Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augen-Expander für blinde Kinder

17.07.2006
Uniklinikum Rostock spezialisiert auf ungewöhnliche Behandlung

Es passiert selten, doch es passiert: Manche Kinder werden ohne Augen geboren. Rostocker Mediziner arbeiten seit Jahren daran, die kleinen Patienten mit Prothesen zu versorgen. Bevor aber künstliche Augen eingesetzt werden können, schaffen selbständig aufquellende Kunststoffkugeln die Voraussetzungen dafür. Das Spektrum der Behandlungen mit dem Kunststoff wurde jetzt erweitert und kommt nun auch Menschen mit zu kleinen Augäpfeln zugute. Diese Form der Therapie wurde in Rostock entwickelt - als interdisziplinäres Projekt. Augenärzte arbeiten mit Gesichtschirurgen zusammen, die Eltern der Kinder werden von den Ärzten der Klinik für Psychiatrie beraten und betreut. Mittlerweile kommen Patienten aus der ganzen Bundesrepublik und aus dem Ausland nach Rostock.

"Wir können die Kinder nicht sehend machen, aber wir können zur Förderung ihrer sozialen Akzeptanz beitragen", sagt Dr. Michael Schittkowski, Oberarzt an der Rostocker Universitätsaugenklinik. Vor neun Jahren begannen Augenärzte gemeinsam mit Gesichtschirurgen, Kindern den Einsatz von Augenprothesen zu ermöglichen. Verwendet wurde dafür ein neuartiger Kunststoff, der in die Augenhöhle eingebracht wird, dort selbständig quillt und durch den entstehenden Druck die meist zu klein geratene Augenhöhle wachsen lässt. Später können dann gewöhnliche Augenprothesen eingesetzt werden.

Ergebnis ist auf lange Sicht ein Äußeres, das nicht offensichtlich durch Blindheit gezeichnet ist. Insbesondere gilt dies für Patienten, denen nur ein Auge fehlt, und bei denen durch die zu klein geratene Augenhöhle auch das Gesicht nicht symmetrisch ist. "Bei diesen Patienten wird zusätzlich die Bildung von Knochensubstanz im Gesicht angeregt", sagt Professor Dr. Dr. Dr. Gundlach, Direktor der Klinik, und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Ergebnis ist eine gerade Gesichtslinie. Seit kurzem können auch Patienten mit zu kleinen Augäpfeln behandelt werden. Dabei wird der selbst quellende Kunststoff minimal-invasiv hinter den Augapfel injiziert.

... mehr zu:
»Kunststoff

Zu der Behandlung der Kinder gehört in Rostock auch die Betreuung der Eltern. Diese erfolgt in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Psychosomatik. "Viele Eltern suchen die Schuld für die Schädigungen ihrer Kinder bei sich", sagt Dr. Schittkowski. "Dabei handelt es sich um eine bislang nicht aufgeklärte Laune der Natur." Die Notwendigkeit derartiger Behandlungen illustriert Dr. Schittkowski mit einem persönlichen Erlebnis. "Ich sprach einmal mit einem betroffenen Vater, der sagte: 'Ich möchte meinem Kind in die Augen sehen können.'" Mittlerweile hat sich das Universitätsklinikum Rostock zu einem Zentrum für Behandlungen dieser Art entwickelt. Patienten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus dem Ausland in die Hansestadt - derzeit wird ein kleiner Patient aus dem Saarland behandelt. Etwa 50 Kinder wurden in Rostock bereits therapiert.

Ansprechpartner
Dr. Michael Schittkowski
Universitätsaugenklinik Rostock
Doberaner Straße 140
18057 Rostock
Tel. 0381/4948501

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Kunststoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik