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Ohne Forschung kein Fortschritt

09.04.2001


Heidelberg (so) - Vom 4. bis 6. April 2001 trafen sich in Heidelberganlässlich des Kongresses der "Abteilung ExperimentelleKrebsforschung (AEK)" renommierte Krebsforscher aus dem In- undAusland. Zahlreiche Ergebnisse aus verschiedenen onkologischenFachbereichen wurden vorgestellt: Das Spektrum reichte von neuenErkenntnissen über die Krebsentstehung, über innovative diagnostischeVerfahren bis hin zu neuartigen Behandlungsansätzen in der Tumortherapie.Die Deutsche Krebshilfe und ihre Tochterorganisation, die Dr. MildredScheel Stiftung für Krebsforschung, finanzieren viele der vorgestelltennationalen Forschungsprojekte.

Die Überlebenschancen krebskranker Menschen haben sich in den letzten 25 Jahren deutlich verbessert. Manche Krebsarten sind heute längst kein Todesurteil mehr: Die Forschung hat erreicht, dass jeder zweite Tumorpatient geheilt werden kann. Allerdings stoßen die Standardtherapien der Krebsbehandlung - Operation, Bestrahlung und Chemotherapie - oft an die Grenzen des Machbaren. Auf dem elften AEK-Kongress in Heidelberg präsentierten Experten Strategien, wie Strahlen- und Chemotherapie optimiert und begleitende Nebenwirkungen minimiert werden können. Die AEK (Abteilung für Experimentelle Krebsforschung) ist eine wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft.

Ein weiteres Schwerpunktthema war der programmierte Zelltod (Apoptose): Zellen, die sich unkontrolliert teilen und zu Tumoren heranwachsen, werden durch ein kompliziertes System von Signalen und Botenstoffen in den Selbstmord getrieben. Bei manchen Krebszellen ist dies anders - sie sind unempfindlich gegenüber den Selbstmord-Signalen. Einer der Pioniere auf dem Gebiet der Apoptose-Forschung ist Professor Dr. Peter Krammer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Er stellte auf dem Heidelberger Kongress neueste Ergebnisse zum molekularen Mechanismus des "Anti-Krebs-Programmes" vor. Die Dr. Mildred Scheel Stiftung unterstützt diese Forschungsrichtung: Sie fördert innerhalb des Schwerpunktprogramms "Apoptose" seit 1999 insgesamt 17 deutsche Forschergruppen mit über zehn Millionen Mark. Mit gentherapeutischen Methoden wollen die Mediziner die Apoptose in bösartigen Zellen wieder anschalten. Sie schleusen "Selbstmordgene" in die Tumorzellen ein, welche die Informationen für Selbstmordsignale liefern: Der Apoptose-Prozess soll in Gang gesetzt werden.

Andere gentherapeutische Strategien waren ebenfalls Thema auf der dreitägigen Tagung: In klinischen Studien ersetzen die Mediziner defekte Gene, die im Zusammenhang mit der Krebserkrankung stehen. Sie bauen Abschnitte der Erbsubstanz in normale Körperzellen ein, so dass diese sich vor den Wirkungen einer Chemotherapie schützen können. Mit anderen eingeschleusten Genen wollen die Wissenschaftler Signalketten unterbrechen, die das unkontrollierte Wachstum der Krebszellen verursachen. Professor Dr. Christoph Huber und Professor Dr. Thomas Wölfel von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz versuchen mit Hilfe von therapeutischen Genen die körpereigene Abwehr gegen Tumoren zu mobilisieren. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt diese Arbeiten auf dem Gebiet der "aktiven Immunisierung" (Impfung). Professor Huber, Leiter der III. Medizinischen Klinik an der Universität Mainz und Mitglied des Medizinischen Beirates der Deutschen Krebshilfe, benennt allerdings auch die limitierenden Faktoren der neuen Methoden und warnt vor einer übersteigerten Erwartungshaltung: "Die drei wesentlichen Probleme sind die mangelhafte Treffergenauigkeit des Gentransfers für kranke Zellen, die noch geringe Effizienz der Gen-übertragung und die häufig ungenügende Genaktivität nach der Übertragung."

So wie die Mainzer Arbeitsgruppe versucht, verschiedene Zellen der körpereigenen Abwehr zur Krebsbekämpfung zu mobilisieren, so benutzen andere Arbeitsgruppen für ihre Tumorbehandlung bestimmte Bestandteile des Immunsystems - so genannte Antikörper -, die Krebszellen erkennen und sich an sie anheften können. An diese Antikörper koppeln sie toxische oder radioaktive Stoffe, die wiederum die bösartigen Zellen zerstören sollen. Je besser ein Antikörper ausschließlich die Tumorzellen erkennt, desto größer ist der Therapieeffekt und desto geringer sind die Nebenwirkungen. In Heidelberg wurden neue hochspezifische Antikörper vorgestellt.

Mit der antiangiogenen Therapie - ein weiteres Thema auf dem AEK-Kongress - versuchen die Mediziner den Tumoren den Saft abzudrehen. Sie wollen mit geeigneten Substanzen die Tumoren von der Nährstoff- und Sauerstoffversorgung abschneiden und damit die Krebsgeschwulst aushungern. So verabreichen die Mediziner beispielsweise bestimmte Eiweißstoffe, die ausschließlich das Wachstum des tumorversorgenden Blutgefäßsystems hemmen.

Forschungsförderung durch die Deutsche Krebshilfe
Die von Bund und Ländern für die Krebsforschung zur Verfügung gestellten Gelder werden immer knapper, während die Zahl der Wissenschaftler wie auch der Forschungsvorhaben stetig ansteigt. Folglich kommt privaten Förderorganisationen eine immer größere Bedeutung zu. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt grundsätzlich nur innovative Forschungsprojekte mit Modellcharakter. Die vor 25 Jahren gegründete Tochterorganisation der Deutschen Krebshilfe, die Dr. Mildred Scheel Stiftung für Krebsforschung, fördert wissenschaftliche Forschungsvorhaben zu den Themen Krebsentstehung, -verhütung, -verbreitung, -erkennung und -behandlung sowie klinisch orientierte, experimentell-theoretische Forschungsprojekte. Das jährliche Fördervolumen liegt bei rund 30 Millionen Mark für durchschnittlich 90 wissenschaftliche Projekte.


Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw

Weitere Berichte zu: Antikörper Chemotherapie Gen Krebsforschung Krebszelle

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