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Die Gefahr kam mit dem Hauptgericht

14.06.2006
Die Anaphylaxie, also die schwere lebensbedrohliche, generalisierte Überempfindlichkeitsreaktion, war ein Schwerpunkt auf dem 25. Kongress der European Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI) in Wien. "Charakteristisch ist das plötzliche Auftreten schwerer Körpersymptome innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Der anaphylaktische Schock verläuft bei rund fünf Prozent der Betroffenen tödlich"(1), sagt die Universitätsdozentin Dr. Karin Hoffmann-Sommergruber vom Zentrum für Physiologie der Medizinischen Universität in Wien.

Schon geringe Mengen einer allergieauslösenden Substanz (Allergen) können bei einigen allergiekranken Menschen eine Anaphylaxie auslösen. In der Mehrzahl der Studien zu diesem Thema stehen Nahrungsmittel an der Spitze der Auslöser. Dabei sind diese auslösenden Allergene, je nach den regionalen Essgewohnheiten, sehr unterschiedlich. In den USA und Großbritannien gehören Erd- und Baumnüsse zu den häufigsten Auslösern tödlich verlaufender Reaktionen (2, 3), während beispielsweise in Frankreich und Australien Hühnerei, Krustentiere und Fisch die hauptverantwortlichen Nahrungsmittel sind. In der Schweiz führt beispielsweise Sellerie häufig zu anaphylaktischen Reaktionen. (4) Auch ist das Spektrum der wichtigsten Allergene zwischen Kindern und Erwachsenen unterschiedlich. Bei Kindern - vor allem Kleinkindern - sind Milch, Ei und Nüsse (Erd- und Baumnüsse) gefolgt von Soja und Weizen die Hauptauslöser von Allergien. Mit zunehmendem Alter verschwinden diese Allergien bei einem Großteil der Erwachsenen wieder. Im Erwachsenenalter überwiegen dann Krustentiere, Fische, Nüsse und Sellerie als häufigste Verursacher schwerer allergischer Symptome.

Allergiekranke Menschen können nach dem Essen von Nahrungsmitteln mit für sie relevanten Allergenen zunächst einfache allergische Symptome wie Nesselsucht und allergischen Schnupfen entwickeln. In schweren Fällen kann es dann zur Verengung der Atemwege mit Luftnot, zu Durchfall und Erbrechen bis hin zu Blutdruckabfall und Schock kommen.

Kinder sind am häufigsten von anaphylaktischen Reaktionen betroffen. (3) Die meisten Patienten sterben jedoch nicht, weil sie von ihrer Nahrungsmittelallergie nichts wussten, sondern weil ihnen nicht klar war, dass die konsumierten Nahrungsmittel "ihr" Allergen enthielten. (3)

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Eine neue EU-Richtlinie zur Nahrungsmittelkennzeichnung, die bereits seit November 2003 in Kraft ist, soll Allergiker vor diesen Gefahren schützen. "Leider geht die Umsetzung in nationales Recht, auch hier in Österreich, zum Teil nur schleppend voran. Ich wünschte mir, Allergiker hätten auch in einem Restaurant die Möglichkeit, einen genaueren Überblick über die verarbeiteten Zutaten zu erhalten", so die Mikrobiologin Hoffmann-Sommergruber auf dem diesjährigen EAACI-Kongress in Wien.

Sie empfiehlt Menschen mit einer Allergie auf Nahrungsmittel, stets alle Zutatenlisten genau zu prüfen und auch im Restaurant ausdrücklich auf die Allergie hinzuweisen. Nahrungsmittelallergiker müssen außerdem gut über die Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung allergischer Symptome aufgeklärt sein. Im Rahmen eines ausführlichen Aufklärungsprogramms konnte das Risiko anaphylaktischer Reaktionen deutlich verringert werden. (5) Da die Einnahme allergener Nahrungsmittel überwiegend unbeabsichtigt geschieht, ist im Notfall eine Selbstbehandlung erforderlich. Deshalb sollten Patienten mit einer Nahrungsmittelallergie mit einem Notfallset ausgerüstet sein, das ein Antihistaminikum, Adrenalin sowie ein Kortison-Präparat enthält.

(1) Burks WA, Sampson HA, Anaphylaxis and Food Allergy, in "Food Allergy and Adverse Reactions to Food and Food Additives" 3rd edition 2003, Blackwell publishing, D. Metcalfe, H Sampson, R Simon eds: 192- 205.

(2) Bock SA, Munoz-Furlong A, Sampson HA. Fatalities due to anaphylactic reactions to foods. J Allergy Clin Immunol 2001; 107: 191-193.

(3) Pumphrey RS, Stanworth SJ. The clinical spectrum of anaphylaxis in northwest England. Clin Exp Allergy 1996; 26: 1364-1370.

(4) Rohrer CL, Pichler WJ, Helbling A. Anaphylaxie: Klinik, Aethiologie und Verlauf bei 118 Patienten. Schweiz Med Wochenschr 1998; 128: 53-63.

(5) Ewan PW, Clark AT. Long-term prospective observational study of patients with peanut and nut allergy after participation in a managment plan. Lancet 2001; 357: 111-115.

Julia Loncar | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.eaaci.net

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