Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Depression: Hirnscan sagt voraus, ob Therapie anschlägt

28.09.2006
Depressionen lassen sich in der Regel zwar sehr gut behandeln. Dazu steht Ärzten inzwischen ein ganzes Arsenal von Medikamenten und Therapien zur Verfügung. Doch was davon in einem konkreten Fall hilft, bleibt dem Prinzip "Versuch und Irrtum" überlassen. Bislang zumindest.

Denn mit einem Hirnscan lässt sich voraussagen, ob bestimmte Präparate anschlagen werden oder nicht. Das haben Mediziner der Universität Bonn in einer umfassenden Studie herausgefunden. Die Ergebnisse sind gerade im "Journal of Nuclear Medicine" erschienen (Band 47, Ausgabe 8, S. 1319-1325).

65 depressive Patienten nahmen an der Studie teil. Sie alle wurden für vier Wochen mit dem Medikament Citalopram behandelt. Das Mittel erhöht die Konzentration des so genannten Serotonins im Gehirn. Serotonin ist ein Botenstoff, der positiv auf die Stimmung zu wirken scheint. Er wird daher auch als "Glückshormon" bezeichnet.

Dennoch half Citalopram nicht allen Patienten: Nur bei 35 von ihnen hellte sich die Stimmung deutlich auf. "Wir haben bei allen Teilnehmern zuvor die Hirndurchblutung untersucht", sagt der Bonner Nuklearmediziner Professor Dr. Hans-Jürgen Biersack. "Und das sowohl vor Beginn der Behandlung als auch während der Therapie." Dabei machten Biersacks Mitarbeiter Dr. Alexius Joe sowie die Privatdozentin Dr. Astrid Zobel aus der Psychiatrie eine interessante Entdeckung: Bei den Patienten, die auf Citalopram ansprachen, war schon vor Beginn der Behandlung eine bestimmte Hirnregion besonders gut durchblutet gewesen - das so genannte Cingulum. Während der Behandlung sank die Durchblutung in diesem Bereich ab.

... mehr zu:
»Citalopram »Depression »Hirnscan

Depression ist nicht gleich Depression

Ganz anders dagegen die Situation bei den 30 Teilnehmern, denen das Antidepressivum nicht half: Bei ihnen war das Cingulum anfangs geringer durchblutet. Im Laufe der vierwöchigen Behandlung stieg bei ihnen die Blutversorgung in dieser Region jedoch an. "Es gibt unterschiedliche Typen von Depression, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen", deutet Biersack die Ergebnisse. "Die Hirnscans scheinen uns bereits im Vorfeld Hinweise geben zu können, welche Medikamente oder Therapien im konkreten Fall helfen könnten."

Schon seit vielen Jahren kooperiert der Direktor der Bonner Nuklearmedizin mit der Klinik für Psychiatrie unter Leitung von Professor Dr. Wolfgang Maier. Das gemeinsame Ziel: Herauszufinden, welche Gebiete im Gehirn bei der Entwicklung einer Depression eine Rolle spielen. Das Cingulum scheint eines dieser Zentren zu sein. Normalerweise spielt es wohl bei der Erinnerung eine Rolle, aber auch bei der Entstehung von Angst. Vielleicht erklärt das auch, warum depressive Patienten oft übermäßig ängstlich sind.

Inzwischen haben die Mediziner ein weiteres Ziel im Visier: Sie wollen herausfinden, ob es für den unterschiedlichen Therapieerfolg eine genetische Ursache gibt. "Wir vermuten, dass bei den meisten Depressiven die Andockstellen für das 'Glückshormon' Serotonin verändert sind", erläutert Professor Biersack. "Diese Serotonin-Rezeptoren können aber auf unterschiedliche Weise mutieren. Und das erklärt vielleicht, warum die Betroffenen auf Medikamente wie Citalopram so unterschiedlich reagieren."

Kontakt:
Professor Dr. Hans-Jürgen Biersack
Direktor der Klinik für Nuklearmedizin
Telefon: 0228/287-15180
E-Mail: hans-juergen.biersack@ukb.uni-bonn.de
Privatdozentin Dr. Astrid Zobel
Klinik für Psychiatrie des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-15717
E-Mail: Astrid.Zobel@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Citalopram Depression Hirnscan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise