Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher weisen Hirnregeneration bei Alkoholschäden nach

18.12.2006
Abstinenz bewirkt Zunahme von Hirnsubstanz und Leistungsfähigkeit

Wenn Alkoholkranke mit dem Trinken aufhören, kann sich ihr Gehirn teilweise regenerieren. Alkoholbedingte Schäden bilden sich wahrscheinlich umso besser zurück, je früher die Betroffenen abstinent bleiben. Das berichten Forscher von den Universitäten Würzburg, Basel, Oxford und Siena in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Brain". Ihr Artikel wurde heute online veröffentlicht.

Die Wissenschaftler begleiteten 15 alkoholabhängige Patienten - zehn Männer und fünf Frauen - auf ihrem Weg in die Abstinenz. Mit der Magnetresonanz- (MR-) und neuesten Techniken der Datenanalyse untersuchten sie Volumen, Stoffwechselprodukte und Funktion des Gehirns zu Beginn und dann wieder nach circa sechs Wochen der Alkoholabstinenz.

Durch die Abstinenz gewann das Gehirn im Durchschnitt knapp zwei Prozent an Volumen. Außerdem traten die Stoffwechselprodukte Cholin und N-Acetylaspartat (NAA) nun in deutlich höheren Konzentrationen auf, was auf eine Regeneration der weißen Gehirnsubstanz und auch der Nervenzellen selbst hindeutet. Ebenso verbesserten sich Konzentrations- und Aufmerksamkeit der Patienten.

Die Kapazität des Gehirns, sich von alkoholbedingten Schäden zu erholen, scheint allerdings mit längerer Erkrankungsdauer abzunehmen: So konnte der Schrumpfungsprozess des Gehirns bei dem Patienten, der über 25 Jahre und damit am längsten abhängig gewesen war, nicht gestoppt werden. Das betrachten die Forscher als Hinweis darauf, dass eine Regeneration des Gehirns nach längerem Alkoholmissbrauch unwahrscheinlicher wird. "Diese Ergebnisse sollten Alkoholabhängige zusätzlich motivieren", sagt Dr. Andreas Bartsch, der Leiter der Untersuchung. Seine Botschaft an die Suchtkranken: "Es lohnt sich, möglichst früh mit dem Trinken aufzuhören."

Dass sich das menschliche Gehirn bei Abstinenz von alkoholbedingten Schäden zum Teil regenerieren kann, wurde bereits mehrfach vermutet. Erstmals belegen jedoch die Wissenschaftler, dass Erhöhungen der Cholin-Konzentration um durchschnittlich 10 bis 20 Prozent die treibende Kraft für messbare Volumenzunahmen des Gehirns sind, währenddessen der Anstieg des NAA als Stoffwechselprodukt der Nervenzellen um durchschnittlich 10 Prozent in direktem Zusammenhang mit der verbesserten Konzentrationsfähigkeit der Patienten stand. Neu ist auch die Bestätigung, dass die Zunahme des Hirnvolumens durch Abstinenz offenbar nicht allein durch einen ausgeglicheneren Flüssigkeitshaushalt erklärt werden kann.

Andreas Bartsch leitet in der Abteilung für Neuroradiologie von Professor Laszlo Solymosi an der Universitätsklinik Würzburg den Bereich für strukturelle und funktionelle MR-Bildgebung. Die neuen Ergebnisse erzielte er zusammen mit Dr. Martin Bendszus, der eine Schering-Stiftungsprofessur für Neuroimaging innehat und die Studie initiierte, dem Biologen Georg Homola und der Klinik für Psychiatrie. Daneben wurde eng mit Spezialisten aus Siena und Oxford kooperiert.

"Manifestations of early brain recovery associated with abstinence from alcholism"; Bartsch AJ, Homola G, Biller A, Smith SM, Weijers HG, Wiesbeck GA, Jenkinson M, De Stefano N, Solymosi L, Bendszus M; Brain (2007), 130, Seiten 36-47, online publiziert am 18. Dezember 2006

Hinweis für Redaktionen und Journalisten: Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Andreas Bartsch, T (0931) 201-34791 (Sekretariat), E-Mail: bartsch@neuroradiologie.uni-wuerzburg.de

Eine pdf-Datei mit der Originalpublikation koennen Sie bei der Pressestelle der Uni Wuerzburg bekommen, presse@zv.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Abstinenz Oxford Regeneration Stoffwechselprodukt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics