Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auswirkungen von Schwerelosigkeit auf Psyche und Immunsystem

26.05.2006


Stress-Forschung bei Parabelflügen nutzt Patienten und Raumfahrern



Mediziner vom Klinikum der Universität München untersuchen bei den gerade stattfindenden Parabelflügen (8. Parabolic Flight Campaign des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt) die Auswirkungen von durch Schwerelosigkeit ausgelöstem Stress auf die Psyche und das Immunsystem des Menschen. Auch beim geplanten Aufenthalt des deutschen Astronauten Thomas Reiter in der Internationalen Raumstation ISS sollen die immunologischen Folgen fehlender Erdanziehung analysiert werden. Mit den Erkenntnissen wollen die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe an der Klinik für Anästhesiologie einerseits Patienten helfen, die infolge von Operationen oder der Behandlung auf einer Intensivstation erheblich gesteigertem Stress ausgesetzt sind und dadurch eine verringerte Infektabwehr zeigen - ähnlich der Reaktion des Menschen in der Schwerelosigkeit. Andererseits sollen präventive und therapeutische Strategien für Raumfahrtmissionen entwickelt werden, um heute noch nicht realisierbare Langzeitraumflüge aus medizinischer Sicht zu ermöglichen.



Parabelflüge

Die derzeit laufenden Experimente an Bord des Airbus A300 Zero G, dem größten Flugzeug der Welt, welches für Parabelflüge eingesetzt wird, stehen unter dem Titel Auswirkungen wiederholter Schwerelosigkeit während Parabelflugmanöver auf die neuroendokrine Stressantwort, die Immunantwort sowie auf metabolische Veränderungen beim Menschen. "Dabei sollen, " so Dr. Alexander Chouker von der Klinik für Anästhesiologie des Klinikums der Universität München, "folgende Fragen geklärt werden: Erstens, führt wiederholte, kurzzeitige Schwerelosigkeit zu psychischem Stress, zweitens, wird dadurch das Immunsystem gehemmt und drittens, mit welchen Methoden lässt sich der Einfluss kurzzeitiger Schwerelosigkeit auf Stress induzierte Veränderungen des Immunsystems erfassen?" Insgesamt werden Blut-, Speichel- und Urin-Proben von sechs Probanden vor und nach, sowie mehrfach während der Parabelflüge untersucht, um Auswirkungen auf die Infektabwehr zu kontrollieren. Darüber hinaus wird erstmalig geprüft, ob auch die von den Studienteilnehmern ausgeatmete Luft Hinweise auf etwaige Anpassungsvorgänge des Organismus direkt messen lassen.

Untersuchungen auf der internationalen Raumstation ISS

Bereits in früheren Studien konnte gezeigt werden, dass extreme Lebensumstände - wie zum Beispiel simulierte Langzeitaufenthalte im All - und auch die Rückkehr ins normale Leben von ausgeprägten stressassoziierten, immunologischen Veränderungen gekennzeichnet sind. Darauf aufbauend läuft derzeit eine einmalige Studie auf der internationalen Raumstation ISS zur Untersuchung von psychischen, metabolischen und immunologischen Stressreaktionen bei russischen und europäischen Kosmonauten. Auch Thomas Reiter, der voraussichtlich ab September als erster Deutscher mehrere Monate in an Board der ISS verbringen wird, beteiligt sich an der medizinischen Studie. Diese wissenschaftlich und logistisch äußerst aufwändige Studie wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) sowie der russischen Raumfahrtbehörde (RosKosmos) bis ca. 2007 durchgeführt. Dabei können zum ersten Mal die Langzeitauswirkung der Schwerelosigkeit auf stressassoziierte, immunologischen Veränderungen während einer Flugdauer von etwa sechs bis sieben Monaten auf der ISS analysiert werden.

Erkenntnisse für Patienten und für Raumfahrtmissionen

Basierend auf einem besseren Verständnis der Akut-Effekte der Schwerelosigkeit auf die Wechselwirkung von Psyche und Immunsystem können neue präventive und therapeutische Strategien entwickelt werden, um beispielsweise einen Langzeitraumflugt zum Mars medizinisch vorzubereiten und zu gestalten. Zudem können durch den Einsatz innovativer, nicht- invasiver Techniken (bspw. die Analyse ausgeatmeter Luft) auch bisher kaum erforschte neurobiologische Stress-Systeme erstmals untersucht und den Resultaten "klassischer" Meßmethoden gegenüber gestellt werden. Der zu erwartende Erkenntnisgewinn über die Interaktion von Psyche und Immunsystem, einschließlich der dafür angewandten Meßmethoden, werden schließlich auch für Patienten von Vorteil sein, die sich infolge von Operationen oder der Behandlung auf einer Intensivstation in einer Situation erheblich gesteigertem Stress befinden.
Ansprechpartner:

Dr. Alexander Chouker und Prof. Dr. Manfred Thiel
Klinik für Anästhesiologie am
Klinikum der Universität München
Tel: 089 / 7095 - 6422

Klinikum der Universität München

Im Klinikum der Universität München werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 85.000 Patienten stationär und 371.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über etwa 2.500 Betten. Von insgesamt 9000 Beschäftigten sind rund 1800 Mediziner. Jährlich finden zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Kongresse und Tagungen, sowie Kurse und Informationsveranstaltungen für Patienten statt. Das Klinikum der Universität München zählt zu den größten Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und hat im Jahr 2004 mehr als 52 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: ISS Immunsystem Luft- und Raumfahrt Parabelflug

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik