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Bandscheibenverschleiß trotz Gewebsaufbau

31.07.2006
Erhöhte Produktion von Proteinen kann den Schaden nicht stoppen /
Auszeichnung für Wissenschaftler der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg

Können sich Bandscheiben von den natürlichen Verschleißerscheinungen wieder erholen? Einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Verständnis dieser Schäden und ihrer Therapie haben Wissenschaftler der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg gemacht: Sie stellten fest, dass Verschleißerscheinungen in Bandscheiben von Patienten mit einer angeborenen Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) so stark beschleunigt sind, dass sie denen von 20 Jahre älteren Menschen mit normalem Verschleiß ähneln.

Für ihre Arbeit sind die Heidelberger Forscher jetzt auf dem Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Orthopädische Forschung in Bologna mit dem höchsten Preis dieser internationalen Fachgesellschaft, dem "Mario Boni Award", ausgezeichnet worden. Die Wissenschaftler arbeiten nun an der Entwicklung von Therapien, die für eine Regeneration des geschädigten Bandscheibengewebes sorgen sollen.

"Erstaunlicherweise waren nicht die typischen Moleküle, die für den Gewebsabbau verantwortlich sind, in den Bandscheiben der jungen Skoliose-Patienten vermehrt nachweisbar, sondern vielmehr Bausteine, die auf einen vermehrten Gewebsaufbau schließen lassen", erklärt Dr. Helge Bertram, Wissenschaftler in der Heidelberger Arbeitsgruppe von Professor Wiltrud Richter. Trotz der erhöhten Syntheseleistung aufbauender Moleküle entwickelt sich der Schaden jedoch fort. "Dies könnte auf veränderte Druckverhältnisse, schlechtere Ernährungsbedingungen und erhöhte mechanische Belastungen von Bandscheiben in den gekrümmten Wirbelsäulen zurückzuführen sein", so die Heidelberger Wissenschaftler.

Beim Bandscheibenverschleiß wird das innere Gewebe der Bandscheibe umgebaut und nimmt weniger Wasser auf: Die Bandscheibe kann nicht mehr als "Stossdämpfer" agieren, der Belastungen der Wirbelsäule auffängt. Sie wird weich und porös, kleine Risse treten auf, die schließlich zu Bandscheibenvorfällen führen können. Das elastische Gewebe, das die Bandscheibe zusammenhält, wird oft durch hartes Narbengewebe ersetzt. Der Abstand zwischen den Wirbeln ist verringert, Rückenschmerzen können die Folge sein.

Natürliche Veränderungsprozesse in der Bandscheibe beginnen bereits ab dem 10. Lebensjahr und verstärken sich als typische Alterserscheinungen bis ins hohe Lebensalter. Bislang gibt es keine wirksame Behandlung dieser Verschleißerscheinungen.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Wiltrud Richter
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Sektion Experimentelle Orthopädie
Tel: +49 6221 96 9253
Fax: +49 6221 96 9288
E-Mail: ursula.wey@ok.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de/
http://www.orthopaedie.uni-hd.de

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