Erkrankung, das West-Nil-Fieber. Bei jeder 150. infizierten Person kommt es zu ei­nem schweren Verlauf, etwa zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, die in seltenen Fällen (vor allem bei älteren Patienten) tödlich endet. Aus Europa wurden bislang ein Krank­heitsausbruch aus Rumänien (1996) und einzelne Fälle aus Südeuropa be­richtet. In Deutschland gab es bislang einige wenige aus dem Ausland eingeschleppte In­fektionen. Auf dem natürlichen Übertragungsweg gelangt das Virus über Stechmücken in Vögel. Es können aber auch andere Wirbeltiere wie Pferde und Menschen infiziert werden.

Im Rahmen der Studie untersuchte das RKI in den vergangenen drei Jahren Blutproben von mehr als 3.000 Vögeln, knapp 200 Pferden und von mehr als 100 Menschen mit neurologischen Symptomen wie Enzephalitis. Das PEI analysierte die Blutproben von knapp 15.000 Blutspendern; das BNI entwickelte einen genaueren Erregernachweis.

Die RKI-Wissenschaftler fanden in Abhängigkeit von der untersuchten Vogelart in zwei bis 20 % der Fälle spezifische Antikörper, "Fußspuren" des Virus im Immunsystem. Da es sich vorwiegend um Zugvögel aus Afrika handelte, ist eine Infektion der Tiere im Ursprungs­land des Erregers oder auf dem Zugweg anzunehmen. Bei keinem der Vögel wurde das Virus selbst nachgewiesen. Negativ war die Suche nach Viruserbgut auch bei Pferden mit neurologischen Symptomen und bei Patienten mit Gehirnentzündung oder Hirnhautentzündung unklarer Ursache.

Das PEI fand unter etwa 15.000 untersuchten Personen lediglich in vier Fällen Antikörper, die auf eine frühere Infektion hinwiesen. Ob diese Personen im In- oder Ausland infiziert wurden, war nicht mehr zu klären. Bei der Untersuchung von weiteren 10.000 Blutspendern auf frische Infektionen (durch den Nachweis des Virus selbst) konnte im Sommer 2005 ausgeschlossen werden, dass das Virus in Deutschland zirkulierte. "Die Sicherheit von Blutspenden bleibt sehr hoch. Sie wurde bisher nicht durch West-Nil-Virus gefährdet", betont Johannes Löwer, Präsident des PEI.

Das BNI in Hamburg unterstützte die Arbeiten durch die Entwicklung eines schnellen, einfach durchführbaren und spezifischen Tests zum Nachweis von Antikörpern gegen das Virus. "Bisherige Verfahren waren zu aufwändig oder zu ungenau. Daher könnte der neue Test bei einer regelmäßigen Surveillance oder für eine erste Untersuchung bei Verdachtsfällen von großem Nutzen sein", so BNI-Direktor Bernhard Fleischer.

Informationen zum West-Nil-Virus unter http://www.rki.de > Infektionskrankheiten A-Z > West-Nil-Virus

Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
Pressestelle
Susanne Glasmacher
(Pressesprecherin)
Günther Dettweiler
(stellv. Pressesprecher)
Claudia Eitner
Heidi Wothe
Kontakt
Tel.: 030.18754-2239, -2562 und -2286
Fax: 030.18754 2265
E-Mail: presse@rki.de

Susanne Glasmacher | alfa
Weitere Informationen:
http://www.rki.de

Weitere Berichte zu: BNI Infektion Klimawandel Virus West-Nil-Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie