Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hoffnung für Bypass-Patienten: DBU-Projekt will "künstliches Gewebe" umweltentlastend herstellen

26.02.2002



Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle entwickelt hochreines Biopolymer als Basis für Operationsmaterial - 640.000 Euro Förderung

... mehr zu:
»Biopolymer »Bypass-Patient »Polymer »UFZ

Bisher kennt man sie nur als kompostierbaren, aber teuren Ersatz herkömmlicher Kunststoffe. Doch das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) in Leipzig (Sachsen) will spezielle, von Bakterien erzeugte, umweltfreundliche Kunststoffe (Polymere) für den menschlichen Körper bald erstmalig auch als Implantat und Nahtmaterial nutzbar machen. "Die hervorragenden medizinischen Eigenschaften wurden bisher kaum berücksichtigt. Dabei haben Untersuchungen gezeigt, dass Biopolymere für den Menschen gut verträglich sind", erläuterte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück. Da diese Polymere mindestens siebenmal so teuer seien wie herkömmliche Kunststoffe, hätten sie sich bisher nicht durchsetzen können. In der Medizin spielten die Kosten jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Zudem belaste das Herstellungsverfahren des UFZ die Umwelt weit weniger: So werde der Lösungsmittelverbrauch um 85 Prozent gesenkt, bei gleichzeitiger Steigerung der Produktreinheit. Die DBU fördert das Vorhaben mit 640.000 Euro.

Schnellere Gesundung bei Bypass-Patienten



Diese neuen Polymerwerkstoffe versprächen durch ihre besonders hohe Reinheit und ihre für den Menschen sehr gut verträgliche Struktur vor allem bei Bypass-Operationen schnelle Erfolge. Bypass-Patienten leiden unter einer krankhaften Verengung der Herzkranzgefäße, die auf Dauer das Herz schädigt. Um die Blutversorgung des Herzens wieder herzustellen, legt man mithilfe entnommener Bein- oder Bauchvenen eine "Umleitung" um den Engpass. Etwa 70.000 Operationen dieser Art würden jährlich in Deutschland durchgeführt. Für diese Patienten, die nach dem Eingriff zunächst erheblich geschwächt seien, könne der Einsatz der neuen Materialien den Gesundungsprozess beschleunigen: "Aus hochreinen Polymeren hergestellte sogenannte Coronar Stents könnten wie eine stabilisierende Hülle um die Nahtstellen gelegt werden und damit die Wunde schützen", erläuterte Brickwedde. Der menschliche Körper baue diese nach und nach ohne Nebenwirkungen ab.

Hautaufwuchssysteme für Transplantationen denkbar

Bisherige Ersatzstoffe aus anderen Materialien hätten sich gerade bei diesem Abbauprozess als schwer verträglich herausgestellt, da z.B. entstehende Milchsäure die Heilung verzögert habe. Beim Abbau dieses speziellen Biopolymers hingegen entstehe die für den Menschen ohne Probleme verträgliche Buttersäure. Doch nicht nur Bypass-Patienten könnten durch das Projekt der UFZ auf beschleunigte Heilung hoffen: "Bestehen die Polymere den Praxistest erfolgreich, ist eine Anwendung für alle Weichgewebe denkbar", sagte Brickwedde. So seien auch sogenannte "Hautaufwuchssysteme" für Diabetiker und Verbrennungsopfer geplant. 2,5 Millionen Diabetiker in Deutschland litten unter schmerzhaften Geschwüren ("offene Beine"), in Europa müssten sich jährlich 60.000 von ihnen sogar einer Amputation unterziehen. Für sie könnten die hochwertigen Polymerwerkstoffe eine Chance zur Heilung bedeuten.

Erhebliche Einsparung von Lösungsmitteln

Bisher habe man die notwendige Stoffreinheit nur durch ein aufwändiges Verfahren erreicht, bei dem für die Herstellung von einem Kilogramm Werkstoff etwa 850 Liter Lösungsmittel verbraucht worden seien. Um eine höhere Reinheit und geringere Umweltbelastung zu erreichen, setze das UFZ spezielle, patentierte Bakterien ein. Ein ebenfalls bereits patentiertes Verfahren erlaube es, den Lösungsmittelverbrauch auf 120 Liter pro Kilogramm zu senken ? bei gleichzeitiger Steigerung der Ausbeute um 300 Prozent. Den gewonnenen Werkstoff (eingetragener Markenname METHANOMER) wolle das UFZ nun zu einem Produkt für medizinische Anwendungen verbessern. Dabei solle er so weit veredelt werden, dass er sich als flexibler biomedizinischer Werkstoff für eine breite Anwendungspalette bei Implantaten eigne.

Katja Diehl | Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Weitere Berichte zu: Biopolymer Bypass-Patient Polymer UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie