Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fernseher gehören nicht ins Kinderzimmer!

04.07.2006
Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die einen eigenen Fernseher im Zimmer haben, durch häufigeres und längeres Fernsehen schulische Schwächen und deutliche Beeinträchtigungen in ihrer Gesundheit entwickeln können.
Je länger Kinder vor dem Fernseher sitzen, desto größer ist das Risiko für Störungen einer gesunden, kindgerechten Entwicklung.

Professor Berthold Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital in München, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, kann dies nur bestätigen: " Es gibt immer mehr Nachweise dafür, dass der Anteil des Fernsehens mit Bewegungsmangel, Übergewicht, Verhaltensauffälligkeiten, Leseschwäche und mit einer insgesamt verzögerten mentalen Entwicklung korreliert."

Eine Umfrage des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, die das "Bildschirmverhalten" von Kindern und Jugendlichen untersuchte, veröffentlichte Zahlen, die die Brisanz des Themas untermauern:

o Von 5529 befragten Schülern der vierten Klasse haben 36,1 Prozent einen Fernseher im Kinderzimmer, 36 Prozent einen eigenen PC, 26,8 Prozent eine Spielkonsole und 22,4 Prozent ein Videogerät.

... mehr zu:
»Fernsehkonsum
o Schüler, die einen eigenen Fernseher haben, sehen durchschnittlich 2 Stunden 17 Minuten an Schultagen fern, an freien Tagen bereits 3 Stunden 24 Minuten.

Schüler ohne eigenen Fernseher im Kinderzimmer sehen dagegen mit 1 Stunde 23 Minuten an Schultagen und 2 Stunden 10 Minuten an freien Tagen deutlich weniger fern.

o Schülern, die einen eigenen PC oder ein eigenes Videogerät in ihrem Zimmer haben, sind täglich mehr als doppelt so lange vor den Bildschirmen zu finden, als Kinder ohne ein eigenes Gerät im Kinderzimmer.

Die Probleme, die sich daraus nachweislich ergeben, sind vielfältig.

Entscheidend für die Entstehung von Übergewicht ist das Missverhältnis zwischen Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch.

Das Risiko für Übergewicht steigt mit zunehmend sitzender Lebensweise mit geringer körperlicher Aktivität. Bei niedrigem Energieverbrauch sind die Muskeln entsprechend schwach und die Fettverbrennung gering. Hinzu kommt, dass die Werbung ein, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), sehr schlechtes Bild der Ernährung vermittelt und zum falschen Essen verführt. Die nebenbei verzehrten Snacks sind in der Energiebilanz oft einfach zu viel.

Der Kinder- und Jugendarzt Dr. Winterstein vom Gesundheitsamt Göppingen untersuchte im Rahmen von Schuleingangsuntersuchungen die geistige Reife bei 1.894 Vorschulkindern. Auch hier wurden Parallelen zur Dauer des Fernsehkonsums deutlich: Je öfter und länger die Kinder vor dem Fernseher saßen, umso ungenauer stellten die Vorschulkinder in einem Zeichentest die Menschen dar.

"Die schnelle Bildfolge beim Fernsehen", so Dr. Winterstein, "verhindert eine betrachtende Wahrnehmung und dadurch auch einen inneren Bildaufbau."

Auch in Neuseeland mussten Wissenschaftler feststellen, dass Kinder, die im Alter zwischen 5 und 15 Jahren zu den "Vielsehern" ( mehr als 3 Stunden täglich) gehörten, 30 Jahre später am häufigsten keinen Schulabschluss erreicht hatten, während von den 1000 Teilnehmern der Studie, die in ihrer Kindheit und Jugend eher wenig fern gesehen hatten, die "Wenigseher" am häufigsten einen Universitätsabschluss nachweisen konnten.

Die Aufmerksamkeitsdefizitstörung, kurz ADS oder auch ADHS, bei gleichzeitiger Hyperaktivität, ist heute eine viel diskutierte Verhaltensstörung, die sich durch Unruhe, Impulsivität, leichte Ablenkbarkeit und Vergesslichkeit ausdrückt.

In Deutschland leiden zwischen 2 bis 6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren an dieser Verhaltensstörung.

Professor Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, berichtet in seinem kürzlich erschienen Buch "Vorsicht Bildschirm" (Klett-Verlag) über eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Seattle an über 2.500 Kinder, die unter dem Aspekt der Aufmerksamkeitsstörung den Fernsehkonsum von Kindern im Alter zwischen 1,8 bzw. 3,8 Jahren untersuchte. Das wichtigste Ergebnis: "Je mehr Zeit die Kinder früher vor dem Fernseher verbrachten, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass sie in der Grundschule an einer gestörten Aufmerksamkeit litten."

Studien in den USA, Kanada und Deutschland kamen zu folgenden Erkenntnissen:
Gewalt mit Spielszenen um Leben und Tod in Fernsehsendungen und Computerspielen erhöht auch die Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen und verzerrt häufig das Bild der Wirklichkeit, wobei Wissenschaftler gewalttätige Computerspiele gefährlicher einstufen als das gesendete Programm.

Es ist häufig so, dass das Fernsehen für Kinder und Jugendliche zur liebsten Freizeitbeschäftigung geworden ist und so auch einen großen Einfluss auf deren Entwicklung hat.

Die Stiftung Kindergesundheit rät Eltern daher, den Fernsehkonsum ihrer Kinder zu kontrollieren, möglichst zu reduzieren und Programme altersgerecht auszuwählen. Eine Stunde Fernsehen pro Tag ist für Kinder in einem Alter von 10 bis 11 Jahren genug. Professor Koletzko appelliert an die Eltern auch für ausreichend Bewegungsmöglichkeiten ihrer Kinder zu sorgen, um so den nötigen Ausgleich zu schaffen.

Vorbeugen ist besser als heilen.

Deshalb setzt sich die Stiftung Kindergesundheit, unter dem Vorsitz von Herrn Prof. Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital München, für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Unser Engagement gilt nicht nur Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.

Hildegard Debertin | idw
Weitere Informationen:
http://www.kindergesundheit.de

Weitere Berichte zu: Fernsehkonsum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

nachricht Malaria: Kooperierende Antikörper verbessern Immunreaktion
08.06.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics