Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschergruppe "Zell-vermittelte Suppression von auto- und alloreaktiven Immunreaktionen"

31.07.2006
Die DFG hat am 28.7.2006 der Einrichtung einer Klinischen Forschergruppe (KFO146) zum Thema "Zell-vermittelte Suppression von auto- und alloreaktiven Immunreaktionen" unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Mackensen, Abt. Hämatologie und Internistische Onkologie, zugestimmt.

In neun Teilprojekten aus den Kliniken für Innere Medizin I, Chirurgie, der Abt. Hämatologie und Internistische Onkologie und dem Institut für Immunologie suchen Forscher zusammen nach neuen Wegen, Autoimmunerkrankungen, Transplantat-Abstoßungen, und Abstoßungsreaktionen nach Knochenmarktransplantation durch aktive Beeinflussung des Immunsystems zu behandeln.

Die Klinische Forschergruppe KFO146 hat es sich zum Ziel gesetzt, neue Konzepte für die Behandlung der o.g. Autoimmunerkrankungen und Abstoßungsreaktionen zu entwickeln. So sollen Wege gefunden werden, gezielt nur die Immunreaktionen auszuschalten, die z.B. die entzündliche Darmerkrankung oder Abstoßungsreaktion nach Knochenmarktransplantation bewirken.

Dabei sollen die natürlichen Kontrollmechanismen des Immunsystems dahingehend beeinflusst werden, dass unerwünschte Immunreaktionen abgeschaltet werden können, ohne dass die Fähigkeit zur Abwehr krankheitserregender Mikroorganismen zu stark beeinträchtigt wird.

Bisher stehen für die Therapie der genannten Erkrankungen nur unspezifische Immunsuppressiva, die das gesamte Immunsystem unterdrücken, zur Verfügung. Diese Medikamente verursachen beträchtliche Nebenwirkungen und sie erhöhen v.a. die Anfälligkeit für Infektionen jeder Art.

Da die untersuchten Mechanismen und Therapieansätze für sehr viele verschiedene Krankheiten anwendbar sind, arbeiten in der neuen klinische Forschergruppe Naturwissenschaftler und Mediziner aus den verschiedensten Bereichen eng zusammen. Sechzehn Arbeitsplätze für Wissenschaftler/innen, Doktoranden/innen und weitere Mitarbeiter durch die Bewilligung der DFG neu geschaffen.

Ein zentrales Anliegen der Forschergruppe ist es, neugewonnene Einblicke in die Immunologie für die medizinische Anwendung nutzbar zu machen und eine Brücke von der Forschung in die klinische Anwendung zu schlagen.

Hintergrund: Programm "Klinische Forschergruppe" der DFG

Zur Förderung der medizinischen Forschung an Universitätskliniken hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Jahre 2000 das Programm "Klinische Forschergruppen" neu aufgelegt. Damit setzte die DFG die Empfehlungen ihrer 1999 veröffentlichten Denkschrift um, die forschungsorientierten Strukturen in den Kliniken zu verbessern.

In Klinischen Forschergruppen können herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der krankheitsorientierten Forschung unterstützt werden, wenn zu erwarten ist, dass die Zusammenarbeit zu Ergebnissen führt, die mit den Möglichkeiten der Einzelförderung nicht erreicht werden können.

Die Förderung von klinischen Forschergruppen soll unter anderem dazu beitragen, die Klinische Forschung insgesamt zu stärken, die Ausbildungsstrukturen zu verbessern, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, die wissenschaftliche Profilbildung der jeweiligen Medizinischen Fakultäten voranzubringen sowie die internationale Zusammenarbeit zu intensivieren. Derzeit werden in Deutschland 26 Klinische Forschergruppen an 15 Standorten gefördert.

Hintergrund: Autoimmunerkrankungen / Transplantat-Abstoßungen, Abstoßungsreaktionen nach Knochenmark-transplantation

Hauptaufgabe des Immunsystems ist der Schutz des Körpers vor eindringenden Mikroorganismen wie z.B. Bakterien und Viren. Seine Abwehrmechanismen können jedoch außer Kontrolle geraten und selbst Ursache lebensbedrohlicher Erkrankungen sein. Dies ist bei den sogenannten Autoimmunerkrankungen der Fall: hier attackiert das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe. Beispiele sind Rheumatoide Arthritis, bei der die Gelenke durch körpereigene Antikörper und Immunzellen zerstört werden sowie Multiple Sklerose (MS), eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, oder die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulzerosa), bei der die Immunzellen das körpereigene Darmgewebe angreifen.

Auch transplantierte Organe (z.B. Niere, Herz, Leber) werden vom Immunsystem als körperfremd erkannt und attackiert. Im Falle der Knochenmarktransplantation (KMT) gibt es ein weiteres Phänomen, die Änderung der Richtung der Immunreaktion. Die vom Spender stammenden Immunzellen aus dem "neuen" Knochenmark attackieren den Körper des Patienten [Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung oder Graft-versus-Host-Disease (GvHD)]. Gleichzeitig jedoch beruht der Erfolg der KMT neben einer hochdosierten Chemo- und/oder Strahlentherapie auf diesem immunologischen Effekt: die Immunzellen vom Spender können sich ebenfalls gegen noch verbliebene Leukämiezellen richten. Bei einigen Leukämien ist diese sog. Graft-versus-Leukämie (GvL)-Reaktion das zentrale therapeutische Prinzip. In der Regel geht dieser erwünschte Effekt mit der o.g. unerwünschten GvHD einher. Dabei richten sich die Spender-Immunzellen gegen das gesunde Empfängergewebe wie die Haut, die Leber und Schleimhäute des Magen-Darm Traktes und rufen z.T. heftigste Abstoßungsreaktionen hervor.

Dr./M.A. Rudolf F. Dietze | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de/

Weitere Berichte zu: Autoimmunerkrankung DFG Immunreaktion Immunsystem Immunzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften