Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gelähmter steuert Computer via Implantat

14.07.2006
Testperson konnte selbständig E-Mails öffnen und einfache PC-Spiele steuern

US-Forscher haben die erste hochinvasive Hirn-Computer-Schnittstelle erfolgreich an einem Menschen getestet. Die Neurowissenschaftler implantierten dazu einen Chip in dem Teil der menschlichen Großhirnrinde, der für Bewegungen zuständig ist. Entwickelt wurde das BrainGate genannte System vom Unternehmen Cyberkineticsinc Neurotechnology Systems. Die Versuchsperson, der 25-jährige Matthew Nagel, ist seit drei Jahren vom Hals abwärts gelähmt. Mit dem High-Tech-Implantat konnte er selbstständig E-Mails öffnen, einfache Computerspiele sowie die Fingerbewegungen einer Handprothese steuern, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in der aktuellen Ausgabe.

Bei dem Implantat handelt es sich um einen Chip mit Elektroden, der durch ein Loch in der Schädeldecke mit einem Rechner verbunden ist. Der Sensor nimmt die Hirnaktivitäten wahr und leitet sie an einen externen Prozessor weiter, der die Signale in für den Computer verständliche Bewegungsbefehle umwandelt. Um die Anforderungen des Versuchs zu erfüllen und den Mauscursor zu steuern, benötigte Nagel zur Überraschung der Wissenschaftler nur eine relativ kurze Zeit des Trainings. Bei nichtinvasiven Hirn-Computer-Schnittstellen, die mittels auf der Kopfhaut angebrachten Elektroden Hirnsignale aufzeichnen, ist mehr Übung bis zur Beherrschung des Systems notwendig, so die Experten.

Das Projekt ist nach Angaben der beteiligten Forscher der erste wissenschaftlich begutachtete klinische Versuch mit einer hochinvasiven Hirn-Computer-Schnittstelle. "Die Ergebnisse sind vielversprechend hinsichtlich des Ziels, eines Tages Muskeln in Gliedmaßen mittels Hirnsignalen aktivieren zu können", sagt der verantwortliche Forscher John Donoghue. Die Steuerung von Neuroprothesen bis hin zu Rollstühlen könnte damit für Gelähmte möglich werden. Gravierender Nachteil der Neurochips ist, dass der Patient nicht um eine Hirnoperation herumkommt. Vor allem bestehe die Gefahr von Infektionen, Blutungen oder epileptischen Anfällen. Kritiker bemänglen zudem, es sei noch zu früh gewesen, um Versuche an Menschen durchzuführen.

... mehr zu:
»Elektrode »Gelähmt »Hirnsignal »Implantat

Mit Steuerung durch Gedanken beschäftigen sich auch andere Unternehmen, beispielsweise der Automobilbauer Honda. Den japanischen Technikern ist es kürzlich gelungen, ein System zu entwickeln, das ohne Implantate auskommt. Ein Kernspintomopgraph misst die Hirnaktivität und führt die intendierte Bewegung an einer Roboterhand aus. Die Treffergenauigkeit liegt dabei bei 85 Prozent und die Zeitverzögerung bei sieben Sekunden (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=060527001 ).

Andreas List | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.cyberkineticsinc.com
http://www.honda.com

Weitere Berichte zu: Elektrode Gelähmt Hirnsignal Implantat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

nachricht Was Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv macht
18.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten