Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychotherapie stabilisiert medizinischen Behandlungserfolg bei Rückenschmerzen

10.04.2006


Studie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg weist günstigen Effekt einer Zusatzbehandlung nach



Psychotherapie kann Rückenschmerzen lindern und Kranke wieder fit machen: Bei zusätzlicher Anwendung zur medizinischen Standardbehandlung haben die Patienten weniger Schmerzen, sind beweglicher und arbeitsfähiger. Dies hat jetzt eine kontrollierte Studie der Orthopädischen und der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg unter Federführung von Professor Dr. Marcus Schiltenwolf, Leiter der Sektion Schmerztherapie an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, gezeigt.

... mehr zu:
»Depression »Psychotherapie


Akute Rückenschmerzen sind weit verbreitet: Rund 30 Millionen, also mindestens jeder dritte Bundesbürger, klagen einmal im Jahr darüber. Vom akuten zum chronischen Leiden ist der Weg oft nicht weit. Der volkswirtschaftliche Ausfall liegt schätzungsweise bei 20 Milliarden Euro pro Jahr.

"Bei der Entwicklung chronischer Rückenschmerzen spielen psychische Aspekte, zum Beispiel eine Neigung zur Depression oder Angst vor Bewegung und körperlicher Aktivität eine wichtige Rolle. Darauf weisen wissenschaftliche Studien hin", erklärt Professor Schiltenwolf. "Patienten sollte deshalb eine Behandlung angeboten werden, die bereits frühzeitig auch psychologische Aspekte berücksichtigt." Psychotherapie gehört bislang jedoch nicht zu den von den Krankenkassen erstatteten Therapien bei Rückenschmerzen.

Gemeinsam mit Kollegen aus Heidelberg behandelte der Heidelberger Schmerztherapeut insgesamt 64 Patienten, die erstmals wegen starker Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule drei bis zwölf Wochen lang krank geschrieben waren, nach einem standardisierten Schema.

Die Teilnehmer der Studie wurden drei Wochen lang entweder mit medizinischer Standardtherapie - Krankengymnastik, Bewegungstherapie im Wasser, Muskeltraining, Rückenschule und Massagen - behandelt. Die Hälfte der Patienten erhielt statt Wassertherapie psychotherapeutische Behandlung, dreimal in der Woche, allein und in der Gruppe, und viermal in der Woche Entspannungsübungen. Beiden Gruppen wurden weder Medikamente noch Spritzen oder Chirotherapie verabreicht. Die Patienten wurden nach drei Wochen entlassen und weiter von ihrem Hausarzt oder Orthopäden betreut.

Weniger Schmerzen und seltenere Krankschreibung nach Psychotherapie

Die Schmerzintensität bei der Entlassung hatte in beiden Gruppen erheblich abgenommen. Bei einer zweiten Untersuchung nach sechs Monaten zeigte die mit Psychotherapie behandelte Gruppe noch weniger Schmerzen, während die konventionell behandelte wieder den Zustand vor der Behandlung zurückgefallen war. Auch die Beweglichkeit hatte sich nur bei der Psychotherapie-Gruppe langfristig verbessert; dies galt auch für die Neigung zur Depression. Besonders eindrucksvoll war der Unterschied bei der Krankschreibung innerhalb der folgenden zwei Jahre nach Therapieende: Während nur zwei der mit Standardtherapie behandelten Patienten nicht mehr krank geschrieben wurden, waren es in der Psychotherapie-Gruppe 13.

"Die Studie hat gezeigt, dass die konventionelle Therapie kurzfristig Erfolge bringt, die langfristig durch Psychotherapie stabilisiert werden können", sagt Professor Schiltenwolf. Dies gelte auch für erstmalige Erkrankungen, bei denen sich Schmerzmuster und Schmerzverhalten noch nicht verfestigt haben. Professor Schiltenwolf plädiert für weitere kontrollierte Studien, die Langzeiteffekte der Psychotherapie bei Rückenschmerzen untersuchen.

Literatur:
Schiltenwolf M, Buchner M, Heindl B, von Reumont J, Muller A, Eich W.: Comparison of a biopsychosocial therapy (BT) with a conventional biomedical therapy (MT) of subacute low back pain in the first episode of sick leave: a randomized controlled trial. Eur Spine J. 2005 Nov 26;:1-10

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Marcus Schiltenwolf
Sektion Schmerztherapie
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Telefon: +49 6221 96 6323
Fax: +49 6221 96 6380
Sekretariat Frau Lueg-Damm
Email: sabine.lueg-damm@ok.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.orthopaedie.uni-hd.de/

Weitere Berichte zu: Depression Psychotherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics