Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vielversprechende Ergebnisse für die Therapie von Hirnblutungen

15.11.2006
Aktuelle Forschungsresultate auf dem Symposium des Kompetenznetz Schlaganfall

Etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle werden durch Blutungen im Gehirn verursacht. Hirnblutungen sind die tödlichste Form eines Schlaganfalls und führen zu den schwerwiegendsten Behinderungen: Etwa die Hälfte der Patienten verstirbt innerhalb des ersten Jahres, nur 20 Prozent der überlebenden Patienten tragen keine schwere Behinderung davon.

"Bislang steht für diese Variante des Schlaganfalls keine akute Therapie zur Verfügung", so Professor Dr. Thorsten Steiner von der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. Der für Europa zuständige Koordinator einer internationalen Phase-III-Studie mit einem gerinnungsfördernden Medikament wird am 24. und 25. November im Rahmen des Internationalen Symposiums und der Fortbildungsakademie des Kompetenznetz Schlaganfall in Berlin über die Studienergebnisse berichten. Wie die bisherigen Resultate zeigen, lassen sich durch die Behandlung mit dem gentechnisch hergestellten Gerinnungsfaktor VIIa deutliche Verbesserungen in der Therapie von Hirnblutungen (sogenannten spontanen intracerebralen Blutungen) erzielen.

Besonders problematisch ist, dass etwa 30 Prozent aller Patienten mit spontanen intracerebralen Blutungen innerhalb von vier Stunden Nachblutungen erleiden. "Diese Zunahme der Blutung führt zu einer signifikanten Verschlechterung der Gesamtprognose", so Steiner. Daher sollte eine frühe Behandlung auf eine Minderung der Nachblutungen abzielen, um die klinischen Behandlungsergebnisse zu verbessern.

Eine Studie, an der insgesamt 399 Patienten aus 73 Zentren in 20 Ländern teilnahmen, zeigte: Die Behandlung von Patienten mit schweren Hirnblutungen mit dem gerinnungsfördernden Wirkstoff innerhalb von 4 Stunden nach Symptombeginn reduzierte nicht nur signifikant das Ausmaß der Nachblutung, sondern auch die Zahl der Patienten, die nach einer Hirnblutung starben. "Ebenso war das klinisch-funktionelle Ergebnis nach drei Monaten im Vergleich mit Placebo behandelten Patienten besser", berichtet Steiner. Die Therapie mit dem Gerinnungsfaktor VIIa führte zwar nicht zu einer erhöhten Rate an schwerwiegenden Nebenwirkungen, wenn alle Dosisgruppen (40, 80 und 160 µg/kg) zusammengefasst wurden. Aber bei der höchsten Dosis traten signifikant häufiger (5 Prozent) Gefäßverschlüsse auf, die ihrerseits zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führten. Diese Nebenwirkungen hoben jedoch nicht die Wirkung auf (1).

Bei etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten mit schweren Hirnblutungen dehnt sich die Blutung auf den Liquorraum des Gehirns (intraventrikuläre Hämorrhagie, IVH) aus, wodurch sich die Prognose weiter verschlechtert. Eine weitere kürzlich veröffentlichte Analyse der Studie über den Gerinnungsfaktor VIIa konnte zeigen, dass die Behandlung mit dem gerinnungsfördernden Wirkstoff auch zu einer Reduktion der IVH führt. Auch dies führte zu verbesserten klinischen Ergebnissen, allerdings waren die Resultate nicht signifikant (2).

Das eingesetzte Medikament ist eine gentechnisch hergestellte Variante des Gerinnungsfaktors VIIa. Es wird seit Jahren unter dem Namen "Novo-Seven" bei Patienten mit der vererbten Bluterkrankheit zur Blutstillung eingesetzt. Es wird angenommen, dass der rekombinante Gerinnungsfaktor VII durch seinen biologischen Mechanismus nur am Ort der Blutung aktiviert wird.

Kompetenznetz Schlaganfall (KNS)

Durch die Gründung des KNS im Jahr 1999 sind bundesweit Ärzte, klinische Wissenschaftler, Grundlagenforscher sowie Selbsthilfeverbände und andere Organisationen zum Thema Schlaganfall näher zusammengerückt, um Defizite in der Forschung und Versorgung zu beheben. Ideen, Erkenntnisse und Entdeckungen der Grundlagen- und klinischen Forschung gehen so zeitnah in die Behandlung von Schlaganfallpatienten ein. Gefördert wird das KNS vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Das Programm des Symposiums des Kompetenznetz Schlaganfall sowie weitere Informationen sind unter http://www.kompetenznetz-schlaganfall.de/symposium2006 zu finden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thorsten Steiner
Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg
Tel.: 06221-5639096 (Sekretariat)
Thorsten.Steiner@med.uni-heidelberg.de
Literatur:
1. Mayer S, Brun N, Broderick J, Davis S, Diringer M, Skolnick B, Steiner T, for the Europe / Australasia NovoSeven ICH Trial Investigators. Recombinant activated factor VII for acute intracerebral hemorrhage. N Engl J Med. 2005; 352: 777-785.

2. Steiner T, Schneider D, Mayer S, Begtrup K, Broderick J, Diringer M, Skolnick B, Davis S. Dynamics of Intraventricular Hemorrhage in Patients with Spontaneous Intracerebral Hemorrhage: Risk Factors, Clinical Impact, and Effect of Hemostatic Therapy with Recombinant Activated Factor VII. Neurosurgery. 2006; 59: 767-774.

Pressestelle:
Liane Clevert
Tel.: 030 - 450 560 145 / 142
Fax: 030 - 450 560 952
liane.clevert@charite.de

Liane Clevert | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-schlaganfall.de
http://www.kompetenznetze-medizin.de

Weitere Berichte zu: Gerinnungsfaktor Hirnblutung KNS Nachblutung VII VIIa

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie