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Bauchaortenaneurysma: Internationale Studien zeigen Zusammenhang von Menge der Eingriffe und Ergebnisqualität

04.07.2006
Übertragbarkeit der Ergebnisse auf deutsche Versorgung ist aber fraglich / IQWiG legt Evidenzbericht vor

Bei der offenen Operation des nicht rupturierten Bauchaortenaneurysma (BAA) sinkt nach aktueller Studienlage die Sterblichkeit mit steigender Menge der Eingriffe. Allerdings bleibt unklar, ob sich die Qualität bei anderen Zielgrößen wie etwa Komplikationen oder Nachfolgeoperationen verbessert.

Ohnehin haben die bislang verfügbaren Studien den Zusammenhang von Prozedurenmenge und Ergebnisqualität nur über sehr kurze Zeiträume untersucht und lassen deshalb keine langfristigen Aussagen zu. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), den das Institut am 30.06.2006 publiziert hat.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte das IQWiG am 16.11.2004 beauftragt, die Literatur zur Mindestmengenthematik beim Eingriff Bauchaortenaneurysma aufzubereiten und die Ergebnisse in Form eines Evidenzberichtes darzulegen.

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Alle Studien, die das Institut in seine statistische Bewertung einbezogen hat, weisen darauf hin, dass mit zunehmender Menge der Eingriffe je Arzt die Mortalität in einem 30-Tage-Zeitraum nach der Operation abnimmt. Auch bei der Menge der Eingriffe je Krankenhaus und der Sterblichkeit ist der Zusammenhang erkennbar. Jedoch war keine der untersuchten Originalarbeiten so konzipiert, dass diese Beziehung über einen längeren Zeitraum, zum Beispiel über ein Jahr, eingeschätzt werden kann. Ausreichende Ergebnisse zu anderen Zielgrößen als der Mortalität, wie postoperative Komplikationen oder erneut notwendig gewordene chirurgische Eingriffe, waren in den Studien ebenfalls nicht zu finden.

Ein konkreter Schwellenwert für Mindestmengen, der geeignet wäre, die Behandlungsqualität zu verbessern, lässt sich aus den vorliegenden Studien nicht ableiten.

Daten aus Interventionsstudien fehlen

Bei den in der IQWiG-Literaturanalyse ausgewerteten Studien handelt es sich um Registerstudien, die zum großen Teil administrative Datenquellen verwendeten. Die Daten wurden ursprünglich für andere Zwecke, z.B. zur Abrechnung erhoben. Zwar wurden Begleiterkrankungen erfasst, klinische Details, wie zum Beispiel ihr Schweregrad, jedoch nicht abgebildet. Darin liegt ein erheblicher Nachteil der administrativen Daten. In der Übersichtsarbeit des IQWiG wurden lediglich Studien eingeschlossen, die bestimmte Mindestanforderungen an die Berücksichtigung der Verteilung von Risikomerkmalen erfüllten (Risikoadjustierung). Um beurteilen zu können, ob und wie patientenrelevante Faktoren durch die Vorgabe von Mindestmengen beeinflusst werden, wären Daten aus Interventionsstudien nötig.

Eingeschränkt ist die Aussagekraft der vorliegenden Studiendaten auch deshalb, weil sie sich in ihren Datengrundlagen zum Teil erheblich überschneiden. So fanden sich zur Betrachtung der Krankenhaus-Prozedurenmenge zwar elf Studien, die dort analysierten Daten stammen aber aus lediglich sieben Quellen. Zudem ist auch die Qualität der statistischen Analyse und ihrer Dokumentation in den meisten Fällen begrenzt. Jede Studie zeigte mindestens einen Mangel in ihrer Berichts- oder Studienqualität.

Keine einzige Arbeit untersuchte ausdrücklich den Zusammenhang zwischen Prozedurenmenge und Ergebnisqualität beim operativen Eingriff über die Gefäßbahn (endovaskulärer Eingriff). Dies legt die Vermutung nahe, dass sich alle Ergebnisse auf offene Operationen beziehen. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung sind somit mit einigen Unsicherheiten behaftet.

Da keine Studie deutsche Patientendaten analysierte, ist fraglich, ob ihre Ergebnisse auf die deutsche Versorgung übertragbar sind. Um den Zusammenhang von Menge und Ergebnisqualität auch für Deutschland bestimmen zu können, müssten entweder neue Daten erhoben (z.B. durch Aufnahme in den Leistungskatalog der externen stationären Qualitätssicherung bei der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung, BQS) oder aber vorhandene Qualitätsregister der Fachgesellschaften herangezogen werden.

Dr. Anna-Sabine Ernst | idw
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

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