Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Operationseinheit für schwierige Eingriffe am Kopf

22.01.2002


An den deutschen Universitätskliniken einmalig ist eine integrierte Operationseinheit, die heute in der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) eingeweiht wurde. Es handelt sich um eine apparative Entwicklung, die hochspezialisierte "stereotaktische" und offene Operationen am Gehirn unter kernspintomographischer und computertomographischer Kontrolle ermöglicht. Für die räumliche Integration eines neurochirurgischen Operationssaales in die Neuroradiologie und die Einbindung neuroradiologischer High-Tech-Geräte in diesen neurochirurgischen Operationssaal wurden insgesamt 1,45 Millionen Euro investiert.

Bei stereotaktischen Operationen wird eine kleine Sonde durch ein Bohrloch punktgenau in bestimmte Strukturen des Gehirns eines Patienten geführt (Neuronavigation). Dazu wird ein geschlossener oder offener Ring (Stereotaxiegerät) auf dem Schädel befestigt, der alle Raumkoordinaten während einer Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (auch Magnet-Resonanz-Tomographie, MRT) genau definiert. Die neue Operationseinheit hat unter anderem den Vorteil, dass der Stereotaxiering - am Kopf des Patienten einmal fest fixiert - einheitliche deckungsgleiche Koordinaten sowohl für die CT/MRT-Planung als auch die OP-Ausführung unter CT-Kontrolle liefert.

Um dies erreichen zu können, waren folgende Voraussetzungen nötig:

  • Ein spezieller, von der Neuroradiologischen Abteilung betriebener Computertomograph (CT) im OP 4 der Klinik für Neurochirurgie, dessen Aufnahmeeinheit um einen fest installierten OP-Tisch bewegt wird, ermöglicht die präzise neuroradiologische Diagnostik und die genaue Instrumentenortung während des neurochirurgischen Eingriffs (Neuronavigation), ohne den Patienten zu bewegen. Bei den üblicherweise eingesetzten Geräten steht kein fixierter OP-Tisch zur Verfügung und deshalb musste bisher der Patient auf einem CT-Untersuchungstisch umgelagert und zur Untersuchung hin und her bewegt werden.
  • Außerdem wurde ein bereits vorhandener Magnet-Resonanz-Tomograph (MRT) in der nur wenige Meter entfernten Abteilung für Neuroradiologie der Klinik für Radiologie aufgerüstet: Die Messgenauigkeit wurde erhöht, die Untersuchungszeit verkürzt. Die Lagerung des Patienten im Stereotaxiering wurde ermöglicht. Dadurch wird vermieden, dass sich das Bezugssystem bei der anschließenden Untersuchung mit dem CT ändert.
  • Durch diese Voraussetzungen ist es nun möglich, die Bildinformationen von CT und MRT getrennt zu gewinnen und die digitalen Bilddaten so miteinander zu verrechnen ("Image Fusion"), dass die jeweiligen Vorzüge dieser bildgebenden Systeme miteinander verbunden und optimal für die Operation genutzt werden. Die Verknüpfung erfolgt über eine neu entwickelte Software. Mit dieser Methode lässt sich der Punktionsort äußerst präzise reproduzieren.

Die neue Einheit wird zum Beispiel bei besonders schwierigen Gewebeentnahmen aus dem Gehirn, bei Operationen von besonders problematischen und sehr kleinen Tumoren in der Nähe der Schädelbasis und bei der Einbringung von Stimulationselektroden bei Morbus Parkinson und anderen Bewegungsstörungen (MS-Tremor, Dystonie) zum Einsatz kommen. Zur Etablierung eines interdisziplinären Neurozentrums am UKE ist darüber hinaus der weitere Ausbau der Einheit geplant.

Bei Operationen am offenen Gehirn können die Möglichkeiten der intraoperativen Computertomographie am nicht bewegten Patienten auch genutzt werden. Dieses System entwickelt die Neuronavigation weiter, da bei der Operation auftretende Verschiebungen von gefährdeten Hirnstrukturen nun direkt dargestellt werden können. Vorteile werden sich insbesondere bei Operationen in der Nähe der knöchernen Schädelbasis oder bei kombinierten neurochirurgischen Eingriffen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich ergeben. Insgesamt dient die direkte Überprüfung des intraoperativen Zwischen- und Endergebnisses dazu, die Radikalität der Resektion zu erhöhen und dabei die Sicherheit für den Patienten zu erhöhen. Mit diesen Möglichkeiten wird Neuland auf dem Gebiet der intraoperativen Neuronavigation betreten.

Von den Möglichkeiten der neuen Einheit erhofft man sich deshalb auch Fortschritte in der Forschung auf dem Gebiet der Operationstechnik. Auf Empfehlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat daher der Wissenschaftsrat dem Antrag auf Förderung nach dem Hochschulbauförderungsgesetz zugestimmt: Der Bund übernimmt mit 625 000 Euro nahezu die Hälfte der Kosten.

Dr. Behrend Behrends, Kaufmännischer Direktor des UKE, übergab den neu eingerichteten OP 4 für Chirurgie dem kommissarischen Direktor der Kernklinik für Neurochirurgie, Prof. Dr. Manfred Westphal, dem Geschäftsführenden Direktor der Klinik für Neurochirurgie, Prof. Dr. Dieter Müller, sowie dem Direktor der Neuroradiologischen Abteilung der Klinik für Radiologie, Prof. Dr. Hermann Zeumer.

Dr. Behrend Behrends, Kaufmännischer Direktor
Prof. Dr. Manfred Westphal, Neurochirurgie,
Prof. Dr. Dieter Müller, Neurochirurgie,
Prof. Dr. Hermann Zeumer, Neuroradiologie

Beteiligte Firmen:

  • Siemens
  • Maquet (OP-Tisch)
  • Brainlab (Software)

Dr. Marion Schafft | idw

Weitere Berichte zu: MRT Neurochirurgie Neuronavigation Neuroradiologie UKE

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise