Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein bisschen mehr Zeit zum Genießen

04.09.2006
Kopfschmerzen lindern durch Entspannung, frische Luft oder das "Migräne-Thermometer"

Kopfschmerzen sind für viele Menschen ein Problem. Sofern es sich aber um reine Spannungskopfschmerzen handelt, ist die Heilung eher einfach: Ein wenig mehr Ruhe und innere Einkehr, eine halbe Stunde am Tag Entspannung reichen schon aus, um Kopfweh zu vertreiben. Belebend wirken auch frische Luft und gezielte Entspannungsübungen. Menschen mit Migräne allerdings ist damit wenig gedient.

Doch auch für sie gibt es Hilfe - und zwar nicht nur Tabletten. Mediziner und Diplom-Psychologen besinnen sich mehr und mehr auf die nichtmedikamentöse Behandlung von Kopfschmerz. Zum Beispiel durch ein gerade erst entwickeltes "Migräne-Thermometer".

Der Kopf schmerzt dumpf und drückend, die Laune ist schlecht, die Motivation am Boden: Der Spannungskopfschmerz ist unangenehm, aber im Grund harmlos. Er tritt episodisch auf, also nur ab und zu, und die Betroffenen können trotzdem ihren normalen Verrichtungen nachgehen. "Lange dachten wir, dass der Spannungskopfschmerz auch etwas mit verspannten Muskelgruppen etwa im Hals- oder Nackenbereich zu tun hat", sagt PD Dr. Peter Kropp, Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie und Kopfschmerzexperte am Uniklinikum Rostock. "Aber das stimmt nicht. Es handelt sich in den meisten Fällen um einen so genannten projizierten Schmerz, der vom Hirnstamm ausgeht."

... mehr zu:
»Migräne

Spannungskopfschmerz kann als typischer Bürokopfschmerz zum Beispiel durch schlechte Monitore mit geringer Bildfrequenz ausgelöst werden, durch schlecht eingestellte Klimaanlagen, aber auch durchs Wetter - und natürlich durch den Genuss von schlechtem Wein.

Die Heilung von dieser Form des Kopfschmerzes ist manchmal einfach: "Spannungskopfschmerzen lassen sich durch Bewegung an frischer Luft lindern, auch durch Entspannungsübungen", sagt Dr. Kropp. "Generell ist es für den Menschen gut, etwas mehr zu genießen, sich eine halbe Stunde am Tag Zeit zu nehmen und einmal nichts zu machen, nicht fernsehen, nicht am Computer sitzen, gar nichts." Menschen mit Migräne nützen derartige Tipps nur teilweise.

Joggen mit Migräne zum Beispiel lindert das Kopfweh keineswegs, und oft lassen sich die starken Schmerzen nur durch Medikamente bekämpfen. Doch auch bei der Migräne wenden Experten zunehmend nichtmedikamentöse Formen der Behandlung an. "Auch bei Migräne hilft Entspannungstraining. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass bereits das Führen eines Kopfschmerztagebuchs die Zahl der Migräneanfalle um 20 bis 30 Prozent verringert", so Dr. Kropp.

Ein gut geführtes Tagebuch lasse nämlich Rückschlüsse auf die Auslöser der Migräneanfälle zu. "Migräne tritt nicht in Stresssituationen auf, sondern beim Übergang von Stress zu Entspannung", sagt Dr. Kropp. Aus diesem Grunde sei es hilfreich, die Lebensumstände der Betroffenen zu kennen, da sich auf diese Weise Zusammenhänge zwischen Stressphasen und Entspannungssituationen erkennen lassen. In vielen Fällen helfen kognitive Verhaltenstherapien, die Verhaltensmuster der Patienten aufdecken.

Beim besseren Umgang mit Migräneanfällen soll künftig auch ein unter Mitarbeit von Dr. Kropp entwickeltes "Migräne-Thermometer" helfen. "Migräneanfälle bahnen sich schon ein bis zwei Tage vorher an. Die Betroffenen vermerken eine veränderte Wahrnehmung, sie müssen mehr gähnen und sie entwickeln eine regelrechte Aufmerksamkeitswelle", so Dr. Kropp. Derartige körperliche Erscheinungen lassen sich mit dem sensiblen Gerät erkennen.

Es kann dann etwas gegen die Migräne unternommen werden, bevor der Anfall überhaupt begonnen hat. Die Behandlung der Migräne habe aber auch einen Nutzen über den einzelnen hinaus. "An Migräne leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Das sind über acht Millionen Menschen, die regelmäßig ausfallen und Behandlung brauchen", so Dr. Kropp. "Das ist auch volkswirtschaftlich signifikant."

Kontakt
PD Dr. Peter Kropp
Institut für Medizinische Psychologie
Zentrum für Nervenheilkunde
Universitätsklinikum Rostock
Gehlsheimer Straße 20
18147 Rostock
Tel. 0381/4949530

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Migräne

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise