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Musikmedizinisches Behandlungskonzept für Schlaganfallpatienten

12.05.2006


Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung hat in einer multizentrischen internationalen Studie die Wirksamkeit von Musiktherapie im Vergleich zu konventioneller Physiotherapie bei Schlaganfallpatienten untersucht. Kooperationspartner waren das Center for Biomedical Research in Music der Colorado State University (USA) und die neurologische Abteilung des SRH-Klinikums Karlsbad-Langensteinbach.



Die mit Musiktherapie behandelten Patienten weisen eine höhere Erfolgsrate bei der Verbesserung von Bewegungsdefiziten auf und sind von Beginn an zufriedener mit der Behandlungsmethode als die Vergleichsgruppe.



In die deutsche Teilstudie wurden 40 Schlaganfallpatienten mit einer halbseitigen Lähmung eingeschlossen. Ein Teil der an einem akuten Mediainfarkt, d. h. einem Schlaganfall im vorderen Hirnkreislauf, leidenden Studienteilnehmer erhielt über einen Zeitraum von drei Wochen täglich eine halbe Stunde ein musikmedizinisches Gangtraining. Der normale Gangrhythmus, oftmals durch den Schlaganfall beeinträchtigt, wurde hierbei durch rhythmisch-akustische Zeitgeber beziehungsweise eine musikalische Stimulation unterstützt. Die Vergleichsgruppe erhielt über den gleichen Zeitraum ein konventionelles physiotherapeutisches Gangtraining. Die Behandlung erfolgte bei beiden Gruppen in der Frühphase der Rehabilitation, d. h. zehn bis 28 Tage nach dem Schlaganfall.

Im Fokus der Studie stand die Frage, inwieweit ein musiktherapeutisches Konzept die funktionale Gehfähigkeit der Schlaganfallpatienten wieder herstellen kann und ob die Behandlungsergebnisse besser sind als bei konventioneller Physiotherapie.

Hierzu wurden bei beiden Gruppen vor und nach der Behandlung Qualität, Dynamik und Ausdauer des Patienten beim Gehen mit einem speziellen Analysegeräte objektiv erfasst, berechnet, grafisch dargestellt und in statistisch auswertbare Daten umgewandelt. Die Forscher untersuchten auch die Zufriedenheit der Patienten mit der jeweiligen Behandlungsmethode.

In der Musiktherapiegruppe ist der Anteil der Patienten mit klinisch signifikanter Verbesserung etwa doppelt so hoch wie in der mit Physiotherapie behandelten Gruppe. Die relative Verbesserung aller Gangparameter ist in der Musiktherapiegruppe höher.

Statistisch signifikant ist dieser Unterschied beim Abrollen des Fußes. Eine statistisch tendenzielle Überlegenheit zeigt sich in dieser Gruppe auch bei der Gehgeschwindigkeit und Schrittfrequenz. Bei der Gangsymmetrie schneiden beide Gruppe in etwa gleich ab. Die Musiktherapiegruppe weist auch eine größere Annäherung an die alters- und geschlechtsspezifische Norm auf als die Kontrollgruppe.

Die Auswertung des Zufriedenheitsfragebogens zeigt, dass die mit Musiktherapie behandelten Schlaganfallpatienten während der gesamten Behandlungsdauer zufriedener mit der Therapie sind als die Patienten der Vergleichsgruppe.

Schlaganfälle sind die dritthäufigste Todesursache nach Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Deutschland erleiden jedes Jahr fast 350.000 Menschen einen Schlaganfall. 90 % der Betroffenen haben in Folge motorische Defizite, d. h. die Bewegungsabläufe sind stark eingeschränkt. Bei 70 % der Patienten kommt es zu einer halbseitigen Lähmung des Körpers, einer so genannten Hemiparese.

Die anschließende Rehabilitation der Patienten ist von zentraler Bedeutung. Vorwiegend kommen nach einem Schlaganfall konventionelle Krankengymnastik und Ergotherapie zum Einsatz. Immer häufiger werden Patienten in musiktherapeutisch behandelt. Allerdings sind die bisher bestehenden musiktherapeutischen Behandlungskonzepte in der neurologischen Rehabilitation vorrangig psychosozial orientiert. Diese zielen ab auf eine Verbesserung der Lebensqualität und emotionale Stabilisierung der Patienten. Eine landesweite Umfrage aus dem Jahr 2002 ergab, dass von medizinischer Seite eine spezifische, funktionale musiktherapeutische Anwendung im sensorischen und kognitiven Bereich wünschenswert wäre.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung, Praxis und Lehre unter einem Dach. Das DZM ist ein AN-Institut der Fachhochschule Heidelberg, d. h. das Forschungsinstitut ist wissenschaftlich eng mit der Fachhochschule verbunden, aber privatwirtschaftlich organisiert und damit finanziell unabhängig. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spendengeldern.

Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Psychologen, Mediziner und Musikwissenschaftler in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung
(Viktor Dulger Institut) DZM e. V.
Ansprechpartnerin: Michaela Schneider M.A.
Maaßstraße 26
D-69123 Heidelberg
Telefon: + 49 (0) 62 21-83 38 60
Telefax: + 49 (0) 62 21-83 38 74
E-Mail: dzm@fh-heidelberg.de

Michaela Schneider M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.dzm.fh-heidelberg.de

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